Donnerstag, 24. März 2011

Gott zum Gruße, "Berliner Kurier"!

Dessen Beistand wirst du altes Deppenblatt wahrscheinlich bald nötig haben.
Denn nun, wo Knut im Verbund mit Problembär Bruno und Seraphina selig die heilige Dreifaltigkeit komplettiert und im metaphyischen Streichelzoo durch's ewige Packeis springt, hast du nicht nur komplett den Verstand verloren.
Nein, neben der mehrteiligen Serie über das Leben des "Bärliners zum Knutschen" fordert ihr auch, eine Straße oder einen Platz nach Knut zu benennen. Und wenn das nicht klappt, sollte zumindest ein Denkmal in Erwägung gezogen werden.
Bleibt als logische Steigerung nur euer Wunsch nach baldiger Heiligsprechung des von euch Verehrten.
Dazu könnte doch an der Gedächtniskirche Papst Benedikt höchstselbst eine Messe mit Bärchenaufschnittwurst anstelle von Hostien, quasi als sein Leib, der für uns alle... aber genug. Ich schweife ab.
Zumindest was eure heutige Schlagzeilenfrage angeht, könnte ich euch mit besserem Hintergrundwissen eine befriedigende Antwort auf eure Sinnsuche geben.
"Knut: was zerfraß sein Hirn?" heißt es da.

Wenn ich wüßte, ob er lesen konnte, wäre mir die Ursache wahrscheinlich klar.

Dienstag, 22. März 2011

Und übrigens, Detlef Waldt aus Tostedt,

ihre "naive Frage aus dem Gemeinschaftskundeunterricht von 1975"(sic!)
interessiert erst recht kein Schwein.

Philosophen der Neuzeit

Leserbriefschreiber sind zu 90% die Allgemeinplatzwarte der Medienlandschaft, und wer nicht in stummer Agonie realisieren will, wer ihm um ihn herum wertvollen Sauerstoff wegatmet, überblättert betreffende Seiten schleunigst.
Die TITANIC hat bereits in den 80ern anhand einiger Leserbriefe (ich glaube, an die FAZ)beeindruckend vorgeführt, welch schwer zurechnungsfähigen Stuß sich manche Mitmenschen aus dem Ärmel leiern, um ihren weitgehend irrelevanten Hirnkot samt ihrem Namen darunter in ein Massenblatt gedruckt zu sehen.
Insofern könnte ich es dabei belassen, hätte Dietrich Steinwede aus Bonn nicht heute im SPIEGEL geglaubt, der Welt folgendes mitteilen zu müssen:

"Wer die sintflutartigen Monsterwellen sah, alles fressend, Land und Städte, Mensch und Tier, wer die Reaktoren explodieren sah, höllisches Feuer im Innern, Angst auslösend" fabuliert er in schier alttestamentarischer Sprachgewalt, "der kann nur sagen"-Achtung, jetzt kommt eine Erkenntnis von fundamentaler Weisheit-"Apocalypse Now!"
Ich bin beeindruckt, für was heutzutage alles Bäume sterben müssen. Aber damit nicht genug, er hat auch noch ein Fazit im Vesperbeutel:

"Neuneinhalb Jahre nach dem 11. September das zweite große Erschrecken des 21. Jahrhunderts!"

Die Opfer des Tsunamis in Südostasien, des Erdbebens in Haiti oder der Flut in Pakistan werden beruhigt sein, daß ihre Katastrophen dermaßen entspannte Ringelpieze mit Anfassen waren.
Aber wenn da ein paar Tausend fehlen, merkt man das auch nicht so. Die haben dort nicht mal Internet.

Sonntag, 20. März 2011

Und du, Weltgeist,

wenn wir gerade mal beim Thema sind:
solltest du es noch einmal in Erwägung ziehen, mir Altersheimbewohner zuzuschanzen, die einen Hausarzt haben, mit welchem man gegebenenfalls auch noch eine ernsthafte Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht führen muß, ohne dabei loszuprusten, kann ich das ja durchaus verkraften.
Nicht aber, wenn dieser Hausarzt tatsächlich Dr. Kitzler heißt.

Also halte dich zukünftig bitte etwas zurück.

Die Zeit der Kokosnüsse

Frühling läßt sein blaues Band fröhlich flattern durch die Lüfte, jeder Mann, egal ob Pfaff oder reuiger Sünder trägt Testikel in Kokosnußgröße spazieren, die greise Mutter Gösebrecht hängt ihre Bettwäsche zum Lüften aus dem Fenster und ihre Muff gleich hintendran, und Jünglinge schlagen für ihre Holde sanft die Laute und singen dazu eine schmachtende Melodei, bevor sie der Holzknecht mit dem Traktor überfährt.

Sogar Berlin ist fast schon erträglich, nun, da die Sonnenscheindauer 12 Minuten wöchentlich übersteigt.
Letztens wandelte ich gar lust: von der Friedrichstraße über den Potsdamer Platz tief in den Bezirk Tiergarten hinein.
Am Filmmuseum angekommen, verspürte ich einen plötzlichen Drang nach geistiger Erfrischung und Input (wie wir Intellektuellen zu sagen pflegen, kurz bevor uns aus unerfindlichen Gründen der Fuß abfällt)und beschloß, eine kurze Stippvisite einzuschieben.
Also fragte ich den guten Mann am Eingang, wo ich eine Karte kaufen könne, denn ich wolle ins Museum.
Entweder war er ein "Native Speaker" oder schlicht ein Blödmann, der aufgrund meiner Betonung mal wieder dachte, ich käme aus Waziristan (in Berlin als Süddeutscher wie bereits erwähnt kein seltenes Phänomen), jedenfalls antwortete er in geschniegeltstem Butlertonfall durch die Nase:
"The museum is closed today. It is monday."

Immerhin hatte er es damit kurzfristig geschafft, mich zu verwirren.

Donnerstag, 17. März 2011

Ein Loblied auf den Wankelmut

...daß ich Berlin noch nicht als endgültige Heimat angenommen habe; aber egal, wohin mich das Schicksal noch verschlägt, es wird in absehbarer Zeit nicht Karlsruhe sein, so sehr machte sich das Gefühl breit, ein fast 11 Jahre währendes Kapitel meines Lebens abgeschlossen zu haben, um jetzt ein neues zu beginnen, bevor ich mich endgültig zu alt dafür fühle.


Das waren meine Worte, und noch nicht allzulange sind sie her.
Nach einiger Zeit ist davon noch der erste Satz übriggeblieben.

Warum das jetzt nun wieder?
Ein steter Widerstreit von Kopf und Bauch, und ich fürchte, letzterer hat bei mir momentan die absolute Vorherrschaft, egal, wie sehr ich versuche, mich mit ersterem durchzusetzen.
Vor der Niederschrift des ersten Abschnitts hatte ich in Karlsruhe gerade eines der beschissensten Wochenenden meines Lebens hinter mir.
Mittlerweile habe ich mich in Berlin auch schon so manchen Abend gräßlich gelangweilt (oh ja, das kann man auch in einer Weltmetropole), und wenn ich die Wahl habe, mich irgendwo zu langweilen oder mich irgendwo zu langweilen aber Leute um mich rumzuhaben, die das kompensieren können und mit denen man spontan etwas unternehmen kann, ohne daß diese zweieinhalb Stunden durch die Stadt zuckeln müssen, wähle ich Option 2.
Wobei noch nichts endgültig ist... "du bist und bleibst halt ein Zigeuner" schrieb mir ein geschätzter Mensch.
Wahrscheinlich hat er recht.

Mittwoch, 16. März 2011

Nicht Japan.

Das Thema wird in den Medien gerade dermaßen totgeschleift (und das wohl momentan zurecht, auch wenn man seine Zeit entspannter als mit dem Warten auf die Apokalypse verbringen kann), daß ich mir geistreiche oder bedächtige Kommentare zum Thema Kernenergie oder herzzerreißende Solidaritätsadressen sparen kann.
Ob es die jetzt gäbe oder nicht, sei mal dahingestellt, doch immerhin kommt es gerade zu einer beeindruckenden Koinzidenz:
daß nun wieder aus ihren geflochtenen Strohkörben kriechende Ökoalpträume der 80er mit Bongos unter dem Arm und angetan mit grünen Wallegewändern in Fernsehkameras greinen dürfen, welche Angst sie vor dem Super- GAU haben, ist eine Sache; daß sie das nun alle auf einmal tun, als wären a)eventuelle Gefahren der Atomkraft die ganze Zeit nicht im Kollektivbewußtsein verankert gewesen und jetzt erst publik geworden (bzw. als sei Deutschland just auf eine Grenze zwischen zwei Kontinentalplatten gebeamt worden), geht mir gerade auf den Wecker.
Genauso, wie es plötzlich scheinbar problemlos möglich ist, ältere AKW's vom Netz zu nehmen, ohne daß die komplette Infrastruktur zusammenbricht.
Offensichtlich zahlt die Atomlobby doch nicht genug, um den Volksvertretern im Falle einer Abwahl dauerhaft finanzielle Absicherung zu garantieren.

Zum anderen zieht grad eine Parade der glumpfigsten Bands der 90er durch die Medien und darf wieder Alben veröffentlichen: nach PUR, OMD (die zugegebenermaßen erst ab den späten 80ern richtig schlecht wurden), Ace Of Base und Roxette (ja, ich weiß... deswegen finde ich sie aber nicht besser) nun die Guano Apes. Das Grauen, es will kein Ende nehmen.
Man darf nicht daran denken, was passiert, sollte sich dieser Trend nun auch mit den 80ern unter obigen Menetekeln fortsetzen: dann taucht bestimmt bald eine All- Star- Band aus Wolf Maahn, Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken und Ina Deter mit einem Kinderchor im Schlepptau auf, die Lieder für einen "Atomkraft?- Nein Danke!"- Sampler einspielt.
In dem Fall dürfen gerne sämtliche verbliebenen AKW's in Deutschland zeitgleich hochgehen.

Und was nun das eine mit dem anderen zu tun hat, abgesehen von unerwarteten geschmacksbefreiten Revivals zweier Jahrzehnte: man kann beides prima in einem symbolträchtigen Poster kombinieren.

"WHY?" steht über dem Bild des fallenden Soldaten, der die Arme hochreißt.
Und sich die Ohren zuhält.