Sonntag, 13. April 2014

Humorloser Humor

Erstaunlicherweise wird, wenn es um Humor aus deutschen Landen geht, immer gleich- ähnlich einem Pawlow'schen Reflex- Wilhelm Busch erwähnt beziehungsweise herbeizitiert.
Auch ich habe ihn in meiner Kindheit gelesen... "Max und Moritz" natürlich, und "Das große Wilhelm- Busch- Album", das mir gerade wieder in die Hände fiel, als ich bei meiner Mutter die Garage aufräumte, wo noch ein Karton mit Kinderbüchern von mir steht.
Also warf ich mal wieder einen Blick hinein und legte es schon Minuten später eher schlechtgelaunt zur Seite.
Heutzutage regt man sich gerne darüber auf, wenn in Fernsehmüll wie "Dschungelcamp" oder irgendwelchen Shows, die "lustige" Heimvideos zeigen, Menschen gedemütigt oder ihre schmerzhaften Mißgeschicke der Schadenfreude preisgegeben werden.
Gleichzeitig zitiert man reflexhaft Wilhelm Busch, mit Abstand die ekelhafteste und unwitzigste Ansammlung von Sadismen und antisemitischen Klischees, die ich mir vorstellen kann.
Er mag einer der Pioniere der Kunstform "Comic" gewesen sein, das sei ihm unbenommen. Auch dieses Zitat aus Wikipedia mag teilweise zutreffend sein:
"Seine Satiren verspotten häufig Eigenschaften einzelner Typen oder Gesellschaftsgruppen. So greift er in seinen Bildergeschichten die Selbstzufriedenheit und zweifelhafte Moralauffassung des Spießbürgers und die Frömmelei bürgerlicher und geistlicher Personen an."

Aber "Humor" kann ich trotzdem keinen darin entdecken, allenfalls- wenn ich mir biographische Details über ihn durchlese- den Zynismus und die Misanthropie eines zutiefst verbitterten, desillusionierten Menschen, der an seinen eigentlichen Lebenszielen gescheitert ist und dessen Weltekel sich in allerlei Gewaltphantasien manifestiert hat.
Ich lach mich lockig.

Montag, 31. März 2014

Deus ex machina

Ich hatte abgeschlossen. Mit allem und jedem. Versuchte, die letzten Meter auf der Zielgerade noch mit Würde hinter mich zu bringen, ein gerüttelt Maß an Galgenhumor zu behalten, Glumpfigkeiten wie "zu Jesus finden" oder "tagelang heulend im Zimmer sitzen und schöne Momente aus meiner Kindheit Revue passieren lassen" weiträumig umfahrend.

So war es, denn es wurde gesprochen, daß ich mich nach Tübingen zu begeben hätte, um dort mal wieder meinen Kopf frikassieren zu lassen. Aber nicht nur in der HNO, auch ein Neurochirurg sollte anwesend sein, um an meinem Gehirn herumzusäbeln, denn mein letztes CT, das Frau Professorin Preyer in Karlsruhe begutachtete, hatte sie mit hochgezogenen Augenbrauen quittiert. Eine Koryphäe mit gutem Ruf bis ins Ausland, die mir immerhin in schier auswegloser Situation 2011 mit einer elfstündigen Operation das Leben gerettet hatte. Und nun zog sie die Augenbrauen hoch und atmete klarvernehmlich aus.
Diesmal, so hieß es, sei wohl alles vergebens. Das großflächige Cholesteatom in meinem Kopf würde unaufhaltsam weiterwuchern und sei nur mit einer Radikalmethode endgültig zu stoppen.
Dabei würde ich den letzten Rest Gehör auf dem linken Ohr schlagartig endgültig verlieren. Zudem sei die Operation hochgradig riskant, was mir noch so nette Optionen wie "als menschliches Gemüse aufwachen" oder "schneller als erwartet mit meinem Vater ein Bier trinken gehen können" offenließ.
Also was tun, wenn man erfährt, daß man vielleicht nur noch drei Monate zu leben hat? Siehe oben.

Man denkt immer, man würde nochmal richtig auf den Putz hauen, wie in diversen Filmen. Erstaunlicherweise war das bei mir nicht der Fall. Ich zählte weder die Tage im Countdown runter, noch verfiel ich in Aktionismus. Klar, ich wollte immer nach New York, schon als Kind... und trotzdem trabte ich nicht ins nächste Reisebüro und kaufte mir ein Flugticket.
Wäre ich ein paar Tage verreist, hätte ich stattdessen keine Zeit mit Leuten verbringen können, die mir wirklich wichtig sind... und deren schiere Gegenwart mir weitaus mehr gegeben hat, als es jedes sinnlose Geldrausschmeißen vermocht hätte. Und tot hätte ich es wahrscheinlich auch nicht sonderlich bedauert, nie in New York gewesen zu sein... aber ein paar Leute hier hätten sich wahrscheinlich gewünscht, sie hätten mehr gemeinsame Zeit mit mir gehabt.
Doch kommen wir nun zur Auflösung. Zum Deus ex machina.

Montag, 24.03. 2014, Tübingen, Uniklinik

Beim der ersten Untersuchung säubert ein überaus netter ägyptischer Arzt den Zwischenraum hinter meinem verunstalteten linken Ohr. Bei der zweiten Untersuchung sitze ich nun endlich jenem Professor Zimmermann gegenüber, einem älteren, gemütlichen Brummbär, der zuerst das CT begutachtet und dann den entscheidenden Satz verlauten läßt: "Hmmm. Ich frage mich gerade, was man da operieren soll. Meiner Meinung nach ist eine Operation überflüssig." Anschließend folgen ein halbstündiger ambulanter Eingriff, um einen Eiterherd zu entfernen (die medizinischen Details möchte ich Ihnen, verehrte Leser, dann doch ersparen... würrrg) und die Ankündigung, ich solle noch einmal draußen warten, er würde gerne mit Frau Professor Preyer in Karlsruhe (übrigens eine frühere Kollegin von ihm, was meine Entscheidung für Tübingen maßgeblich mitbeeinflußt hat) telephonieren und sich mit ihr beratschlagen, ob die OP wirklich notwendig wäre.
45 Minuten (die ich in absoluter Hypernervosität verbrachte) später das abschließende Urteil: die Operation sei hinfällig, ein regelmäßiger ambulanter Eingriff alle drei Monate täte es auch. Er hätte noch mehrere Patienten mit diesem Krankheitsbild, und die lebten durch diese Behandlungsmethode teilweise schon Jahre damit, ohne weitere Verschlechterung... und Professor Preyer sei sich über die OP auch nicht hundertprozentig klar gewesen und hätte deswegen eine kompetente Zweitdiagnose hören wollen.

Ich verlasse das Klinikum in Tübingen, ohne fassen zu können, was mir da gerade widerfahren ist. Mein weiteres Leben beginnt am 24. 03. 2014, womit ich nun schon zum zweitenmal innerhalb von drei Jahren knapp davongekommen bin. Anderen gelingt das im Leben nie.

Man könnte sich fast daran gewöhnen.

Dienstag, 11. März 2014

Kurzer Einwurf: Das Gift der frühen Jahre

Eigentlich wollte ich heute den letzten Abend unserer Lesetour beschreiben, aber vorher gilt es noch, die Welt zu retten. In der letzten Zeit wird die Masche, die Wurzel allen Übels in den Kinderzimmern zu verorten, allmählich zur nervtötenden Manie:

Zum Thema „Rassismus in Kinderbüchern – das Gift der frühen Jahre“ hält die Theologin Eske Wollrad aus Hannover am heutigen Dienstag, 11. März, einen Vortrag in den Vereinsräumen des Verdener Kulturflügels am Holzmarkt 15. Ab 17 Uhr spricht sie im Rahmen der internationalen Woche gegen Rassismus über klassische wie auch neuere Erscheinungen der Literatur. „Astrid Lindgren erklärt Pippis Hang zur Lüge mit ihrem langen Aufenthalt in Afrika und ihre Verrücktheiten mit ihrer Nähe zu den ,Negern’“, sagt die Theologin. Im Taka-Tuka-Land verneigten sich schwarze Kinder mehrfach unterwürfig. In anderen Büchern zeigten Beispiele aus der Tierwelt wie „Elmar, der bunte Elefant“ von David McKee oder dem „Hässlichen Entlein“, dass Andersartige nicht dazugehörten. „Das ist Gift der frühen Jahre“, meint Wollrad. Kinderbücher sollten Kindern helfen, die Welt zu verstehen, Vielfalt zu achten und wertzuschätzen.

Davon abgesehen, daß hier jemand "Das häßliche Entlein" offenbar wirklich verstanden hat, und ich einer Theologin alles Mögliche zugestehe, aber keinen gesunden Menschenverstand, wäre jetzt auch mal gut.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich habe nichts dagegen, wenn man in Neuauflagen alter Kinderbücher ergänzende Vorworte abdruckt, um den historischen Kontext des Werks zu erklären.
Mein Problem beginnt exakt da, wo man in ebendiesen Büchern herumpfuscht, um vermeintlich oder tatsächlich diskriminierende Inhalte zu entfernen und Kritikern an dieser Vorgehensweise latenten bzw. offenen (keine halben Sachen, bitte) Rassismus unterstellt, wie neulich in der Broschüre der "Karlsruher Anti- Rassismustage" geschehen.
Muß man wirklich Rassist sein, um in dem willkürlichen Ändern bereits erschienener Texte, und sei es auch noch von so viel gutem Willen geprägt, einen Tabubruch zu sehen? Beziehungsweise einen Präzedenzfall, der künftig für alle möglichen Texte gelten könnte, die am aufrechten Unrechtsbewußtsein einer hellhörigen Mischpoke von Bedenkenträgern kratzen? Muß man? Echt?
Wie ich schon einmal die "TITANIC" zitierte: "Ach, es wäre doch schön, ein guter Mensch zu sein... wären diese meistens nicht dermaßen unerträglich".


Sonntag, 2. März 2014

Mein Leben als Rockstar, Teil 3

Nun folgt etwas, was ich normalerweise nie tue (der Chef mag es mir verzeihen): über den Auftritt in Solingen habe ich schon für's OX geschrieben, und zwar relativ umfassend... und Lust, das Ganze nochmal neu zu schreiben, habe ich nun wirklich nicht.
Da ich aber davon ausgehe, daß sich OX- Leser nicht vom Kauf des Heftes abhalten lassen werden, nur weil ich hier einen Text veröffentliche, der im Heft weniger als eine Viertelseite ausmachen wird, werde ich das ausnahmsweise einmal tun. Kauft das Heft aber trotzdem. Kaufen. KAUFEN!

 
14. 02. 2014, Solingen, Wohnzimmer (Cow Club)
Nachts um 11 in Deutschland. Solingen zeigte sich auf dem Fußweg zum Bahnhof mit der Fußgängerzone im Stadtteil Ohligs von seiner touristisch reizvollsten Seite. Assoziationen tauchten auf: solche wie "nach dem Abwurf der Neutronenbombe" oder "Karl- Marx- Stadt 1974". Trotzdem waren wir bester Laune.
Nachdem Köln gestern brüllend voll und laut war, hatten wir an diesem Tag den größtmöglichen Kontrast.
Das Wohnzimmer trägt seinen Namen zurecht, denn viel größer als mein eigenes war es auch nicht; man konnte nur froh sein, daß von den 2300 auf Facebook eingeladenen Personen nur 8 kamen, sonst hätte es eine Massenpanik gegeben.
Der Chef selbst war auch unter den ca. 15 anwesenden Personen, mußte aber nach hartem Kampf gegen eine üble Grippe zur Halbzeit die Waffen strecken, da er drohte, vom Stuhl zu kippen. Leider tat es ihm die Hälfte der Gäste gleich (aus welchem Grund auch immer), so daß die Nichtleser sogar alle einen Sitzplatz fanden. Aber dennoch war die Atmosphäre entspannt, nach dem chaotischen Kölnauftritt war das ideal zum Herunterkommen, vor allem da das Ambiente und die Beleuchtung ideal zum Vorlesen waren... und so boten H.C., Gary und ich unterm Strich auch eine bessere Leseleistung als am Abend vorher (wobei Gary wohl der Gewinner des Abends mit dem besten Publikumszuspruch war).
Deswegen war unsere Stimmung auf dem Rückweg durch die Einöde auch relativ gehoben; wegen der guten Stimmung trotz magerer Besucherzahl, und auch, weil trotz allem zumindest die Gage stimmte, damit wir zumindest am Ende der Tour unsere Reisekosten decken konnten (Highlights des Heimwegs: das Original bayrische Brauhaus [auf die Idee, eines in Solingen zu eröffnen, kommen wohl auch nur verwegene Gestalten], die Apotheke "McPill" [Raverbedarf? "Den Valium- Mac samt Haldolshake, bitte!")
Am Bahnhof verabschiedete ich mich dann vom todmüden Rest und begab mich noch ins "ZwoEinz".
Dort legte mein alter Kumpel Traxel (Soundflat Records) noch gepflegte 60er- Musik auf. Ich richtete mich mit dem "ZwoEinz- Gedeck" (Astra+ Mexikaner für 3 Euro) dort weitgehend hin... nur um bei Christoph dann durch den hysterischen Schreianfall eines aus dem Schlaf gerissenen Gary Flanell bei meinem Betreten des Zimmers fast noch (durch einen Herzanfall) den völligen Rockstar- Tourtod zu sterben.
 
(Letzter Teil folgt)

Freitag, 28. Februar 2014

Mein Leben als Rockstar, Teil 2

Nach dem Auftritt in Mainz ging es nach Köln. Da würde ich auch auf meine Mitstreiter treffen, die mit mir als OX- Kolumnisten- Paket die restlichen drei Termine absolvieren sollten.
Besonders gespannt war ich auf Christoph Parkinson, hatte jener einst in seinem "Furious Clarity"- Blog meine Graphic Novel "Der Katzenkönig" nicht nur verrissen, sondern regelrecht geschlachtet.
Will heißen: eigentlich (und ausgerechnet) nur meinen Text, Daniel Proharts Bilder hatten noch halbwegs Gnade erfahren.
Natürlich (was ich ihm auch persönlich mitgeteilt habe) liest man als Künstler nicht gerne Verrisse seiner Arbeit und ist in solch einem Fall geneigt, den unbekannten Rezensenten für ein Riesenarschloch zu halten... wohl auch für Sie, geneigte Leser, eine nachvollziehbare Gemütsregung.
In seinem Fall war mir aber klar, daß wir uns früher oder später im OX- Umfeld einmal begegnen würden (auch wenn ich nie damit gerechnet hätte, bei ihm in der WG übernachten zu sollen/dürfen/müssen)... und da ich generell die Neigung habe, Leute, die ich interessant finde, persönlich kennenlernen zu wollen (auch gegenseitige Onlineaversion kann einen Menschen interessant machen), war ich sehr gespannt, was mich da genau erwarten würde.
Mich erwartete: ein überaus freundlicher und herzlicher Mensch, der mir auf Anhieb grundsympathisch war... wie der Rest der ganzen Bagage übrigens auch.
Natürlich kauten wir den Verriß noch einmal durch (nach dem Motto: gut, daß wir darüber geredet haben), was zwar nichts daran änderte, daß ihm die Geschichte nicht gefällt und ich damit leben muß... aber zumindest gibt es keinen Grund mehr dafür, irgendwas persönlich zu nehmen.

Das Stereo Wonderland in Köln war auf jeden Fall brechend voll. 50 zahlende Gäste waren anwesend, mein persönlicher Rekord... schön wäre gewesen, wenn die wegen uns dagewesen wären.
Stattdessen entpuppten sie sich mehrheitlich als Anhänger des endverstrahlten Hirnmutanten Heinrich Hass, ein ehemaliger Mitbewohner von Christoph, den dieser kurzerhand als Gastleser organisiert hatte.
Wobei dies negativer klingt als beabsichtigt.
Zum einen waren die handgeschriebenen Textfragmente, die er vortrug, wirklich gut... zum anderen war er selbst zwar reichlich merkwürdig, aber prinzipiell nicht unsympathisch.
Auch wenn man beispielsweise für sein unter dem Namen "Tourette Talking" auf You Tube veröffentlichtes Musikvideo schon einen recht speziellen Humor braucht... den ich habe. Umgehend spielte ich den Track in meiner Radiosendung und kann ihn nur empfehlen. "Foxtrot, Foxtrot, Nuttenutte Koks" eben.
Was uns drei anderen Leser anging (außer mir H.C. Roth aus Graz und Gary Flanell aus Berlin), hatten wir mit einem ständig wachsenden Lärmpegel sowie zunehmendem Desinteresse des Publikums zu kämpfen (das noch dazu beständig spärlicher wurde) und ich glaube, daß wir alle froh waren, als unsere Lesung zuende war.
Was uns allerdings nicht daran hinderte, uns nach der Show nach allen Regeln der Kunst zuzulöten... so daß um halb drei morgens ein ordentlicher OX- Promillepack in Christophs WG einlief.
Trotz der grenzwertigen Publikumsreaktion waren wir eigentlich alle guter Dinge... denn am nächsten Abend in Solingen (ohne Lokalmatador) würde das Publikum gewiß aufmerksamer sein.

Fortsetzung folgt

Montag, 24. Februar 2014

Mein Leben als Rockstar, Teil 1

Zurück von der Tour. Endlich wieder daheim. "Ausspannen." Oder, noch besser, "die Seele baumeln lassen".
Würrrg.

Wobei der Ankündigung, als Autor auf Tour zu gehen, wenig Rockstarmäßiges anhaftet. Eine Lesetour, so wird wahrscheinlich allgemein angenommen, beinhaltet nicht soviel Potential für Exzesse und zertrümmerte Hotelzimmereinrichtungen. Letzteres stimmt zumindest, einen Fernseher habe ich noch nie aus dem Fenster geworfen (davon abgesehen, daß ich dazu noch so gut wie nie in Hotels übernachte).
Das Höchste der Gefühle waren bislang ein Radiowecker sowie ein Wasserkocher. Nur war das nicht im Hotel, sondern bei mir zuhause, und außerdem befanden sich die Gegenstände in meinem Privatbesitz.
Außerdem war das in meiner Prä- Autorenzeit, allerdings aus ähnlichen Gründen, die mich auch gegenwärtig zu solchem Unfug verleiten würden.
Diesmal gab es nichts dergleichen zu vermelden. Vor dem Auftritt im Fiszbah in Mainz, einer recht gepflegten Bar überschaubarer Größe, hielt sich meine allgemeine Begeisterung sogar ziemlich in Grenzen.
Der Punkt, an dem man sich fragt "was zur Hölle tue ich eigentlich hier" kommt normalerweise spätestens dann, wenn kurz vor Lesebeginn das Publikum immer noch aus 15 vereinzelt eingetrudelten Leuten besteht, aber rauscht vorbei, wenn sich herausstellt, daß dies komplett egal ist.
Hier nochmal offiziell: ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß bei einer Lesung. Das Publikum war klasse, und die gute Stimmung übertrug sich auf mich und somit wieder auf das Publikum... im Fußball nennt man das Tiki- Taki. Ich durfte sogar noch eine Zugabe lesen, ohne daß ich den Eindruck hatte, die Leute würden diese aus reiner Höflichkeit einfordern.
Danach durfte ich mit meinem DJ- Kollegen Dominik noch etwas Musik auflegen, bis wir den Laden weitgehend leergespielt hatten, bevor ich dann mit Erstgenanntem samt seiner Freundin Eva (die das Vorprogramm bestritten hatte) und meiner Verlegerin Miriam Spies noch auf einen Absacker in eine nahe Kneipe mit dem wunderschönen Namen "Hafeneck" weiterzog.
Ein sehr gelungener Tourauftakt, wozu auch paßte, daß der FCK das DFB- Pokal- Viertelfinale in Leverkusen gewonnen hatte, worauf ich natürlich in- ausgerechnet Mainz- ausgiebig herumreiten mußte.
Fazit: ich habe schon lange nicht mehr ausschließlich für Freigetränke gelesen, aber in solch einem Ambiente kann man das gerne mal tun.

(Fortsetzung folgt)


Montag, 3. Februar 2014

Was bleibt unter Geiern?

Weil ich gerade so heiter- besinnlich vor mich hinverrotte, wollte ich mal eine erbauliche Anekdote aus einem Altersheim zum Besten geben, in dem ich vor Jahren arbeitete. Das Heim befindet sich in Karlsruhe, bleibt aber ansonsten anonym.
Es gab eine Bewohnerin dort, die noch verhältnismäßig jung war; Anfang 60, glaube ich mich zu erinnern. Körperlich war sie aber ziemlich angeschlagen, was sie jedoch nicht daran hinderte, zu rauchen wie ein Schlot.
So kam es, wie es kommen mußte, und einige Zeit später wurde sie recht unerwartet hinweggerafft.
Da sie keinerlei Angehörige hatte und wohl auch kein Testament hinterließ, fiel die verwaiste Einrichtung ihres Zimmers an das Haus. Gegeizt hatte die gute Frau glücklicherweise nicht; es gab zwei prallgefüllte Kleiderschränke, allerlei (wertlosen) Schmuck, Bücher und Videos, Nippes, Lampen und Sofakissen.
Damals arbeitete ich ein paar Wochen als Nachtwache; die Heimleitung hatte den Mitarbeitern die Erlaubnis gegeben, sich aus dem Nachlaß zu bedienen, wenn man irgendwas brauchen könnte.
Soweit, so gut. Ich ging also nachts mit meiner Kollegin ins Zimmer der am Morgen verstorbenen Frau in der Hoffnung, eine brauchbare Kleinigkeit (ein Buch oder einen Film) zu finden.
Als wir das Zimmer öffneten, bot sich mir ein Anblick, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde: offenbar hatten sich die Kollegen vom Tagdienst schon reichlich bedient.
Keine Schrank- oder Kommodentür war geschlossen, und alles was man nicht gebrauchen konnte, war auf den Boden geworfen worden.Es sah aus wie eine Kombination aus Einbruch und Sommerschlußverkauf.

Ich fand dieses vorherige, durch keinen Hauch von Anstand oder des Gefühls für Würde abgemilderte Wüten, diesen Nachweis der unverfälschten Habgier irgendwelcher Krämerseelen fast schon tierisch. Hyänengleich. Widerwärtig.
Angeekelt drehte ich mich auf dem Absatz um, denn sogar wenn ich in dem verbliebenen Wust noch irgendwas Brauchbares gefunden hätte, ich hätte es nicht guten Gewissens an mich nehmen können.

Was von einem Leben an sichtbaren Spuren zurückbleibt, ist schon wenig genug. Wenn sich dann noch jemand dermaßen damit den Arsch wischt, ist das bei genauerer Überlegung kaum auszuhalten.