Dienstag, 4. September 2018

Beatrix von Emu!

Angesichts des "Wir sind mehr" - Konzerts mit 65 000 Teilnehmern gestern in Chemnitz rauschte ihnen folgendes via Twitter ungebremst aus dem Kleinhirn:

" @Beatrix_vStorch
Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich- und ihr tanzt auf Gräbern. #wirsindmehr
20:24 - 3. Sep. 2018"


Abgesehen davon, daß ich mich durchaus geehrt fühle, von einem gar glumpfigen Gebilde Ihres Ausmaßes zumindest theoretisch verabscheut zu werden, da wir ja noch nicht das sicherlich unvergleichliche Vergnügen hatten, uns persönlich zu begegnen, nur folgende Anmerkungen:

natürlich ist mir bewußt, daß die Nazis und die AfD des Toten ja dezent in einem würdigen Rahmen gedacht haben. Die Leute gestern, die nur nach Chemnitz kamen, um sich zu amüsieren, sollten mal in sich gehen und sich angemessen schämen.
Herzerwärmend ist es natürlich, daß der dunkelhäutige Sohn eines kubanischen Gastarbeiters soviel Solidarität von Ihrer Seite erfährt, da er ausnahmsweise mal von Ausländern niedergestochen wurde, anstatt von irgendwelchen Repräsentanten Ihrer bevorzugten politischen Richtung, wie es normalerweise Usus ist.
Ich bin mir ziemlich sicher, er wäre von Ihrer Anteilnahme gerührt.
Und nein, ich mache mich mit dieser Bemerkung nicht über ihn lustig. Aber die Chance, daß Sie sich in einem lichten Moment die unfaßbare Obszönität Ihres gesamten Gebarens vielleicht einmal vergegenwärtigen, wenn man Sie nicht mit der Nase hineinstößt wie einen Hund in seine Hinterlassenschaft auf dem Wohnzimmerteppich, finde ich genauso unwahrscheinlich.

Mögen wir auf Gräbern tanzen: Sie und Ihre Gefolgsleute sind Garanten dafür, daß es ausreichend davon gibt.

Montag, 20. August 2018

Raise your horns!

Mit Facebook - Bekenntnissen ist es so eine Sache.
Momentan läuft eine Reihe, die "Raise your horns" benannt ist: unter den Hashtags 
#raiseyourhorns #mentalhealthawareness #selfcare  
schaut man möglichst seriös - verkniffen in die Kamera und präsentiert deutlich sichtbar an prominenter Stelle die in Metalkreisen als "Pommesgabel" bekannte sowie treffend benannte Fingergeste, um damit der Sängerin Jill Janus der mir völlig unbekannten Band "Huntress" zu gedenken, die sich gerade das Leben genommen hat.
Das ist natürlich eine Steilvorlage für einen Polemiker, und es wäre mir ein leichtes, das ganze Phänomen albern zu finden und sarkasmustriefend zu zersägen, wenn ... ja, wenn diese ganze Sache nicht so todernst wäre.
Wenn nicht immer noch landauf und landab bei Nichtbetroffenen ein allenfalls mildes Problembewußtsein vorhanden wäre, das sich vor allem meldet, wenn sich mal wieder ein Prominenter selbst über den Jordan geschippert hat.
Sogar dann ist oft die alles vorherrschende Frage: "Der hatte doch alles! Warum tut er dann sowas?"
Spekulationen drehen sich dann zumeist um irgendeinen "feigen Ausweg", oder - sollte der Verblichene die Unverfrorenheit besessen haben, trotz seiner Krankheitsgeschichte eine Familie zu gründen - von "mangelndem Verantwortungsbewußtsein gegenüber seinen (bzw. ihren) Kindern".
Soweit, so gut, so rumpeldumm, so ahnungslos.
Nein, ich schrieb es vor langer Zeit schonmal: zu jammerlappigem Sulchgegreine irgendwelcher akustikklampfender Langweiler melancholisch aus dem Fenster auf winterkahle Bäume zu glotzen und sich einzureden, man fühle sich gerade "depri", hat damit herzlich wenig zu tun, ist fast schon eine Beleidigung für wirklich Betroffene.
Denn tut es im ersteren Fall tatsächlich oft genug die Aufforderung, sich mal zusammenzureißen, anstatt im selbstgesuchten Tal der Krokodilstränen herumzuwaten, sind solche guten Ratschläge ein lausiger Witz, werden sie in die Hölle hinabgerufen, in der sich ernsthaft Erkrankte während eines akuten Schubes befinden. 
Die Vorstellung, an einem herrlich warmen Tag mit strahlendem Sonnenschein entweder ohne erkennbaren Grund oder beiläufig durch irgendeinen Schlüsselreiz emotional wie durch einen Strudel in finsterste Abgründe hinabgerissen zu werden, mag für Nichtdepressive nicht nachvollziehbar sein. 
Genausowenig wie die Vorstellung, das konservierte Gefühl vom schlimmsten Tag ihres bisherigen Lebens wochen - oder monatelang in einer Zeitschleife ständig neu erleben zu müssen, ohne daß irgendwann ein Ende in Sicht wäre.
Oder völlig hilflos diesem Phänomen gegenüberzustehen, wenn ein Mensch, der einem wichtig ist, an dieser Krankheit leidet, und aller Zuspruch und sonstige Zuwendung seine Qualen kaum lindern können.

Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben (und glauben Sie mir, ich weiß, von was ich schreibe), aber ich lasse es vorerst dabei bewenden.
In der vagen Hoffnung, daß vielleicht der ein oder andere ahnungslose Leser sich genötigt sieht, mehr über das Thema in Erfahrung zu bringen, hebe ich dann also auch mal meine Hörner.
Sollten Sie mir auf Facebook folgen, dann befindet sich das Bild wahrscheinlich direkt über dem Link zu diesem Beitrag.

Dienstag, 31. Juli 2018

Von den eigenen Mördern gefeiert

Nachdem ich über die Beschäftigung mit dem kulturellen Hintergrund einer Ex - Freundin ( die ja den Sinti zugehörte, sich aber trotzdem gerne als "Zigeunerin" bezeichnete) bei sogenanntem "Gypsy Swing" gelandet bin, beschloß ich, meine Sammlung in diesem Bereich mal wieder zu vergrößern.
Django und Schnuckenack Reinhardt werden von mir ja bereits seit geraumer Zeit nahezu abgöttisch verehrt, und nun gewann ich mit einem 1975er - Album des Häns'che Weiss Quintett eine weitere Pretiose hinzu.
Passenderweise war diese Band mit Schnuckenack Reinhardts Begleitband personell weitgehend identisch und - was die Vornamen angeht - ebenso liebenswürdig phantasievoll:
hier hießen die Mitmusiker Titi, Holzmanno und Ziroli Winterstein sowie Hojok Merstein., und zumindest Weiss selbst und Titi Winterstein sind mittlerweile leider verstorben.
Ich schaue mir gerne auf You Tube Auftritte diverser Musiker dieses Genres in deutschen Fernsehshows der 70er an, auch allein schon der Kleidung, Frisuren und sonstigen Ausstattung wegen.
Wenn man dann bei Publikumsschwenks ähnlich wie bei Hans Rosenthal applaudierende Endfünfziger sieht, die den ganzen Trupp dreißig Jahre vorher ohne mit der Wimper zu zucken ins KZ und dort in die Gaskammer geschickt hätten, wird es endgültig bizarr.
Nun fiel mir noch spontan ein Interview mit dem glücklicherweise inzwischen mausetoten Ex - SS - Oberscharführer und Holocaustleugner Thies Christophersen ein, der freimütig bekannte, daß "die Zigeuner im Lager [Auschwitz - Birkenau, wohlgemerkt - Anm. d. Verf.] Musik machen mußten".
Also: in dieser Hölle auf Erden durften sie die Wachmannschaften unterhalten, um zumindest auf längere Zeit ihr Überleben zu sichern.
Was sagt uns das? Daß Nazis durchaus eine Affinität zu Zigeunerkultur hatten und der Musik zumindest Unterhaltungswert, wenn nicht gar Schönheit zubilligten. Und dennoch keinerlei Hemmungen hatten, die Musiker wie krankes Vieh zu entsorgen, wenn sie keine Verwendung mehr für sie hatten.

Ich kann mir nichts vorstellen, was die Geisteskrankheit dieser Ideologie (und danach die Verlogenheit der frühen BRD) besser widerspiegelt.

Dienstag, 24. Juli 2018

Mal wieder Post:

Lieber Franz - Josef Wagner,

"Welcher Idiot gibt Ihnen diese irren Ideen ins Gehirn?", schrieben Sie an die Adresse von Mesut Özil.
Das frage ich mich bei Ihnen auch immer.
Dummerweise fällt Ihnen Ihr Sulch von ganz alleine ein.
Herzlichst,

Ihr  Stefan Gaffory

Ein ganz neues Kapitel

Es begann mit der Art von Romantik, wie man sie sich schon in frühester Kindheit herbeiphantasiert.
Vor dem Fernseher nämlich, gewandet in feinsten Freizeitzwirn, den unsterblichen Satz auf den Lippen:

"Du, ich wollte dich was fragen."
(Fernseher leiser)
"Was denn?"
"Willst du mich heiraten?"
"Willst du mich verarschen?"
"Nö."
"Ja, das können wir schon machen."
(Fernseher lauter)

Und was so traumhaft geplant wurde, ist jetzt Wirklichkeit geworden:
Frau Turini und ich haben uns am 21.07. tatsächlich gegenseitig geehelicht (und dabei unsere ursprünglichen Namen behalten, um größere Verwirrungen zu vermeiden).
Und egal, was Ihnen jemand darüber erzählt, daß die Hochzeit der schönste Tag das Lebens wäre: in unserem Fall hat er recht. Zumindest rangiert dieser Tag in meinen persönlichen Top 3.
Nach fast 45 Jahren Leben ist das auf jeden Fall mal ein guter Schnitt.

P.S.: 
Kleine Anekdote am Rande: wir haben zu "This Is Love" von PJ Harvey geheiratet.
Der Standesbeamte, völlig entgeistert: "Ist das wirklich Ihr Ernst?"

Donnerstag, 1. März 2018

26 Jahre oder: Das Wort zum Sonntag

Heute las ich im Gesichtsbuch, daß "Vulgar Display Of Power" von Pantera bereits stolze 26 Jahre auf dem verschwitzten Buckel hat.
Ich erinnere mich: damals hatte ich die Platte nur auf Cassette, die ich mir von einem Kumpel überspielte, der sie ebenfalls nur auf einer von einem anderen Tape kopierten Cassette hatte.
Eine Tape zu Tape zu Tape - Kopie also; dementsprechend war die Qualität.
Als ich mir dann von meinem mageren Azubigehalt endlich die CD leisten konnte und sie daheim einlegte, zeerbröselte mich das Anfangsriff von "Mouth For War" samt meiner Zimmereinrichtung. Der Beginn einer großen Liebe (und darum möchte ich hier auch nicht über Phil Anselmo als Person und Dummbeutel referieren).
Damals war ich 18 oder 19 Jahre alt.
In Docs mit roten Schnürsenkeln, Flanellhemd und abgeschnittenen Bundeswehrhosen stiefelte ich über die Tanzfläche im MASH in Landau und schüttelte zu "This Love" das Haupthaar, das ich damals manchmal schwarz färbte und kurz trug, außer dem Pony, den ich mir lang wachsen ließ, im Bemühen, ständig einen Vorhang vor dem Gesicht zu haben. Bei den Strophen täuschte ich zumeist sachte an und stampfte beim Refrain heftig bangend herum. Heute würde mir wahrscheinlich die Rübe abfallen.
Ich frage mich manchmal, was wir denken würden, wenn uns unsere damaligen alter egos heute über den Weg liefen. Wahrscheinlich fände ich es allenfalls niedlich, wie ich damals den wilden Mann markierte, obwohl ich zu dieser Zeit noch harmlos war wie ein Zweipfünder Bauernbrot (meine wilden Jahre, auf die ich in der Zeit hinarbeitete, waren die adoleszenten). Daß ich damals wahrscheinlich scheiße aussah? Geschenkt. Ich kenne kaum jemanden, der heute von sich behaupten kann, damals bereits erstaunlich stilsicher gewesen zu sein und das bis heute unverändert durchgehalten zu haben. Davon abgesehen, wären Erinnerungen ohne vergangenes Scheißesein allenfalls nur halb so unterhaltsam.
Es war mit Sicherheit nicht alles toll (einiges war sogar ziemlich unerfreulich, wenn ich so zurückdenke), aber es ist trotzdem gut, wie es war ... und vor allem, DASS es so war.

Leute, denen ihre Jugend peinlich ist, haben definitiv etwas verkehrt gemacht.

Sonntag, 14. Januar 2018

Beatles - Bashing

"Linus Volkmann ist mir zum ersten Mal aufgefallen, als ich begonnen habe, regelmäßig die formidable Indie-Musik-Zeitschrift "Intro" zu lesen.
Da war er für mich bald schlicht der größte Schreiberling weit und breit, seine Texte und Reviews hochklassig und unübertroffen. Nun kommt der Buchautor und freie Journalist nach Karlsruhe ins geschmackssichere Kohi, um zu lesen und "die Popkultur zu demolieren" – und alle (Nicht-)Eingeweihten werden bei dieser Lese-Show in Wort und Bild an seinen Lippen hängen, versprochen!"

Wer mich nur ein wenig kennt, sieht natürlich auf den ersten Blick: dieser Text, mit dem eine Lesung von Linus Volkmann im KOHI in den "KA - News" angekündigt wird, könnte natürlich glatt von mir selbst sein.
Ist er aber nicht; ansonsten würde ich bereits - anstatt diesen Text hier zu tippen - seit drei Stunden unter der Dusche stehen, um diese devote Hofschranzenhaltung von mir herunterzubrausen.
Von der unwesentlichen Tatsache abgesehen, daß es gerade im Bereich der Populärkultur mindestens fünf Schreiber gibt, die ich als ähnlich gut ansehen würde und ich mich auch nicht als dermaßen unzulänglich betrachte, daß ich vor jemandem auf dem Boden herumrutschen müßte, würde ich - wäre ich dermaßen messianisch angekündigt - vor Fremdscham wahrscheinlich unter Pseudonym samt einer Papiertüte mit Augenlöchern auf dem Kopf die Bühne betreten.
Aber lassen wir den namenlosen "KA - News" - Schreiber mal beiseite, er kann vermutlich nichts dafür.
Interessanter ist es, daß das Programm den gewagten Titel "Die Beatles sind Idioten. Radiohead auch" trägt.
Darin geht es laut Info um Attacken auf Phänomene der Popkultur, und ich ahne schon wieder Beatles - Bashing, das mittlerweile dermaßen originell ist, daß man fast schon ein größeres Wagnis eingeht, sich als Beatlesfan zu outen, anstatt sie scheiße zu finden. Laut Vorankündigung sind die Beatles aber nicht das einzige Opfer, auch die Sportfreunde Stiller bekommen wohl ihr Fett weg. Der traut sich was.

Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, daß ich Thom Yorkes hodenloses Jammerlappengewinsel schon immer unerträglich fand und ihm für seinen Gastauftritt auf PJ Harveys "This Mess We're In" am liebsten einen lebenden Zitteraal in den Hosenstall stecken würde? Nein?

Dann war es wohl mal Zeit.