Donnerstag, 12. November 2009

Robert Enke

Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich hätte ihn sonderlich ausstehen können. Dennoch erwischte mich die Meldung völlig unvorbereitet auf dem falschen Fuß.
Zwar dachte ich: "Hey, es bringen sich ständig junge Leute um, die du nicht kennst, also warum soll der dich jetzt mehr belasten als gewöhnlich?", aber auf meinem Heimweg drehten sich doch einige Zahnräder in meinem Gehirn.

Und als ich den nächsten Tag den Fernseher einschaltete und da ein Hannover-96- Fan ca. Ende 40 stand, der bitterlich weinte und in die Kamera hineinsprach: "Ein toller Torwart, ein toller Mensch, warum?", hatte ich kurz einen Kloß im Hals.

Wenn ein Mann, der einen Traumjob hatte und von Tausenden geliebt wurde (und wohl auch nicht der Unsympath war, für den ich ihn immer hielt), der eine kleine Familie und wahrscheinlich absolut keine Geldsorgen hatte, sich vor einen Zug wirft, muß er durch die absolute Hölle gegangen sein.

Wenn man mit seinen eigenen Dämonen fertigwerden muß, ist man scheinbar immer allein.

Zumindest hoffe ich, daß manche Leute über diesen "der hat seine Familie im Stich gelassen"- Scheißdreck, der natürlich unweigerlich aus diversen Ecken kommt, hinausdenken und sich mal informieren, was für eine Krankheit Depression wirklich ist... und daß das eben nicht bedeutet, auf dem Fensterbrett zu sitzen und melancholisch auf winterkahle Bäume zu starren, während im Hintergrund The Cure läuft. Für meinen Geschmack denken das immer noch viel zu viele.

Nichtsdestotrotz: Robert Enke R.I.P.

Kommentare:

  1. du hast die gabe, gewisse dinge direkt mit nur ganz wenigen worten auf den punkt genau zu treffen.
    "...und daß das eben nicht bedeutet, auf dem Fensterbrett zu sitzen und melancholisch auf winterkahle Bäume zu starren, während im Hintergrund The Cure läuft." punktlandung.
    traurige geschichte... hat mich auch berührt. was muss er innere kämpfe gefochten haben...
    war mal wieder schön, von dir zu lesen. :)

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  2. bei diesem statement bin ich - wie man so sagt - hunderprozentig bei dir.

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  3. Wie sagt man so schön auf "Internet"? WORD!

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