Freitag, 18. März 2016

Tod eines ehemaligen Feindbildes

Was lief mir bei Guido Westerwelle früher nicht die Galle über.
Ich erinnere mich an die Guidomobilzeiten samt dem Versuch der Neuerfindung der FDP als jugendlich frische Spaßpartei.
Es muß 2002 gewesen sein, als das Gefährt samt Inhalt in Speyer einfuhr und ich mich zur Wahlkampfveranstaltung ans Altpörtel zum einzigen Zweck begab, herumzupöbeln.
"Gehen Sie davon aus" (Zitat Hans Meyer), daß ich das auch wohldosiert tat.
Was danach folgte, ist bekannt: die FDP verschwand in der wohlverdienten Versenkung (nur um, wie wir heute leider wissen, durch eine noch größere Pest ersetzt zu werden) und riß Westerwelle mit in den Orkus.
Damit wäre auch gut gewesen. Das, was dann folgte, hätte ich ihm nun wirklich nicht gewünscht.
Nun ist Guido Westerwelle tatsächlich seinem Leukämieleiden erlegen, und - glauben Sie es mir oder lassen Sie es bleiben - ich komme nicht umhin, das in einem abseitigen Winkel meines Gehirns aufrichtig zu bedauern.
Nennen Sie es altersmilde.
 Aber seine letzten medialen Auftritte, in denen er über seine Krankheit sprach und die glücklicherweise jene Großspurigkeit vermissen ließen, die ihn früher so widerwärtig gemacht hatte und nur einen schwerkranken Menschen zeigten, der würdevoll wirkte und seinem Lebensgefährten aufrichtig dankte, daß er in dieser Zeit an seiner Seite war, fand ich doch recht anrührend.
Und ja, irgendwann kann man auch mal das Kriegsbeil begraben und seinen Frieden mit jemandem machen, vor allem, wenn dieser Jemand offenbar keinen Wert mehr darauf legt, in irgendeiner Form satisfaktionsfähig zu sein.

R.I.P.

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