Dienstag, 29. September 2015

Kneipengespräche

"...da war doch dieser Australier, der ein Lied mit Kylie Minogue..."
"Ja. Nick Cave."
"...also der, der so ähnlich klingt wie der englische Fußballtorwart... Seaman oder so..."
"Ja, Nick Cave. NICK CAVE."
"Nick Seaman, glaube ich. Wie der englische Fußballtorwart, der keinen Ball gehalten hat...."
"Nick Cave. Bin ich großer Fan. Ich hab alles von ihm.".
"...der mit Kylie Minogue, in dem Rosenbeet, wo sie dann absäuft. Wie hieß der nochmal?"
"Nick Cave, sag ich jetzt zum fünften Mal. Nick C-A-V-E."
"Ah ja, Nick Caveman, genau."
Ich geb's auf. Eine Stunde später:

"Ich hab's! Nick Cave and the Bad Seeds! Zum Glück ist mir das noch eingefallen!"

Montag, 28. September 2015

Mal was Grundsätzliches, Altenpfleger/in!

War ein Beitrag in meiner Pflegegruppe auf Facebook, aber ich denke, er sollte nicht darauf beschränkt bleiben.

ES GEHT UM DICH!
Was mir in der ganzen Diskussion um den Pflegenotstand auffällt: es wird immer davon gesprochen, daß dieser Notstand in erster Linie zu Lasten der Bewohner (Neusprech: "Kunden") geht, aber nie davon, daß er auch für uns selbst eine schwere Belastung bedeutet.
Sind wir bereits dermaßen konditioniert, daß wir es verlernt haben, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern? Wir sind fast keine Menschen mehr, wir sind nahezu altruistische Wesen, die gefälligst keine normale menschliche Regung mehr zeigen dürfen. Es wird ständig erwartet, daß wir nett und freundlich sind, niemals schlechte Laune haben, und immer zuvorkommend sind... selbst wenn wir von Bewohnern grundlos beschimpft, geschlagen oder mit Gegenständen (im schlimmsten Fall Fäkalien, alles schon erlebt) beworfen werden.
Unsere Privatprobleme sind nicht existent; in jeder anderen Berufsgruppe werden sie thematisiert, bei uns wird es als Zeichen der Professionalität gewertet, wenn wir sie uns nicht anmerken lassen.
Das soll KEIN Plädoyer dafür sein, unsere Launen an Bewohnern auszulassen, bitte nicht falsch verstehen. Aber ein Hinweis darauf, daß wir normale Menschen sind wie jede andere Berufsgruppe auch, ist durchaus angebracht.
JA, ich bin manchmal schwer genervt. JA, ich habe manchmal schlechte Laune und muß mich dann noch mit absichtlich verletzenden Äußerungen nichtdementer Bewohner herumschlagen, ohne ausfällig zu werden, da sie ja schließlich Geld bezahlen, was sie in den Augen der Öffentlichkeit berechtigt, die größten Kotzbrocken zu sein.
JA, es regt mich auf, wenn Leute aus unserem Berufsstand öffentlich äußern, daß sie es ja irgendwie toll fänden, wenn sich Bewohner uns gegenüber daneben benehmen, denn "wenn ich im Heim wäre, würde ich das genauso machen, höhöhö" und dafür auch noch beklatscht werden, anstatt man sie zwingt, mal ein komplettes Wochenende in Unterbesetzung Teildienst zu machen und sich dann mit einem eingestuhlten Bewohner herumzuplagen, der während der Pflege schreit und schlägt.
Pflege ist mein Beruf, nicht meine Berufung. Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt, obwohl man fast schon das Gefühl vermittelt bekommt, deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Aber ich bin nicht Mutter Teresa, und auch, wenn ich versuche, meinen Beruf bestmöglich zu machen, habe ich doch kein Bedürfnis danach, mich aufzuopfern, auch wenn das manche Leute außerhalb unseres Tätigkeitsbereichs scheinbar voraussetzen.
JA, es geht um die Bewohner. Ich möchte, daß sie zufrieden sind und optimal versorgt werden.
Aber es geht auch um DICH und MICH.
Unsere Nerven, unsere Rücken, unsere Gelenke, unser Privatleben.
Es ist eigentlich schon bizarr, Leute daran erinnern zu müssen.

Montag, 21. September 2015

Handelsblatt!

Was man so alles findet, wenn man auf der Suche nach allgemeinen Informationen ist:
wunderbar recherchiert, psychologisch tiefgründig und völlig frei von etwaigen Vorurteilen lettertest du am 12. 09. 2014 auf deiner Internetseite:

"Seit einiger Zeit kann man in Frankreich das Kennzeichen mit der Nummer des Départements frei wählen. Bei Schlägertypen beliebt ist die 2a mit dem markanten korsischen Kopf. Sie soll signalisieren: Komm mir nicht zu nahe!"

Ja, wir Korsen sind manchmal ein merkwürdiges Volk. Und das muß mir nicht zwingend jemand erzählen, der mit beiden Beinen im Muscheltopf eines beliebigen Club Mediterranée steht.
Unn isch fick dei Mudder, Alder.

Sonntag, 20. September 2015

Immer wieder Charlie

Charlie Hebdo gibt manchen mal wieder Gelegenheit, die beleidigte Leberwurst rauszulassen. Einer der Gründe dafür ist diese Zeichnung:


Über die Pointe läßt sich trefflich streiten, aber letztendlich ist die Aussage wohl folgende: die ganzen "besorgten Bürger", die sich um das christliche Abendland sorgen, sollten das lassen.
Denn im Mittelmeer ersaufen ja "nur" Moslems, kaum oder keine Christen; das muß ja einen Grund haben.
Ich jedenfalls kann auch bei wiederholtem Hinschauen keinen Affront gegen Moslems oder eine Verhöhnung des ertrunkenen syrischen Jungen erkennen, eher eine der Selbstgefälligkeit möchtegernchristlicher Idioten, die angesichts der Flüchtlingssituation keine größeren Probleme als die Angst vor einer vermeintlichen Überfremdung haben.
Natürlich sieht das ein Teil der Netzgemeinde anders, und es fühlen sich Leute verhöhnt und betroffen, bei denen ich mich wiederum frage, ob man a) keine anderen Probleme hat und b) wie man dermaßen dünnhäutig und ironieresistent sein kann.
Außerdem frage ich mich, wie groß die Empörung und Anteilnahme wären, wenn es nicht um die Ummah ginge, sondern die Flüchtlinge Juden oder- sagen wir mal- Briten wären.
Aber mit "wenn" läßt sich immer schlecht argumentieren, vor allem bei Menschen, die wegen jedem Blödsinn gleich ihre Grundsätze der Lächerlichkeit preisgegeben sehen.
Daß der jetzige Besitzer ein Rothschild ist, gibt dem Ganzen natürlich noch eine zusätzliche Würze. Die gute alte jüdische Weltverschwörung darf natürlich auch mal wieder nicht fehlen.
Früher wollte sie die Deutschen unterjochen, heute alle Moslems weltweit. Paranoiker aller Länder, vereinigt euch!

Natürlich könnte man jetzt sagen, ich hätte gut reden, denn ich sei ja durch den CH- Humor nicht betroffen. Falsch:

"Wieder ein Anschlag auf Korsika! Er hat meine Schwester angeschaut"

Das finde ich nicht lustig. Nicht bei einer Zeitung unserer Kolonialmacht, für die im Ersten Weltkrieg 30 000 Korsen als Kanonenfutter verheizt wurden, die unsere Sprache und Kultur jahrelang verboten und unterdrückt hat (im 20. Jahrhundert, wohlgemerkt!), die Ende der 60er Jahre nach dem Verlust ihrer Kolonie tausende Algerienrückkehrer auf Korsika angesiedelt hat, um uns zu einer Minderheit auf unserem eigenen Grund und Boden zu machen und ihnen nicht nur den größten Teil des Weinbaus übertrug, sondern ihnen auch 44 % der kompletten Insel zur Verfügung stellte, was ethnische Säuberungen zur Folge hatte. Und Atomtests, die sie vorher in der Sahara durchgeführt hatte, kurzerhand ins Gebirge von Argentella auf Korsika verlagerte, denn irgendwie mußte man den Verlust der Kolonie samt Wüste ja ausgleichen, und die Insel ist ausreichend weit vom Festland weg, um es nicht zu gefährden. Und das war nur eine sehr unvollständige Liste französischer Schweinereien.
Frankreich ist- wenn auch weit nach Deutschland und kurz hinter den USA- einer der miesesten Bastarde der neueren westlichen Geschichte und hat als Land keinerlei Sympathien verdient.
Deswegen bin ich auch geneigt, den Zeichner des obigen Cartoons (den ermordeten Charbonnier) aufgrund dieser Zeichnung für einen Arsch zu halten, auch weil es ganz billig ist, uns zu verspotten, Kolonie, die wir auch heute noch sind.

Der Unterschied ist nur: ich hätte ihn deswegen nicht erschossen, weil mir die Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter ist. Und ich habe in meinem Leben andere Sorgen, als mich lang und breit über so einen Schwachsinn aufzuregen, vor allem, wenn er von einem Magazin stammt, bei dem man- ähnlich wie bei der TITANIC- nicht alles für bare Münze nehmen sollte, was darin veröffentlicht wird, denn Satire ist eben zumeist provokant und geschmacklos.
"Ich finde vielleicht scheiße, was du sagst, aber ich werde das Recht verteidigen, daß du es sagen darfst, ohne um dein Leben fürchten zu müssen. Denn daran glaube ich." Das ist einer meiner Grundsätze, den ich nach wie vor bis auf's Messer verteidige, auch wenn ich gegen manche geäußerte Meinungen heftig polemisiere.
Ob das auch für Rechte gilt? Klar, jeder darf rechtsextrem sein. Nur ist er dann für mich eben ein dummes Stück Scheiße.