Montag, 12. Juli 2010

Ein Film für die ganze Familie

An manchen Abenden wie heute frage ich mich, ob ich dereinst wohl in den Luxus gelangen werde, daß jemand mein Leben verfilmen möchte.
Hauptrolle: wahrscheinlich irgendein rachitischer Nachwuchsschauspieler, dem eine große Karriere prophezeit wird, die sich irgendwann darin manifestiert, daß er nach langjährigem Psychiatrieaufenthalt eine Gastrolle als Tierquäler in SOKO Kitzbühel übernehmen darf.
Und was für eine Facette meines Lebens wird gewählt?

Teile meiner Jugend, die dann in Rückblenden als lustig durchgeknalltes Buddy- Movie erscheinen?
Ein düsteres Drama mit noch stattzufindendem lugubren Ende? Irgendwas surreal Angehauchtes, wo als verbindendes Element aus welchem Grund auch immer alle paar Einstellungen lang jemand in einem Hühnerkostüm durch's Bild läuft?

Spannend ist es jedenfalls momentan. Täglich werde ich wach und weiß absolut nicht, was heute wieder passieren wird.
Es weiß natürlich niemand, ob er auf dem Weg zur Arbeit als Versicherungsvertreter nicht von einem LKW überfahren wird... aber im allgemeinen haben Menschen einen dermaßen geregelten Tagesablauf, daß sie zumindest eine halbwegs gefestigte Vorstellung davon entwickeln, wie ihr Tag enden und der nächste Monat ungefähr ausschauen wird.

Das fehlt mir im Augenblick völlig. Stattdessen habe ich momentan das Gefühl, zweimal in der Woche essentielle Entscheidungen treffen zu müssen, jede davon läßt mein Leben, wie es in einem Jahr aussehen könnte (vorausgesetzt, mich überfährt auf dem Weg zur Arbeit kein LKW), mehr oder weniger modifiziert anders vor meinem geistigen Auge erscheinen, und allein die Auswahl, wo ich abends hingehe, um ein Bier zu trinken, um einen Tag zu beschließen, an dem 23 1/2 Stunden lang gar nichts Relevantes passierte, kann mich wieder in völlig seltsame Situationen bringen.

In unruhigen Zeiten leben wir.

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