Montag, 16. September 2019

Abpfiff

Ich hab es endlich geschafft.
Freiwillig habe ich noch keine Minute von der Saison in allen drei relevanten deutschen Fußball - Ligen gesehen.
Zum ersten Mal seit meiner Kindheit habe ich mir kein kicker - Sonderheft zum Bundesligastart gekauft, lese keine Sportzeitschriften mehr und bin komplett raus.
Es besteht kein Funken Interesse mehr an Bundesligafußball. Und vermisse ich gerade etwas?

NEIN.

In den letzten Jahren hat meine Begeisterung schon spürbar nachgelassen, flammte aber immer wieder kurzzeitig auf, wenn es tatsächlich um wichtige Entscheidungen ging.
Nibelungentreue?
Der FCK, den ich als Kind geliebt habe, ist eh schon seit zwanzig Jahren dahingesiecht und nun mit der Installierung irgendeines luxemburgischen Immobilienwindhundes endgültig verreckt. R.I.P.
Einen Neustart in der Regionalliga Südwest hätte ich generell bevorzugt, was aber mein Fandasein wahrscheinlich auch nicht mehr reanimiert hätte, so befremdlich finde ich diesen ganzen fußballgewordenen Eventzirkus mittlerweile.
Der SC Bastia bleibt mir noch; von den politischen Gründen abgesehen, spielt er als Viertligist in diesem ganzen Hypewahnsinn sowieso keine Rolle, und sollte er jemals wieder in die erste französische Liga aufsteigen, gibt er auch niemandem einen Anlaß, ausgerechnet in einen korsischen Verein mit 2000 Zuschauern, den ganz Fußballfrankreich haßt, Millionen hineinzuinvestieren.
Deswegen kann ich da zumindest ab und zu Fan sein, ohne mich wortbrüchig zu fühlen.
Ansonsten:
geisteskranke Transfersummen, aufgepimpte Arschvereine wie Wolfsburg oder Hoffenheim, andere kickende Großkonzerne mit gesichtslosen Angestellten, denen eine eigene Persönlichkeit zumeist genauso abgeht wie eine eigene Meinung, wenn sie Vorformuliertes in Mikrophone seiern.
Komplettskandale wie RB Leipzig, die ja jetzt - unterstützt von medialen Jubelpersern wie Alfred Draxler und allerlei Leuten, die Regeln und Verordnungen immer so zurechtbiegen, daß dieses Heuschreckenkonstrukt durchpaßt - gute Chancen haben, die nächsten paar Jahre deutscher Meister zu werden.
Ich schätze, bald in der RB - Bundesliga, da dieser Dreckskonzern momentan überall Geld hineinpumpt, wo es was zu holen gibt, abgesehen von allen möglichen Sportarten nun wohl auch in Musik. Eine Krake, der mittlerweile auf dem sinkenden Kahn allzuviele Leute allzu bereitwillig die Schotten öffnen, um "international wettbewerbsfähig" zu bleiben. Fickt euch alle.
Lange konnte ich mich nicht überwinden und habe mich an Kindheits - und Jugenderinnerungen festgeklammert in der Hoffnung, sie in der neoliberalen Fußballwelt wiederzufinden.
Jetzt weiß ich: das wird nix mehr. Und fühle mich eigenartig erleichtert, weil ich einige unnötige Sorgen losgeworden bin, siehe ältere Blogbeiträge.
Verscherbelt den kompletten Dreck an Mateschitz, es wird mich nicht mehr jucken.

Und das ist gut so.

Donnerstag, 12. September 2019

Momentaufnahme

Einen fröhlichen guten Morgen, werte Leserschaft!

Wenn man sich vage ausdrückt, erntet man manchmal Unverständnis, in das sich ein gerüttelt Maß an Besorgnis mischt. Deshalb:
der Grund für den gestrigen lugubren Eintrag ist meine kürzlich erfolgte Entzweiung mit Frau Turini.
Das lasse ich hier jetzt mal ohne weitere Erläuterungen stehen, um weiteren Spekulationen um eventuelle Todesfälle oder ernsthafte psychische Grunderkrankungen vorzubeugen, ohne allzusehr persönlich zu werden.

Ich habe mich dafür entschieden, mich zur Kompensation in Arbeit zu stürzen.
Allerdings umfaßt dies momentan nicht meinen durchaus interessanten und anspruchsvollen Brotjob (der mir zudem ein geradezu vorbildliches Team beschert hat, dessen Unterstützung in der letzten Zeit ich gar nicht genug würdigen kann), da ich gerade Urlaub habe.
Geplant war zwar nicht unbedingt, den in einer viel zu großen verwaisten Wohnung zu verbringen, aber nun muß ich dieser Tatsache ins häßliche Gesicht sehen.
Glücklicherweise konnte ich einen äußerst genehmen Menschen, den ich schon lange kenne und der sich gerade ebenfalls in einer Trennungssituation befindet, dafür gewinnen (bzw. er gewann mich für die Idee), vorübergehend als Untermieter einzuziehen, bis sich sein Privatchaos ausreichend geordnet hat.
Derweil mache ich mich ernsthaft daran, meinen neuen Roman "Die Papageienschaukel" nach jahrelangem Herumdümpeln nun endlich fertigzuschreiben.
Vorgestern beendete ich die Rohfassung, gestern machte ich mich an die Ausarbeitung des letzten Drittels.
Fünf Stunden saß ich und tippte wie besessen, begeistert vom Wiederfinden meines manischen Arbeitsethos ... nur um dann festzustellen, daß der Rechner im Open - Office - Modus den Text gar nicht abspeicherte und somit alle neu erstellten Teile komplett im Orkus verschwanden, worauf als dürftiger Ersatz ein großes Heulen und Zähneklappern die Leerräume der Wohnung erfüllte.

2019: ein wahrhaft grandioses Jahr. Ich liebe es.

Mittwoch, 11. September 2019

Ground Zero

Man erwacht in einer fremden Wohnung, die gerne die eigene wäre, aber ihren Status eingebüßt hat.
Denn was man viel zu lange als viel zu selbstverständlich schon kaum noch bewußt wahrgenommen hat, ist spurlos daraus verschwunden, allenfalls noch einen wabernden Nachhall hinterlassend, der für kurze Momente zu einem schrillen Crescendo wird.
Man sieht die Welt mit anderem Blick. Es wäre gern der altbekannte Blick, jedoch durchziehen ihn Schlieren, als wäre er mit einem Schmierfilm belegt, der verhindert, daß Sachen ihr ursprüngliches Aussehen zurückgewinnen.
Man entdeckt Menschen. Es gibt Freunde, die sich wie Freunde benehmen, was einen fast schon beschämt, wenn man an vergangene Momente der Vernachlässigung zurückdenkt.
Es gibt Leute, die man nicht als Freunde bezeichnen würde, die sich aber wie solche benehmen, was einen die einem bisher bekannte Welt neu sortieren läßt.
Und man trennt die Spreu vom Weizen.

Wie es jetzt halt so ist, das Leben. Das Aufstehen. Das Weitermachen.

Allein.

Dienstag, 6. August 2019

Jubiläum II: ich habe fertig

Werte Leserschaft!
Eigentlich hatte ich vor, angesichts des nun bereits verstrichenen zehnjährigen Jubiläums meines Blogs einige gepflegte Sottisen vom Stapel zu lassen.
Leider ist das Leben weder ein Wunschkonzert noch ein Ponyhof, und schon gar nicht eine Floskel ihrer Wahl, die Sie hier gerne einsetzen dürfen.
Ich werde Sie hier keineswegs mit meinen derzeitigen privaten Problemen behelligen, aber gehen Sie davon aus, daß welche vorhanden sind, deren Breittreten in der Öffentlichkeit ich aus Rücksicht auf Beteiligte tunlichst vermeiden werde.

Bis sich meine private Situation wieder beruhigt hat, wird das hier mein vorerst letzter Eintrag sein.

Sie könnten ausnahmsweise mal so nett sein und mir die Daumen drücken, daß dies nicht allzulange dauern wird.
Bis dahin: vorerst einmal ein "Auf Wiedersehen" mit angedeuteter Verbeugung.

Dienstag, 25. Juni 2019

Jubiläum 1: der 500. Beitrag

"Republishing ist bei den Großen fester Bestandteil der Contentstrategie. Im folgenden Artikel erfährst du, warum es auch kleine Blogger in ihre Strategie einbinden sollten."

Danke, XING. Ich bin so ein kleiner Blogger, nunmehr schon seit fast zehn Jahren (ausstehendes Jubiläum Nummer 2), und der Grund dafür, daß ich im Konzert der Großen nicht mal die Triangel spielen darf, dürfte meinen geschätzten Lesern auch recht schnell einleuchten.
Mag es meine nach wie vor nanga - parbat - hohe, unüberwindliche Abneigung gegen solch neoliberales Hipstersprech sein oder auch mein grundsätzlicher Widerwille, mit meinem Blog unter Zuhilfenahme aller erdenklichen Mittel Geld verdienen zu wollen und mich dabei soweit zu verflüssigen, daß mich von irgendwelchen Influenceramöben lediglich nur eine Membran trennt (die vermutlich aus der Feststellung besteht, daß ich - wenn ich es schon nicht schaffe, meine Intelligenz unter einem Überhang aus völliger Oberflächlichkeit zu verstecken - für einen Influencer definitiv zu scheiße aussehe).
Momentan ist der Stand, daß ich - um einiges häufiger noch als vor ein oder zwei Jahren, als der Blog nahezu komatös daniederlag - sehr gerne wieder in die Tasten greife, wenn auch unregelmäßig.
Genauso verhalten sich auch die Zugriffszahlen: hatte ich anfangs täglich 12 - 20 Zugriffe, formieren sich bei neuen Beiträgen mittlerweile Zugriffstsunamis, die binnen weniger Stunden ins Dreistellige schwappen ... nur, um dann so schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen sind.
Danach dümpelt der Blog auf Notstromaggregat dahin, bis ich mal wieder Laune habe, irgendwas unters lesende Volk zu streuen.
Ich habe mich daran gewöhnt, und mittlerweile macht mir das wieder ziemlichen Spaß.
Nach wie vor hätte ich große Lust dazu, mit einigen meiner Leser direkt zu kommunizieren, und zwar hier und nicht auf Facebook.
Aber sämtliche Appelle, bitte vermehrt die Kommentarfunktion im Blog zu nutzen, verröhrten bislang unerwidert im Orkus.

Kleinlich möchte ich dennoch nicht sein: liebe unbekannte Leser und vor allem Stammleser, sie sind der Grund dafür, warum dieser Beitrag die stolze Nummer 500 tragen darf.
Dafür zu diesem besonderen Anlaß einen herzlichen Dank für die Motivation, trotz gelegentlicher Lustlosigkeit immer und immer weiterzumachen.

Montag, 27. Mai 2019

Zuschlagen! Immer nur zuschlagen!

Manche Leute aus meinem Freundeskreis können mit Martin von Arndts Debüt "Ego Shooter" herzlich wenig anfangen.
Ich habe es - nachdem ich den schmalen Band bei seiner Lesung kürzlich im KOHI endlich erstanden habe - angelesen und fand es stilistisch dermaßen interessant, daß ich die Negativkritik nicht nur nicht nachvollziehen kann, sondern es noch dazu einpackte und zwecks Kurzweil auf eine Zugfahrt mitnahm. Denn meine geschätzte Gattin und ich wollten am Samstag zum 76. Geburtstag meines Schwiegervaters nach Oppenheim aufbrechen.
Wer einmal Gast im Hause Turini war, weiß auch, daß dieser Anlaß noch lange nicht so trostfern sein konnte, wie er sich anhören mag, wird man doch regelmäßig bis knapp unter den Deckel mit italienischen Speisen, deutschem Bier, Grappa und Espresso aufgefüllt. Insofern freute ich mich auf eine ungestörte Lektüre im ICE - Ruhebereich samt anschließender hemmungsloser Völlerei inklusive Umfallen irgendwann nachts um zwei.
Zumindest aus dem ersten Teil wurde bis zum Umstieg in Mannheim nix.
Samstag. Junggesellenabschiedstag.
Eine ausgesucht ekle Runde stand direkt neben dem Ruheabteil und gab aufdringlich laut grunzdummes Liedgut mit ordentlich Schmiß zum besten, das einen mal wieder an dem Entschluß mancher Frauen verzweifeln ließ, die keinerlei Hemmungen haben, solch einen Abschaum zu ehelichen.
Neben allerlei KSC - Klassikern straight outta Wildpark wurde auch als Gipfel der Heiterkeit der komplette "Donaustrand" mit allen gefühlt 18 Strophen ausgepackt, begleitet von hahaha und höhöhö. Und nachdem man sich noch gegenseitig versichert hat, wie sehr man Pfälzer und Schwaben haßt, kam man noch überein, daß Mannheimer doch ganz cool wären, denn die sind nix von beidem, sondern Kurpfälzer.
Kurpfälzer taugen auch nichts mehr, mußte ich doch feststellen, als wir mitsamt der kompletten Bagage den Zug verließen, nachdem ich diesen Teil der Fahrt mit dem inneren Abspulen von psychologisch äußerst bedenklichen Gewalt - und Tötungsphantasien verbracht hatte.
Es hätte doch freundlicherweise wenigstens ein Rudel Waldhof - Hools bereitstehen können, um dieses Gelumpe gleich auf dem Bahnsteig windelweich zu prügeln.

Aber wenn man die Barackler mal bräuchte, sind sie nicht da.

Freitag, 17. Mai 2019

Mal wieder Wiglaf Droste

Was gingen Sie mir in den letzten Jahren nicht auf den Sack.
Je mehr ich mich mit Ihrem Oeuvre beschäftigte, desto mehr fand ich Inhalte, denen ich nicht mehr länger folgen wollte; und da das so war, begann ich in meinem Blog gegen Sie zu sticheln.
Nicht, daß ich gedacht hätte, jemals etwas mit Ihnen zu tun zu haben: so bekannt bin ich nun doch nicht, daß ich davon ausgegangen wäre, daß wir uns jemals medial irgendwelche auf die jeweilige Gegenseite gemünzte Polemiken um die Ohren hauen würden.
Erwartungsgemäß haben Sie meine Existenz offenbar nicht zur Kenntnis genommen, was ich bedauerlich finde; und nicht nur das, Sie haben auch noch die Unverfrorenheit besessen, nun einfach ohne großes Gewese zu sterben und mir somit zeitlebens die Chance zu nehmen, mich solange an Ihnen abzuarbeiten, bis Sie verdammt nochmal darauf reagieren.
Ich behalte mir vor, das gerade mal doppelt unfair zu finden.
Daß Sie - einen nicht unerheblichen Teil Ihrer Energie darauf verschwendend, sich über Dialektsprecher lustig zu machen - nun ausgerechnet in Oberfranken wohnend diesen Planeten verlassen haben, ist fast schon ein abschließender Stinkefinger in meine Richtung.
Oder wäre es gewesen, hätten wir jemals die Gelegenheit gehabt, in irgendeiner Form die Füller bzw. Tastaturen zu kreuzen.
Es hätte mit Sicherheit vor Ihnen geschätzt 17 500 andere erwischen können, um die es nicht annähernd so schade gewesen wäre; denn daß ich über manche Polemik genauso herzhaft gelacht habe wie ich mich über andere ärgerte, bleibt unbestritten.
Es ist vielleicht ein Riesenkompliment, wenn man als erklärter Gegner dem Gesamtwerk seines Kombattanten trotzdem Respekt zollt und dessen Dahinscheiden aufrichtig bedauert, auch wenn der Herausgeforderte mindestens sieben Ligen zu weit oben gespielt hat.
Das sei hiermit auf diesem Weg geschehen, auch wenn es Sie jetzt bestimmt nicht mehr interessiert als zu Lebzeiten.

Ruhen Sie in Frieden. Mit einer knappen Verbeugung, Ihr alter Gegner unbekannterweise

Stefan Gaffory