Verachtung.
Nicht nur für öffentlich getätigte grunzdumme Aussagen, deren Rumpeligkeit ich anfangs noch als pure Lust an der Provokation sah; und obwohl die in ihrer ständigen Poltrigkeit nervtötend waren, mochte ich ungern in den Chor derjenigen miteinstimmen, die die üblichen Floskeln herunterbeteten.
Irgendwie dachte ich, das sei Kalkül, und er werde es schon nicht wörtlich meinen.
Nun bin ich schlauer. Akif Pirinccis Aussagen auf der Dresdner Deppendemo sind genauso ekelhaft wie sein Herangeschleime an diesen Menschenmüll in der Hoffnung, von diesem gemocht und akzeptiert zu werden.
"Ich war vielleicht mal ein Türk, aber jetzt bin ich einer von euch! Seht her! Deutscher als jeder Deutsche!"
Schwarze Amerikaner nennen so etwas "Onkel Tom".
Ich warte nun auf "Onkel Akifs Hütte".
Mittwoch, 21. Oktober 2015
Freitag, 16. Oktober 2015
Traumata und Triumphe
Als ich noch in KA- Mühlburg in meiner anderthalb- Zimmer- Dachwohnung hauste (samt einem leicht geistig behinderten Nachbar, der zwar ganz nett, aber auch sehr anstrengend war... zumindest wenn er zu den unmöglichsten Uhrzeiten ABBA hören mußte, um lauthals mitzukrähen) war es meine Lieblingsbeschäftigung, zu nachtschlafender Zeit den Tag Revue passieren zu lassen... oder das in die Tastatur zu hauen, was mir gerade durch die Rübe rauschte.
Zeit, an diese Tradition anzuknüpfen. Es ist gerade kurz vor ein Uhr, auf dem Plattenspieler dreht sich "Backstabbers" von den O' Jays und macht meine mit allerlei Platten, Büchern und DVD's vollgepropfte Höhle in meiner Zweier- WG irgendwie doch gemütlich, vor allem, wenn man sich kurz an die Arscheskälte draußen erinnert.
Bis Frau Turini und ich unseren gemeinsamen Haushalt gründen, was wohl in absehbarer Zeit geschehen wird, muß ich auch noch mit dieser Rumpelkammer voll Nerdkram zufrieden sein, und an solchen Abenden funktioniert das ganz gut..
Ihr (also der Frau, nicht der Bude) verdanke ich auch meinen morgigen Auftritt im KOOP in Taunusstein, welches einer sein wird, der mir neben einer ordentlichen Gage die Hoffnung einbringt, nun wirklich über den Punkt hinauszusein, an dem ich für Freigetränke lese.
Natürlich trete ich gerne vor Publikum auf. Schon als Kind war ich jemand, der immer im Mittelpunkt stehen wollte, egal wo, und daß ich das in meiner anfänglichen Schullaufbahn auch erreichte, nur mit für mich sehr unangenehmen Folgen (der absolute Loser steht nun auch einmal im Fokus, wobei das aber beim besten Willen kein erstrebenswertes Amt ist) verbuchen wir mal unter "zum Glück abgeheftete Vergangenheit".
Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Menschen: eben die, die sich gerne in den Vordergrund drängen (oder zumindest gerne den Mut hätten, das zu tun, aber es nicht schaffen, die ich aber trotzdem tendenziell dazuzähle) und die, die sich gerne im Hintergrund halten.
Also Entertainer und Publikum. Und beides ist in Ordnung, denn keine der beiden Seiten kann ohne die andere existieren.
Das mag keine sonderlich tiefsinnige Erkenntnis sein.
Dennoch: nur, weil meine Möglichkeit, vor einem Publikum aufzutreten, ein tiefsitzendes inneres Bedürfnis befriedigt, heißt das nicht, daß ich etwas dagegen hätte, davon künftig einen Teil meiner Miete zahlen zu können.
Ich hatte schon immer meine Prinzipien, aber umsonst Leute zu bespaßen, nur um meine Kunst unter das Volk zu bringen, gehörte da noch nie dazu.
Es ist keine Schande, Geld zu verdienen, sogar viel davon. Entscheidend ist nur, wie man es verdient und für was man es ausgibt, deshalb sehe ich da zu meiner nach wie vor bestehenden Verweigerungshaltung der Werbung gegenüber absolut keinen Widerspruch.
Ich müßte mal eine ernsthafte Liste alle meiner öffentlichen Leseauftritte erstellen. Mittlerweile dürfte ich die 40 locker überschritten haben.
Einer meiner besten war mit Sicherheit der bei der Veranstaltung des "Kettenhund"- Literaturmagazins in der Speyerer "Salus- Bar" im August dieses Jahres, und bevor ich nun ewig aushole, poste ich einfach dies:
Oberes Selbstporträt natürlich zum Beweis, daß besagtes Iggy- Pop- T- Shirt meines war. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Mein schlimmster Auftritt ever- ich wiederhole in Blockschrift: EVER- war natürlich der auch hier im Blog verewigte zweite im Vereinsheim in München- Schwabing.
Dieses Desaster ist mittlerweile schon viereinhalb Jahre her und verfolgt mich immer noch gelegentlich.
Genau so muß es sich anfühlen, wenn man im Vollsuff und auf Drogen vor einer Menge von Leuten GG- Allin- Dinge tut, ohne GG Allin zu sein, weil man dann natürlich tot wäre... und am nächsten Tag ausgenüchtert realisiert, was da am Abend vorher passiert ist. Und dann feststellt, daß "Totsein" eigentlich gar keine so üble Alternative wäre.
Da ich aber Frau Turini dem Totsein zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber deutlich den Vorzug gebe, muß ich wohl diesen glumpfigen Abend solange mit mir herumtragen, bis ihn Freund Hein oder zumindest eine fortgeschrittene Demenz endgültig aus meinem Bewußtsein tilgen.
Zeit, an diese Tradition anzuknüpfen. Es ist gerade kurz vor ein Uhr, auf dem Plattenspieler dreht sich "Backstabbers" von den O' Jays und macht meine mit allerlei Platten, Büchern und DVD's vollgepropfte Höhle in meiner Zweier- WG irgendwie doch gemütlich, vor allem, wenn man sich kurz an die Arscheskälte draußen erinnert.
Bis Frau Turini und ich unseren gemeinsamen Haushalt gründen, was wohl in absehbarer Zeit geschehen wird, muß ich auch noch mit dieser Rumpelkammer voll Nerdkram zufrieden sein, und an solchen Abenden funktioniert das ganz gut..
Ihr (also der Frau, nicht der Bude) verdanke ich auch meinen morgigen Auftritt im KOOP in Taunusstein, welches einer sein wird, der mir neben einer ordentlichen Gage die Hoffnung einbringt, nun wirklich über den Punkt hinauszusein, an dem ich für Freigetränke lese.
Natürlich trete ich gerne vor Publikum auf. Schon als Kind war ich jemand, der immer im Mittelpunkt stehen wollte, egal wo, und daß ich das in meiner anfänglichen Schullaufbahn auch erreichte, nur mit für mich sehr unangenehmen Folgen (der absolute Loser steht nun auch einmal im Fokus, wobei das aber beim besten Willen kein erstrebenswertes Amt ist) verbuchen wir mal unter "zum Glück abgeheftete Vergangenheit".
Meiner Meinung nach gibt es zwei Arten von Menschen: eben die, die sich gerne in den Vordergrund drängen (oder zumindest gerne den Mut hätten, das zu tun, aber es nicht schaffen, die ich aber trotzdem tendenziell dazuzähle) und die, die sich gerne im Hintergrund halten.
Also Entertainer und Publikum. Und beides ist in Ordnung, denn keine der beiden Seiten kann ohne die andere existieren.
Das mag keine sonderlich tiefsinnige Erkenntnis sein.
Dennoch: nur, weil meine Möglichkeit, vor einem Publikum aufzutreten, ein tiefsitzendes inneres Bedürfnis befriedigt, heißt das nicht, daß ich etwas dagegen hätte, davon künftig einen Teil meiner Miete zahlen zu können.
Ich hatte schon immer meine Prinzipien, aber umsonst Leute zu bespaßen, nur um meine Kunst unter das Volk zu bringen, gehörte da noch nie dazu.
Es ist keine Schande, Geld zu verdienen, sogar viel davon. Entscheidend ist nur, wie man es verdient und für was man es ausgibt, deshalb sehe ich da zu meiner nach wie vor bestehenden Verweigerungshaltung der Werbung gegenüber absolut keinen Widerspruch.
Ich müßte mal eine ernsthafte Liste alle meiner öffentlichen Leseauftritte erstellen. Mittlerweile dürfte ich die 40 locker überschritten haben.
Einer meiner besten war mit Sicherheit der bei der Veranstaltung des "Kettenhund"- Literaturmagazins in der Speyerer "Salus- Bar" im August dieses Jahres, und bevor ich nun ewig aushole, poste ich einfach dies:
Oberes Selbstporträt natürlich zum Beweis, daß besagtes Iggy- Pop- T- Shirt meines war. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Mein schlimmster Auftritt ever- ich wiederhole in Blockschrift: EVER- war natürlich der auch hier im Blog verewigte zweite im Vereinsheim in München- Schwabing.
Dieses Desaster ist mittlerweile schon viereinhalb Jahre her und verfolgt mich immer noch gelegentlich.
Genau so muß es sich anfühlen, wenn man im Vollsuff und auf Drogen vor einer Menge von Leuten GG- Allin- Dinge tut, ohne GG Allin zu sein, weil man dann natürlich tot wäre... und am nächsten Tag ausgenüchtert realisiert, was da am Abend vorher passiert ist. Und dann feststellt, daß "Totsein" eigentlich gar keine so üble Alternative wäre.
Da ich aber Frau Turini dem Totsein zum jetzigen Zeitpunkt gegenüber deutlich den Vorzug gebe, muß ich wohl diesen glumpfigen Abend solange mit mir herumtragen, bis ihn Freund Hein oder zumindest eine fortgeschrittene Demenz endgültig aus meinem Bewußtsein tilgen.
Dienstag, 29. September 2015
Kneipengespräche
"...da war doch dieser Australier, der ein Lied mit Kylie Minogue..."
"Ja. Nick Cave."
"...also der, der so ähnlich klingt wie der englische Fußballtorwart... Seaman oder so..."
"Ja, Nick Cave. NICK CAVE."
"Nick Seaman, glaube ich. Wie der englische Fußballtorwart, der keinen Ball gehalten hat...."
"Nick Cave. Bin ich großer Fan. Ich hab alles von ihm.".
"...der mit Kylie Minogue, in dem Rosenbeet, wo sie dann absäuft. Wie hieß der nochmal?"
"Nick Cave, sag ich jetzt zum fünften Mal. Nick C-A-V-E."
"Ah ja, Nick Caveman, genau."
Ich geb's auf. Eine Stunde später:
"Ich hab's! Nick Cave and the Bad Seeds! Zum Glück ist mir das noch eingefallen!"
"Ja. Nick Cave."
"...also der, der so ähnlich klingt wie der englische Fußballtorwart... Seaman oder so..."
"Ja, Nick Cave. NICK CAVE."
"Nick Seaman, glaube ich. Wie der englische Fußballtorwart, der keinen Ball gehalten hat...."
"Nick Cave. Bin ich großer Fan. Ich hab alles von ihm.".
"...der mit Kylie Minogue, in dem Rosenbeet, wo sie dann absäuft. Wie hieß der nochmal?"
"Nick Cave, sag ich jetzt zum fünften Mal. Nick C-A-V-E."
"Ah ja, Nick Caveman, genau."
Ich geb's auf. Eine Stunde später:
"Ich hab's! Nick Cave and the Bad Seeds! Zum Glück ist mir das noch eingefallen!"
Montag, 28. September 2015
Mal was Grundsätzliches, Altenpfleger/in!
War ein Beitrag in meiner Pflegegruppe auf Facebook, aber ich denke, er sollte nicht darauf beschränkt bleiben.
ES GEHT UM DICH!
Was mir in der ganzen Diskussion um den Pflegenotstand auffällt: es wird immer davon gesprochen, daß dieser Notstand in erster Linie zu Lasten der Bewohner (Neusprech: "Kunden") geht, aber nie davon, daß er auch für uns selbst eine schwere Belastung bedeutet.
Sind wir bereits dermaßen konditioniert, daß wir es verlernt haben, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern? Wir sind fast keine Menschen mehr, wir sind nahezu altruistische Wesen, die gefälligst keine normale menschliche Regung mehr zeigen dürfen. Es wird ständig erwartet, daß wir nett und freundlich sind, niemals schlechte Laune haben, und immer zuvorkommend sind... selbst wenn wir von Bewohnern grundlos beschimpft, geschlagen oder mit Gegenständen (im schlimmsten Fall Fäkalien, alles schon erlebt) beworfen werden.
Unsere Privatprobleme sind nicht existent; in jeder anderen Berufsgruppe werden sie thematisiert, bei uns wird es als Zeichen der Professionalität gewertet, wenn wir sie uns nicht anmerken lassen.
Das soll KEIN Plädoyer dafür sein, unsere Launen an Bewohnern auszulassen, bitte nicht falsch verstehen. Aber ein Hinweis darauf, daß wir normale Menschen sind wie jede andere Berufsgruppe auch, ist durchaus angebracht.
JA, ich bin manchmal schwer genervt. JA, ich habe manchmal schlechte Laune und muß mich dann noch mit absichtlich verletzenden Äußerungen nichtdementer Bewohner herumschlagen, ohne ausfällig zu werden, da sie ja schließlich Geld bezahlen, was sie in den Augen der Öffentlichkeit berechtigt, die größten Kotzbrocken zu sein.
JA, es regt mich auf, wenn Leute aus unserem Berufsstand öffentlich äußern, daß sie es ja irgendwie toll fänden, wenn sich Bewohner uns gegenüber daneben benehmen, denn "wenn ich im Heim wäre, würde ich das genauso machen, höhöhö" und dafür auch noch beklatscht werden, anstatt man sie zwingt, mal ein komplettes Wochenende in Unterbesetzung Teildienst zu machen und sich dann mit einem eingestuhlten Bewohner herumzuplagen, der während der Pflege schreit und schlägt.
Pflege ist mein Beruf, nicht meine Berufung. Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt, obwohl man fast schon das Gefühl vermittelt bekommt, deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Aber ich bin nicht Mutter Teresa, und auch, wenn ich versuche, meinen Beruf bestmöglich zu machen, habe ich doch kein Bedürfnis danach, mich aufzuopfern, auch wenn das manche Leute außerhalb unseres Tätigkeitsbereichs scheinbar voraussetzen.
JA, es geht um die Bewohner. Ich möchte, daß sie zufrieden sind und optimal versorgt werden.
Aber es geht auch um DICH und MICH.
Unsere Nerven, unsere Rücken, unsere Gelenke, unser Privatleben.
Es ist eigentlich schon bizarr, Leute daran erinnern zu müssen.
ES GEHT UM DICH!
Was mir in der ganzen Diskussion um den Pflegenotstand auffällt: es wird immer davon gesprochen, daß dieser Notstand in erster Linie zu Lasten der Bewohner (Neusprech: "Kunden") geht, aber nie davon, daß er auch für uns selbst eine schwere Belastung bedeutet.
Sind wir bereits dermaßen konditioniert, daß wir es verlernt haben, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äußern? Wir sind fast keine Menschen mehr, wir sind nahezu altruistische Wesen, die gefälligst keine normale menschliche Regung mehr zeigen dürfen. Es wird ständig erwartet, daß wir nett und freundlich sind, niemals schlechte Laune haben, und immer zuvorkommend sind... selbst wenn wir von Bewohnern grundlos beschimpft, geschlagen oder mit Gegenständen (im schlimmsten Fall Fäkalien, alles schon erlebt) beworfen werden.
Unsere Privatprobleme sind nicht existent; in jeder anderen Berufsgruppe werden sie thematisiert, bei uns wird es als Zeichen der Professionalität gewertet, wenn wir sie uns nicht anmerken lassen.
Das soll KEIN Plädoyer dafür sein, unsere Launen an Bewohnern auszulassen, bitte nicht falsch verstehen. Aber ein Hinweis darauf, daß wir normale Menschen sind wie jede andere Berufsgruppe auch, ist durchaus angebracht.
JA, ich bin manchmal schwer genervt. JA, ich habe manchmal schlechte Laune und muß mich dann noch mit absichtlich verletzenden Äußerungen nichtdementer Bewohner herumschlagen, ohne ausfällig zu werden, da sie ja schließlich Geld bezahlen, was sie in den Augen der Öffentlichkeit berechtigt, die größten Kotzbrocken zu sein.
JA, es regt mich auf, wenn Leute aus unserem Berufsstand öffentlich äußern, daß sie es ja irgendwie toll fänden, wenn sich Bewohner uns gegenüber daneben benehmen, denn "wenn ich im Heim wäre, würde ich das genauso machen, höhöhö" und dafür auch noch beklatscht werden, anstatt man sie zwingt, mal ein komplettes Wochenende in Unterbesetzung Teildienst zu machen und sich dann mit einem eingestuhlten Bewohner herumzuplagen, der während der Pflege schreit und schlägt.
Pflege ist mein Beruf, nicht meine Berufung. Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt, obwohl man fast schon das Gefühl vermittelt bekommt, deswegen ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Aber ich bin nicht Mutter Teresa, und auch, wenn ich versuche, meinen Beruf bestmöglich zu machen, habe ich doch kein Bedürfnis danach, mich aufzuopfern, auch wenn das manche Leute außerhalb unseres Tätigkeitsbereichs scheinbar voraussetzen.
JA, es geht um die Bewohner. Ich möchte, daß sie zufrieden sind und optimal versorgt werden.
Aber es geht auch um DICH und MICH.
Unsere Nerven, unsere Rücken, unsere Gelenke, unser Privatleben.
Es ist eigentlich schon bizarr, Leute daran erinnern zu müssen.
Montag, 21. September 2015
Handelsblatt!
Was man so alles findet, wenn man auf der Suche nach allgemeinen Informationen ist:
wunderbar recherchiert, psychologisch tiefgründig und völlig frei von etwaigen Vorurteilen lettertest du am 12. 09. 2014 auf deiner Internetseite:
"Seit einiger Zeit kann man in Frankreich das Kennzeichen mit der Nummer des Départements frei wählen. Bei Schlägertypen beliebt ist die 2a mit dem markanten korsischen Kopf. Sie soll signalisieren: Komm mir nicht zu nahe!"
Ja, wir Korsen sind manchmal ein merkwürdiges Volk.
Und das muß mir nicht zwingend jemand erzählen, der mit beiden Beinen im Muscheltopf eines beliebigen Club Mediterranée steht.
wunderbar recherchiert, psychologisch tiefgründig und völlig frei von etwaigen Vorurteilen lettertest du am 12. 09. 2014 auf deiner Internetseite:
"Seit einiger Zeit kann man in Frankreich das Kennzeichen mit der Nummer des Départements frei wählen. Bei Schlägertypen beliebt ist die 2a mit dem markanten korsischen Kopf. Sie soll signalisieren: Komm mir nicht zu nahe!"
Ja, wir Korsen sind manchmal ein merkwürdiges Volk.
Und das muß mir nicht zwingend jemand erzählen, der mit beiden Beinen im Muscheltopf eines beliebigen Club Mediterranée steht.
Sonntag, 20. September 2015
Immer wieder Charlie
Charlie Hebdo gibt manchen mal wieder Gelegenheit, die beleidigte Leberwurst rauszulassen. Einer der Gründe dafür ist diese Zeichnung:
Über die Pointe läßt sich trefflich streiten, aber letztendlich ist die Aussage wohl folgende: die ganzen "besorgten Bürger", die sich um das christliche Abendland sorgen, sollten das lassen.
Denn im Mittelmeer ersaufen ja "nur" Moslems, kaum oder keine Christen; das muß ja einen Grund haben.
Ich jedenfalls kann auch bei wiederholtem Hinschauen keinen Affront gegen Moslems oder eine Verhöhnung des ertrunkenen syrischen Jungen erkennen, eher eine der Selbstgefälligkeit möchtegernchristlicher Idioten, die angesichts der Flüchtlingssituation keine größeren Probleme als die Angst vor einer vermeintlichen Überfremdung haben.
Natürlich sieht das ein Teil der Netzgemeinde anders, und es fühlen sich Leute verhöhnt und betroffen, bei denen ich mich wiederum frage, ob man a) keine anderen Probleme hat und b) wie man dermaßen dünnhäutig und ironieresistent sein kann.
Außerdem frage ich mich, wie groß die Empörung und Anteilnahme wären, wenn es nicht um die Ummah ginge, sondern die Flüchtlinge Juden oder- sagen wir mal- Briten wären.
Aber mit "wenn" läßt sich immer schlecht argumentieren, vor allem bei Menschen, die wegen jedem Blödsinn gleich ihre Grundsätze der Lächerlichkeit preisgegeben sehen.
Daß der jetzige Besitzer ein Rothschild ist, gibt dem Ganzen natürlich noch eine zusätzliche Würze. Die gute alte jüdische Weltverschwörung darf natürlich auch mal wieder nicht fehlen.
Früher wollte sie die Deutschen unterjochen, heute alle Moslems weltweit. Paranoiker aller Länder, vereinigt euch!
Natürlich könnte man jetzt sagen, ich hätte gut reden, denn ich sei ja durch den CH- Humor nicht betroffen. Falsch:
"Wieder ein Anschlag auf Korsika! Er hat meine Schwester angeschaut"
Das finde ich nicht lustig. Nicht bei einer Zeitung unserer Kolonialmacht, für die im Ersten Weltkrieg 30 000 Korsen als Kanonenfutter verheizt wurden, die unsere Sprache und Kultur jahrelang verboten und unterdrückt hat (im 20. Jahrhundert, wohlgemerkt!), die Ende der 60er Jahre nach dem Verlust ihrer Kolonie tausende Algerienrückkehrer auf Korsika angesiedelt hat, um uns zu einer Minderheit auf unserem eigenen Grund und Boden zu machen und ihnen nicht nur den größten Teil des Weinbaus übertrug, sondern ihnen auch 44 % der kompletten Insel zur Verfügung stellte, was ethnische Säuberungen zur Folge hatte. Und Atomtests, die sie vorher in der Sahara durchgeführt hatte, kurzerhand ins Gebirge von Argentella auf Korsika verlagerte, denn irgendwie mußte man den Verlust der Kolonie samt Wüste ja ausgleichen, und die Insel ist ausreichend weit vom Festland weg, um es nicht zu gefährden. Und das war nur eine sehr unvollständige Liste französischer Schweinereien.
Frankreich ist- wenn auch weit nach Deutschland und kurz hinter den USA- einer der miesesten Bastarde der neueren westlichen Geschichte und hat als Land keinerlei Sympathien verdient.
Deswegen bin ich auch geneigt, den Zeichner des obigen Cartoons (den ermordeten Charbonnier) aufgrund dieser Zeichnung für einen Arsch zu halten, auch weil es ganz billig ist, uns zu verspotten, Kolonie, die wir auch heute noch sind.
Der Unterschied ist nur: ich hätte ihn deswegen nicht erschossen, weil mir die Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter ist. Und ich habe in meinem Leben andere Sorgen, als mich lang und breit über so einen Schwachsinn aufzuregen, vor allem, wenn er von einem Magazin stammt, bei dem man- ähnlich wie bei der TITANIC- nicht alles für bare Münze nehmen sollte, was darin veröffentlicht wird, denn Satire ist eben zumeist provokant und geschmacklos.
"Ich finde vielleicht scheiße, was du sagst, aber ich werde das Recht verteidigen, daß du es sagen darfst, ohne um dein Leben fürchten zu müssen. Denn daran glaube ich." Das ist einer meiner Grundsätze, den ich nach wie vor bis auf's Messer verteidige, auch wenn ich gegen manche geäußerte Meinungen heftig polemisiere.
Ob das auch für Rechte gilt? Klar, jeder darf rechtsextrem sein. Nur ist er dann für mich eben ein dummes Stück Scheiße.
Über die Pointe läßt sich trefflich streiten, aber letztendlich ist die Aussage wohl folgende: die ganzen "besorgten Bürger", die sich um das christliche Abendland sorgen, sollten das lassen.
Denn im Mittelmeer ersaufen ja "nur" Moslems, kaum oder keine Christen; das muß ja einen Grund haben.
Ich jedenfalls kann auch bei wiederholtem Hinschauen keinen Affront gegen Moslems oder eine Verhöhnung des ertrunkenen syrischen Jungen erkennen, eher eine der Selbstgefälligkeit möchtegernchristlicher Idioten, die angesichts der Flüchtlingssituation keine größeren Probleme als die Angst vor einer vermeintlichen Überfremdung haben.
Natürlich sieht das ein Teil der Netzgemeinde anders, und es fühlen sich Leute verhöhnt und betroffen, bei denen ich mich wiederum frage, ob man a) keine anderen Probleme hat und b) wie man dermaßen dünnhäutig und ironieresistent sein kann.
Außerdem frage ich mich, wie groß die Empörung und Anteilnahme wären, wenn es nicht um die Ummah ginge, sondern die Flüchtlinge Juden oder- sagen wir mal- Briten wären.
Aber mit "wenn" läßt sich immer schlecht argumentieren, vor allem bei Menschen, die wegen jedem Blödsinn gleich ihre Grundsätze der Lächerlichkeit preisgegeben sehen.
Daß der jetzige Besitzer ein Rothschild ist, gibt dem Ganzen natürlich noch eine zusätzliche Würze. Die gute alte jüdische Weltverschwörung darf natürlich auch mal wieder nicht fehlen.
Früher wollte sie die Deutschen unterjochen, heute alle Moslems weltweit. Paranoiker aller Länder, vereinigt euch!
Natürlich könnte man jetzt sagen, ich hätte gut reden, denn ich sei ja durch den CH- Humor nicht betroffen. Falsch:
"Wieder ein Anschlag auf Korsika! Er hat meine Schwester angeschaut"
Das finde ich nicht lustig. Nicht bei einer Zeitung unserer Kolonialmacht, für die im Ersten Weltkrieg 30 000 Korsen als Kanonenfutter verheizt wurden, die unsere Sprache und Kultur jahrelang verboten und unterdrückt hat (im 20. Jahrhundert, wohlgemerkt!), die Ende der 60er Jahre nach dem Verlust ihrer Kolonie tausende Algerienrückkehrer auf Korsika angesiedelt hat, um uns zu einer Minderheit auf unserem eigenen Grund und Boden zu machen und ihnen nicht nur den größten Teil des Weinbaus übertrug, sondern ihnen auch 44 % der kompletten Insel zur Verfügung stellte, was ethnische Säuberungen zur Folge hatte. Und Atomtests, die sie vorher in der Sahara durchgeführt hatte, kurzerhand ins Gebirge von Argentella auf Korsika verlagerte, denn irgendwie mußte man den Verlust der Kolonie samt Wüste ja ausgleichen, und die Insel ist ausreichend weit vom Festland weg, um es nicht zu gefährden. Und das war nur eine sehr unvollständige Liste französischer Schweinereien.
Frankreich ist- wenn auch weit nach Deutschland und kurz hinter den USA- einer der miesesten Bastarde der neueren westlichen Geschichte und hat als Land keinerlei Sympathien verdient.
Deswegen bin ich auch geneigt, den Zeichner des obigen Cartoons (den ermordeten Charbonnier) aufgrund dieser Zeichnung für einen Arsch zu halten, auch weil es ganz billig ist, uns zu verspotten, Kolonie, die wir auch heute noch sind.
Der Unterschied ist nur: ich hätte ihn deswegen nicht erschossen, weil mir die Meinungsfreiheit eines der höchsten Güter ist. Und ich habe in meinem Leben andere Sorgen, als mich lang und breit über so einen Schwachsinn aufzuregen, vor allem, wenn er von einem Magazin stammt, bei dem man- ähnlich wie bei der TITANIC- nicht alles für bare Münze nehmen sollte, was darin veröffentlicht wird, denn Satire ist eben zumeist provokant und geschmacklos.
"Ich finde vielleicht scheiße, was du sagst, aber ich werde das Recht verteidigen, daß du es sagen darfst, ohne um dein Leben fürchten zu müssen. Denn daran glaube ich." Das ist einer meiner Grundsätze, den ich nach wie vor bis auf's Messer verteidige, auch wenn ich gegen manche geäußerte Meinungen heftig polemisiere.
Ob das auch für Rechte gilt? Klar, jeder darf rechtsextrem sein. Nur ist er dann für mich eben ein dummes Stück Scheiße.
Samstag, 29. August 2015
Noch einmal Klartext.
Bevor ich hier nur wiederhole, was andere bereits treffend formuliert haben, zitiere ich der Einfachheit halber den geschätzten Kollegen Klaus N. Frick:
Bis vor einem halben Jahr war ich weitestgehend guter Dinge: Die meisten Menschen in diesem Land schienen ein positives Verhältnis zu »Ausländern« im Allgemeinen und Flüchtlingen im Besonderen gewonnen zu haben. Es wurde reichlich gespendet, die Sympathiewelle war relativ groß.
Kein Vergleich zu der Situation vor über zwanzig Jahren, als die Massenmedien hetzten, der Mob randalierte, brandschatzte und dutzendfach tötete – alles »unpolitische Einzeltäter« damals; noch heute mein Kopfschütteln über die unfassbare Justiz –, während die Regierung stillschweigend die Mordbrenner tolerierte. Ich war guter Dinge und hatte das Gefühl, es hätte sich einiges gebessert.
Allerdings: Damals gab es noch kein Internet, zumindest nicht für jedermann zugänglich. Es gab vor allem kein Facebook. Das hat viele Leute davon abgehalten, ihre Meinungen zu veröffentlichen und sich im Netz zusammenzurotten.
Was sich aber in diesen Tagen und Wochen abspielt, macht mich sprachlos. Äußert sich eine halbwegs prominente Person öffentlich zur aktuellen Flüchtlings-Thematik, wird sie öffentlich angegriffen, im Netz gedisst, im wirklichen Leben attackiert.
Der Mob macht sich breit, er weitet seine Aktivitäten aus. Eine widerwärtige Suada aus Menschenhass und erbärmlicher Minder-Intelligenz lässt sich in Teilen des Internets bewundern – es macht mich fassungslos. Lügen werden verbreitet, Gerüchte bauscht man auf, es wird gedroht und bedroht und öffentlich gehasst.
Genau das kann ich bis zum letzten Komma exakt so unterschreiben. Und darauf warten, bedroht und beleidigt zu werden, und das ist das Schlimme daran: das Abwägen, ob es sich lohnt, öffentlich zu seiner Meinung zu stehen oder ob zu erwartende Nachteile so groß sind, daß man lieber das Maul hält.
Doch als Person des öffentlichen Lebens, und sei es, daß man nur mit Quadrupelprominenz gesegnet ist, sollte man nicht schweigen.
Ich bin nicht sonderlich politisch links stehend. Um mich wie ein MENSCH zu verhalten, brauche ich keinen ideologischen Unterbau. Ohne Zögern würde ich mich als Patrioten bezeichnen, der seine beiden Herkunftsländer gleichermaßen mag und respektiert. Deswegen muß ich noch lange nicht alles gutheißen, was dort passiert.
Und diese Hetze gegen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer bei uns Schutz suchen, ist widerlich, niederträchtig und besorgniserregend.
Ich glaube nicht daran, daß eine Gruppe von Menschen nur aus charakterlich einwandfreien Exemplaren besteht. Doch jeder Mensch hat das Recht, daß man ihm unvoreingenommen gegenübertritt, unabhängig von seiner Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit, zumal, wenn er vor unerträglichen Zuständen flieht und kaum vorstellbare Strapazen auf sich nimmt, um hierherzugelangen.
Sollte mich deswegen jemand als "Volksverräter" bezeichnen, kann er das gerne tun, denn dann gehört er sowieso einem Volk an, dem ich mich nicht zugehörig fühle. Und auch niemals zugehörig fühlen will.
Denn in MEINEM Deutschland saß ich mit Leuten mit vielfältigem Migrationshintergrund in einer italienischen Kneipe, wir schauten das WM- Endspiel und freuten uns alle gemeinsam über den Titel.
Das ist das Deutschland, das ich mag, und das auch so bleiben soll.
Ein Deutschland, wie es sich die "Deutschland den Deutschen"- Deutschen vorstellen, kann niemand wollen, der noch alle Tassen im Schrank hat.
Bis vor einem halben Jahr war ich weitestgehend guter Dinge: Die meisten Menschen in diesem Land schienen ein positives Verhältnis zu »Ausländern« im Allgemeinen und Flüchtlingen im Besonderen gewonnen zu haben. Es wurde reichlich gespendet, die Sympathiewelle war relativ groß.
Kein Vergleich zu der Situation vor über zwanzig Jahren, als die Massenmedien hetzten, der Mob randalierte, brandschatzte und dutzendfach tötete – alles »unpolitische Einzeltäter« damals; noch heute mein Kopfschütteln über die unfassbare Justiz –, während die Regierung stillschweigend die Mordbrenner tolerierte. Ich war guter Dinge und hatte das Gefühl, es hätte sich einiges gebessert.
Allerdings: Damals gab es noch kein Internet, zumindest nicht für jedermann zugänglich. Es gab vor allem kein Facebook. Das hat viele Leute davon abgehalten, ihre Meinungen zu veröffentlichen und sich im Netz zusammenzurotten.
Was sich aber in diesen Tagen und Wochen abspielt, macht mich sprachlos. Äußert sich eine halbwegs prominente Person öffentlich zur aktuellen Flüchtlings-Thematik, wird sie öffentlich angegriffen, im Netz gedisst, im wirklichen Leben attackiert.
Der Mob macht sich breit, er weitet seine Aktivitäten aus. Eine widerwärtige Suada aus Menschenhass und erbärmlicher Minder-Intelligenz lässt sich in Teilen des Internets bewundern – es macht mich fassungslos. Lügen werden verbreitet, Gerüchte bauscht man auf, es wird gedroht und bedroht und öffentlich gehasst.
Genau das kann ich bis zum letzten Komma exakt so unterschreiben. Und darauf warten, bedroht und beleidigt zu werden, und das ist das Schlimme daran: das Abwägen, ob es sich lohnt, öffentlich zu seiner Meinung zu stehen oder ob zu erwartende Nachteile so groß sind, daß man lieber das Maul hält.
Doch als Person des öffentlichen Lebens, und sei es, daß man nur mit Quadrupelprominenz gesegnet ist, sollte man nicht schweigen.
Ich bin nicht sonderlich politisch links stehend. Um mich wie ein MENSCH zu verhalten, brauche ich keinen ideologischen Unterbau. Ohne Zögern würde ich mich als Patrioten bezeichnen, der seine beiden Herkunftsländer gleichermaßen mag und respektiert. Deswegen muß ich noch lange nicht alles gutheißen, was dort passiert.
Und diese Hetze gegen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer bei uns Schutz suchen, ist widerlich, niederträchtig und besorgniserregend.
Ich glaube nicht daran, daß eine Gruppe von Menschen nur aus charakterlich einwandfreien Exemplaren besteht. Doch jeder Mensch hat das Recht, daß man ihm unvoreingenommen gegenübertritt, unabhängig von seiner Herkunft oder ethnischen Zugehörigkeit, zumal, wenn er vor unerträglichen Zuständen flieht und kaum vorstellbare Strapazen auf sich nimmt, um hierherzugelangen.
Sollte mich deswegen jemand als "Volksverräter" bezeichnen, kann er das gerne tun, denn dann gehört er sowieso einem Volk an, dem ich mich nicht zugehörig fühle. Und auch niemals zugehörig fühlen will.
Denn in MEINEM Deutschland saß ich mit Leuten mit vielfältigem Migrationshintergrund in einer italienischen Kneipe, wir schauten das WM- Endspiel und freuten uns alle gemeinsam über den Titel.
Das ist das Deutschland, das ich mag, und das auch so bleiben soll.
Ein Deutschland, wie es sich die "Deutschland den Deutschen"- Deutschen vorstellen, kann niemand wollen, der noch alle Tassen im Schrank hat.
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