Mittwoch, 14. April 2010

Der April

Er hat eine ziemlich unangenehme Eigenschaft, dieser glupfrige Monat: das Wetter ist bekanntermaßen sehr wechselhaft. Jahaha, das ist von allen Erkenntnissen eine der weisesten.
Aber darum geht es natürlich mitnichten: schlimmer ist es, daß er Menschen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben, auf Gedeih und Verderb dazu herauszufordern scheint, miteinander zu kommunizieren, und zwar über das Wetter.
Im ganzen Leben trifft man Menschen, denen man nichts zu sagen hat, aber denen gegenüber man aus diversen Gründen gezwungen ist, ein Mindestmaß an Anstand zu zeigen.
Das ist nicht neu; man könnte es demzufolge aber dabei belassen, sich einen guten Tag zu wünschen oder- sollte man sich in einem Land aufhalten, das solche Gebräuche pflegt- in gegenseitigem Einvernehmen dem jeweils anderen an die Genitalien zu fassen.
Stattdessen sieht man sich in Bus und Bahn sowie am Arbeitsplatz mit Leuten konfrontiert, die kostbare Lebenszeit damit verschwenden, über das Wetter zu reden, was immer- ich betone: IMMER- in der Feststellung gipfelt, daß man "eh nichts ändern kann, und jedem rechtmachen kann man es auch nicht. Dem einen ist es zu warm, dem andren zu kalt..."
Haben solche Menschen auch nur die leiseste Ahnung, wie unermeßlich peinigend ihre schiere Gegenwart auf empfindsame Zeitgenossen wirkt? Und muß man wirklich im Stadtbus noch eine Minute vor der Abfahrt dem Fahrer zwischen Tür und Angel seine arschgeborene Weisheit vor den Schnauzbart heben, als wäre es die süßeste Frucht vom Baume der Erkenntnis?
Da wir gerade bei der Phraseologie sind, noch zwei meiner Lieblinge, die bei dem, der sie ausspricht, sofort spontane Selbstentzündung zur Folge haben sollen:

Frage: ist jemandem aus meiner geneigten Leserschaft schon einmal aufgefallen, daß dem Satz "Spaß muß sein, sonst hätte man im Leben ja gar nichts mehr zu lachen" (alles nach "Spaß muß sein" ist in ähnlicher Weise aus dem Satzbaukasten variabel) immer ein Brüller vorausgeht, den der Sprecher ausgiebigst beröhrt und bewiehert, während man sich als eher unfreiwilliger Zuhörer gerne flach auf den Boden legen, danach komplett mit Rindenmulch bedecken und abschließend in den Haufen ein Holzkreuz hineinstecken möchte?

Und noch was zu "Es wäre ja schlecht, wenn jeder den gleichen Geschmack hätte": da ist was dran.
So furchtbar finde ich es, in einem Club gemeinsam mit einer tobenden Meute zu Musik abzugehen, die mir am Herzen liegt. Lieber stehe ich an einer leeren Tanzfläche und singe bei jedem Gast, der dem DJ zuruft, er möge doch mal den Scheiß ausmachen, das Hohelied auf die menschliche Individualität.

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