Natürlich habe ich das Hinscheiden Jeff Hannemans mit gerade mal 49 Jahren nicht vergessen. Davon abgesehen, daß eines der Kapitel in "Kreisklassenhölle" "Solo Hanneman, Solo King" heißt und ich bereits bei Radio Bronkowitz mein Sprüchlein samt zweier gespielter Titel abgelassen habe, befindet sich in diesem Blog ein ausführlicher SLAYER- Essay, den ich der Einfachheit nochmal zitiere, da er am besten ausdrückt, wie wichtig Slayer an einem Wendepunkt meines Lebens für mich waren:
[...]Mein Weltbild geriet soweit ins Wanken, daß ich mir von einem
Metallerkumpel ein Slayer- Tape auslieh, weil ich mir "das da" einfach
mal anhören wollte, um rauszufinden, was denn nun so toll war an dem
ganzen Scheißdreck. An dem Tag, an dem ich es in Empfang nahm, fühlte
ich mich zum ersten Mal irgendwie rebellisch.
Und dann daheim:
erste Kontaktaufnahme. Möglichst heimlich und leise, damit mich meine
Eltern nicht für völlig verrückt hielten. Die Feststellung, daß das
durchaus was hatte. Immer und immer wieder auf den Opener zurückspulen,
in erschreckter Faszination. Und eine Woche später das Tape genauso
erschreckt zurückgeben, und das in erster Linie, weil mir das Gehörte
irgendwie gefallen hatte, ich damals aber noch viel zu verspießt war, um
mir das einzugestehen.[...]
R.I.P. und danke. Ohne eure Musik zur richtigen Zeit kennengelernt zu haben, wäre ich heute zum größten Teil ein komplett anderer Mensch. Und die Alternativen, die vor meinem inneren Auge vorbeiziehen, sind allesamt nicht sonderlich aufregend.
Dienstag, 21. Mai 2013
Montag, 20. Mai 2013
Invasion der Arschficker
Versuch einer Kritik an Jonathan Littells Roman "Die Wohlgesinnten"
Wenn man es- in einem Anfall von Masochismus- auf sich genommen hat, eine 1359seitige Dummschwarte zu lesen, darf man sich auch dazu berufen fühlen, der Welt seine Eindrücke mitzuteilen.
Zunächst einmal zur Handlung: Dr. Maximilian Aue, ehemaliger Obersturmbannführer der SS, schreibt im vorgerückten Alter seine Memoiren. Schonungslos, natürlich.
Aufgerollt wird die komplette Geschichte des Zweiten Weltkriegs samt Ermordung von 6 Millionen Juden bis zum lugubren Ende im zerbombten Berlin, wo der Russ' bereits auf der Fußmatte steht.
Soweit, so gut. Das liest sich zumindest in den nüchtern formulierten, historisch nachvollziehbaren Abschnitten fesselnd, fundiert und halbwegs bestürzend.
Was heißen will, daß Littell ein guter Sachbuchautor wäre.Leider sieht er sich aber als Romancier, als ein Künstler gar. Und ab da wird es wirklich grauenhaft.
Denn natürlich hat Dr. Aue auch ein Privatleben, und das liest sich, wie am Reißbrett eines überambitionierten Kunstseminars zusammengepuzzelt. Er darf natürlich kein Biedermann mit einer halbwegs bürgerlichen Existenz sein; das wäre vermutlich zu unspektakulär, auch wenn es seinen Abstieg zum Erfüllungsgehilfen eines verbrecherischen Regimes wahrscheinlich authentischer gemacht hätte.
Nein, die Kopfgeburt Dr. Aue ist ein deutsch- französischer homophiler Schöngeist mit einem Mutterkomplex und einer inzestuösen Liebe zu seiner Zwillingsschwester, dessen Mutter und Stiefvater im Lauf des Buches noch von einem Psychopathen ermordet werden, und der sich beim Onanieren gerne Würste und Besenstiele in den After einführt.
Das eigentliche, vollmundig angekündigte Sujet, nämlich schonungslose Schilderung der Vernichtung von sechs Millionen Juden, rückt infolgedessen im Lauf des Buches immer mehr in den Hintergrund, denn der Platz wird für eine ausführliche Introspektive Aues benötigt.
So wird der Leser nach Aues Verwundung in Stalingrad zunächst einmal mit einer genauso sinn- wie talentfreien Seitenschinderei malträtiert, die eine Abfolge von Traumbildern darstellen soll, was uns in eine sprachlich limitierte Bleiwüste von mehr als 20 Seiten führt, und zwar folgenden Inhalts:
der verwundete Dr. Aue landet in seinem Fiebertraum im Zeppelin des Dr. Sardine (Zitat Eckhard Henscheid: "Wer hat da gelacht? Ach so, das war er selbst"), der zum Ende der Welt unterwegs ist. Und das liest sich noch grumpf- und sumpfdümmer, als es hier klingt. (Nachträglich eingefügt, da übersehen: da die Sardine ein Heringsfisch ist und die Passage auf einem fliegenden Objekt spielt, kann man ahnen, welch bärtiges Wortspiel sich dahinter auf einer tiefenpsychologischen Ebene verbirgt. Aber will man das wirklich wissen?)
Aber damit fängt der Niedergang nach dem halbwegs passablen Start erst an: nächster Tiefpunkt ist jene Halluzination, in der Aue Adolf Hitler bei einer Rede plötzlich als Rabbiner am Pult stehen sieht. Erklärt wird das mit dem in Stalingrad erlittenen Kopfschuß, der eine Art drittes Auge zur Folge hat, durch das Aue laut eigener Aussage in der Lage sei, die Realität hinter allen Dingen zu erkennen.
Die Frage ist damit nur, was uns diese Passage somit sagen will: daß Hitler in Wirklichkeit Jude war? Gern Jude gewesen wäre? Insgeheim die Juden bewunderte? Mit den Juden ein Stück Deutschland umbrachte? Daß nicht nur Aue einen Kopfschuß erlitten hat, sondern irgendwann auch der Autor? Dunkel bleibt der Worte Sinn.
Aber die Geschichte ist noch lang, und Frankreich ist groß und von Menschen bevölkert, die sich schon für bedeutende Autoren halten, wenn in ihren Romanen nur ausreichend gewichst, geleckt und gearschfickt wird, und das möglichst "kontrovers", wenn nicht grad geschissen und gekotzt wird, am besten alles zusammen.
Sei es Nicolas Jones-Gorlin mit "Rose Bonbon", sei es Catherine Millet mit ihren eigenen Fickgeschichten, hauptsache, es wird gepimpert, bis die Schwarte kracht, je expliziter, desto besser, desto subversiver, desto verkaufsfördernder. Ob da noch irgendwo Sinn und Verstand drinstecken, die Frage ist müßig.
Davon abgesehen, daß alles mögliche erotische Konnotationen hervorruft (Beispiel: eine griechische Statue im Museum in Paris) muß auch Dr. Aue natürlich am Ende Gelegenheit bekommen, sich ausgiebig selbst zu befriedigen und dabei an seine Zwillingsschwester zu denken, in einem quälend langen Abschnitt mit Holzdildos, Kerzen im Arsch, seiner eigenen Scheiße und inzestuösen Phantasiebildern, bis man sich vor lauter Überdruß an der deutlich plazierten Stammhirnkacke des Autors Schilderungen der Tätigkeit des Protagonisten im KZ zurückwünscht, bevor Littell das Buch in einem von Zufällen Dickens'scher Dimension wimmelnden, plumpen, unbeholfen erdachten Schluß vor der völligen Ausfaserung rettet und wieder in die Spur zurückführt. Denkt er.
Und was denke ich?
Daß 6 Millionen toter Juden als Statisten für einen dummdreisten Kunstporno herhalten müssen, in dem der Protagonist als schicke Chocerie SS- Mann ist (auch so eine unselige literarische Masche aus vergangener Zeit)? Daß es toll ist, wie er am Ende die Bombardierung Berlins schildert, so daß auch die Deutschen noch ihr Stück vom Opferkuchen abhaben dürfen? Daß man sich Skandale wie die Selbstinszenierung eines Verbrechers wie Albert Speer als waschecht guten Nazi mit einhergehendem Nachkriegsruhm und -reichtum besser ohne pseudoliterarischen Überbau vor Augen führen sollte? Daß die Behängung dieses Machwerks mit Preisen ein Indiz für den verrotteten Kulturbetrieb ist, in dem die Schlüsselworte "Juden" und "Shoah" jeden Quatsch rechtfertigen?
Immerhin: als Aue am Ende im Berliner Zoo einen toten Gorilla findet (natürlich sinnlos hingemetzelt von barbarischen Russen), der so "menschenähnlich aussieht, daß man erwartet, er würde gleich zu reden beginnen", mußte ich immerhin einmal lachen. Die unfreiwillige Komik ließ mich sogar im nächsten Augenblick meine Befürchtung vergessen, Aue würde nun auch noch den Gorilla in den Arsch ficken.
Wenn man es- in einem Anfall von Masochismus- auf sich genommen hat, eine 1359seitige Dummschwarte zu lesen, darf man sich auch dazu berufen fühlen, der Welt seine Eindrücke mitzuteilen.
Zunächst einmal zur Handlung: Dr. Maximilian Aue, ehemaliger Obersturmbannführer der SS, schreibt im vorgerückten Alter seine Memoiren. Schonungslos, natürlich.
Aufgerollt wird die komplette Geschichte des Zweiten Weltkriegs samt Ermordung von 6 Millionen Juden bis zum lugubren Ende im zerbombten Berlin, wo der Russ' bereits auf der Fußmatte steht.
Soweit, so gut. Das liest sich zumindest in den nüchtern formulierten, historisch nachvollziehbaren Abschnitten fesselnd, fundiert und halbwegs bestürzend.
Was heißen will, daß Littell ein guter Sachbuchautor wäre.Leider sieht er sich aber als Romancier, als ein Künstler gar. Und ab da wird es wirklich grauenhaft.
Denn natürlich hat Dr. Aue auch ein Privatleben, und das liest sich, wie am Reißbrett eines überambitionierten Kunstseminars zusammengepuzzelt. Er darf natürlich kein Biedermann mit einer halbwegs bürgerlichen Existenz sein; das wäre vermutlich zu unspektakulär, auch wenn es seinen Abstieg zum Erfüllungsgehilfen eines verbrecherischen Regimes wahrscheinlich authentischer gemacht hätte.
Nein, die Kopfgeburt Dr. Aue ist ein deutsch- französischer homophiler Schöngeist mit einem Mutterkomplex und einer inzestuösen Liebe zu seiner Zwillingsschwester, dessen Mutter und Stiefvater im Lauf des Buches noch von einem Psychopathen ermordet werden, und der sich beim Onanieren gerne Würste und Besenstiele in den After einführt.
Das eigentliche, vollmundig angekündigte Sujet, nämlich schonungslose Schilderung der Vernichtung von sechs Millionen Juden, rückt infolgedessen im Lauf des Buches immer mehr in den Hintergrund, denn der Platz wird für eine ausführliche Introspektive Aues benötigt.
So wird der Leser nach Aues Verwundung in Stalingrad zunächst einmal mit einer genauso sinn- wie talentfreien Seitenschinderei malträtiert, die eine Abfolge von Traumbildern darstellen soll, was uns in eine sprachlich limitierte Bleiwüste von mehr als 20 Seiten führt, und zwar folgenden Inhalts:
der verwundete Dr. Aue landet in seinem Fiebertraum im Zeppelin des Dr. Sardine (Zitat Eckhard Henscheid: "Wer hat da gelacht? Ach so, das war er selbst"), der zum Ende der Welt unterwegs ist. Und das liest sich noch grumpf- und sumpfdümmer, als es hier klingt. (Nachträglich eingefügt, da übersehen: da die Sardine ein Heringsfisch ist und die Passage auf einem fliegenden Objekt spielt, kann man ahnen, welch bärtiges Wortspiel sich dahinter auf einer tiefenpsychologischen Ebene verbirgt. Aber will man das wirklich wissen?)
Aber damit fängt der Niedergang nach dem halbwegs passablen Start erst an: nächster Tiefpunkt ist jene Halluzination, in der Aue Adolf Hitler bei einer Rede plötzlich als Rabbiner am Pult stehen sieht. Erklärt wird das mit dem in Stalingrad erlittenen Kopfschuß, der eine Art drittes Auge zur Folge hat, durch das Aue laut eigener Aussage in der Lage sei, die Realität hinter allen Dingen zu erkennen.
Die Frage ist damit nur, was uns diese Passage somit sagen will: daß Hitler in Wirklichkeit Jude war? Gern Jude gewesen wäre? Insgeheim die Juden bewunderte? Mit den Juden ein Stück Deutschland umbrachte? Daß nicht nur Aue einen Kopfschuß erlitten hat, sondern irgendwann auch der Autor? Dunkel bleibt der Worte Sinn.
Aber die Geschichte ist noch lang, und Frankreich ist groß und von Menschen bevölkert, die sich schon für bedeutende Autoren halten, wenn in ihren Romanen nur ausreichend gewichst, geleckt und gearschfickt wird, und das möglichst "kontrovers", wenn nicht grad geschissen und gekotzt wird, am besten alles zusammen.
Sei es Nicolas Jones-Gorlin mit "Rose Bonbon", sei es Catherine Millet mit ihren eigenen Fickgeschichten, hauptsache, es wird gepimpert, bis die Schwarte kracht, je expliziter, desto besser, desto subversiver, desto verkaufsfördernder. Ob da noch irgendwo Sinn und Verstand drinstecken, die Frage ist müßig.
Davon abgesehen, daß alles mögliche erotische Konnotationen hervorruft (Beispiel: eine griechische Statue im Museum in Paris) muß auch Dr. Aue natürlich am Ende Gelegenheit bekommen, sich ausgiebig selbst zu befriedigen und dabei an seine Zwillingsschwester zu denken, in einem quälend langen Abschnitt mit Holzdildos, Kerzen im Arsch, seiner eigenen Scheiße und inzestuösen Phantasiebildern, bis man sich vor lauter Überdruß an der deutlich plazierten Stammhirnkacke des Autors Schilderungen der Tätigkeit des Protagonisten im KZ zurückwünscht, bevor Littell das Buch in einem von Zufällen Dickens'scher Dimension wimmelnden, plumpen, unbeholfen erdachten Schluß vor der völligen Ausfaserung rettet und wieder in die Spur zurückführt. Denkt er.
Und was denke ich?
Daß 6 Millionen toter Juden als Statisten für einen dummdreisten Kunstporno herhalten müssen, in dem der Protagonist als schicke Chocerie SS- Mann ist (auch so eine unselige literarische Masche aus vergangener Zeit)? Daß es toll ist, wie er am Ende die Bombardierung Berlins schildert, so daß auch die Deutschen noch ihr Stück vom Opferkuchen abhaben dürfen? Daß man sich Skandale wie die Selbstinszenierung eines Verbrechers wie Albert Speer als waschecht guten Nazi mit einhergehendem Nachkriegsruhm und -reichtum besser ohne pseudoliterarischen Überbau vor Augen führen sollte? Daß die Behängung dieses Machwerks mit Preisen ein Indiz für den verrotteten Kulturbetrieb ist, in dem die Schlüsselworte "Juden" und "Shoah" jeden Quatsch rechtfertigen?
Immerhin: als Aue am Ende im Berliner Zoo einen toten Gorilla findet (natürlich sinnlos hingemetzelt von barbarischen Russen), der so "menschenähnlich aussieht, daß man erwartet, er würde gleich zu reden beginnen", mußte ich immerhin einmal lachen. Die unfreiwillige Komik ließ mich sogar im nächsten Augenblick meine Befürchtung vergessen, Aue würde nun auch noch den Gorilla in den Arsch ficken.
Mein Pfleger, der Neger
Nun hat sich auch der SPIEGEL sich dieses Themas angenommen.
Viele ausländische Pflegekräfte würden wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe in Altersheimen diskriminiert, oft von dementen Bewohnern, aber auch von Leuten im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Damit müsse man als Pflegekraft aber rechnen und - daraus resultierend - auch umgehen und leben.
Selbiges forderte auch einmal das Fachblatt "Altenpflege" ein und ging sogar noch einen Schritt weiter: man müsse Verständnis dafür haben, daß es für alte Menschen eine "Zumutung sei, von russischen Pflegekräften versorgt zu werden", wegen der negativen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.
Fassen wir also zusammen: Pflegekräfte dürfen sich mit Fug und Recht beleidigen lassen, wenn die Beleidiger selbst das Glück hatten, so alt zu werden, daß sie jeder mit Nachsicht betrachtet.
Wenn mich ein dementer Bewohner beleidigt, nehme ich das nicht persönlich, genausowenig, wenn eine Frau, die irgendwann im Leben einmal vergewaltigt wurde, keine männliche Pflegeperson möchte.
Damit hat es sich aber schon. Davon abgesehen, daß es für mich nicht selbstverständlich ist, daß russisches und polnisches Personal Bewohner pflegt, die- wenn auch als Gruppe langsam aussterbend- in jungen Jahren noch höchstpersönlich Tod und Schrecken in ihrem Herkunftsland verbreitet haben, finde ich es geradezu albern, lebenslange Dummheit zu belohnen, denn das tut man, wenn- wie ich es in einem Heim bereits erlebt habe- ein dunkelhäutiger Pfleger einen Bewohner nicht mehr versorgen darf, weil dieser- wörtlich- "ein Problem mit Negern" hat.
War jemand sein Leben lang ein kolossales Arschloch, bleibt er das auch in methusalischem Alter, da helfen auch keine Argumente bezüglich "in einer anderen Zeit großgeworden".
Oft genug habe ich erlebt, daß Bewohner ausländische Pflegekräfte vielleicht nicht unbedingt guthießen, aber angesichts ihrer eigenen Situation zumindest mal wie normale Menschen behandelten, auch im Wissen, daß sie auf sie angewiesen waren.
Warum man in einem Heimvertrag keine Klausel einfügen kann, in der der Unterzeichner verpflichtet wird, kein Pflegepersonal wegen Herkunft und Hautfarbe zu diskriminieren, weil das ansonsten eine Kündigung eben dieses Vertrags zur Folge hätte, muß ich nicht kapieren.Offensichtlich ist es auch für alte Menschen nicht unmöglich, sich zu arrangieren, also kann man die völlig vernunftresistenten Blödmänner ihre hoffentlich wenigen letzten Tage auch dort beschließen lassen, wo sie niemandem auf die Nerven gehen.
So lange bleibt dies aber ein schönes Beispiel dafür, was man in der Pflege wie selbstverständlich erdulden muß.
Viele ausländische Pflegekräfte würden wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe in Altersheimen diskriminiert, oft von dementen Bewohnern, aber auch von Leuten im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Damit müsse man als Pflegekraft aber rechnen und - daraus resultierend - auch umgehen und leben.
Selbiges forderte auch einmal das Fachblatt "Altenpflege" ein und ging sogar noch einen Schritt weiter: man müsse Verständnis dafür haben, daß es für alte Menschen eine "Zumutung sei, von russischen Pflegekräften versorgt zu werden", wegen der negativen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.
Fassen wir also zusammen: Pflegekräfte dürfen sich mit Fug und Recht beleidigen lassen, wenn die Beleidiger selbst das Glück hatten, so alt zu werden, daß sie jeder mit Nachsicht betrachtet.
Wenn mich ein dementer Bewohner beleidigt, nehme ich das nicht persönlich, genausowenig, wenn eine Frau, die irgendwann im Leben einmal vergewaltigt wurde, keine männliche Pflegeperson möchte.
Damit hat es sich aber schon. Davon abgesehen, daß es für mich nicht selbstverständlich ist, daß russisches und polnisches Personal Bewohner pflegt, die- wenn auch als Gruppe langsam aussterbend- in jungen Jahren noch höchstpersönlich Tod und Schrecken in ihrem Herkunftsland verbreitet haben, finde ich es geradezu albern, lebenslange Dummheit zu belohnen, denn das tut man, wenn- wie ich es in einem Heim bereits erlebt habe- ein dunkelhäutiger Pfleger einen Bewohner nicht mehr versorgen darf, weil dieser- wörtlich- "ein Problem mit Negern" hat.
War jemand sein Leben lang ein kolossales Arschloch, bleibt er das auch in methusalischem Alter, da helfen auch keine Argumente bezüglich "in einer anderen Zeit großgeworden".
Oft genug habe ich erlebt, daß Bewohner ausländische Pflegekräfte vielleicht nicht unbedingt guthießen, aber angesichts ihrer eigenen Situation zumindest mal wie normale Menschen behandelten, auch im Wissen, daß sie auf sie angewiesen waren.
Warum man in einem Heimvertrag keine Klausel einfügen kann, in der der Unterzeichner verpflichtet wird, kein Pflegepersonal wegen Herkunft und Hautfarbe zu diskriminieren, weil das ansonsten eine Kündigung eben dieses Vertrags zur Folge hätte, muß ich nicht kapieren.Offensichtlich ist es auch für alte Menschen nicht unmöglich, sich zu arrangieren, also kann man die völlig vernunftresistenten Blödmänner ihre hoffentlich wenigen letzten Tage auch dort beschließen lassen, wo sie niemandem auf die Nerven gehen.
So lange bleibt dies aber ein schönes Beispiel dafür, was man in der Pflege wie selbstverständlich erdulden muß.
Freitag, 17. Mai 2013
Anonyme Kommentatoren!
Wenn man wie ich mit seinem vollen Echtnamen, Photo und Wohnort für seine Meinung geradesteht und vielleicht sogar Gefahr läuft, eines sonnigen Tages von jemandem, dem gerade etwas von dem, was man da verbreitet, gar nicht paßt, gemütlich die Fresse poliert zu bekommen, kann man von seinem Gegenüber zumindest ein gewisses Maß an Offenheit erwarten. Zumal ich nicht die Absicht habe, jemanden, der mir ein beherztes "Arschloch" entgegentippt, körperlich zur Raison zu bringen, denn wer austeilen kann, muß auch einstecken können. Diese Weisheit brachten mir bereits meine Großeltern bei.
Deswegen ist die Masche, hier anonym Schmähungen abzulaichen, einfach nur feige.
Vor was habt ihr Angst? Daß der große, böse Wolf auftaucht und euch frißt? Daß ich euer Postfach mit Penisverlängerungs- Werbespam zumülle? Oder seid ihr einfach nicht zu einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung fähig? Die unterbindet ihr jedenfalls, wenn man- außer in der Kommentarfunktion- keine Möglichkeit hat, auf irgendwelche Anschuldigungen zu antworten.
Ich veröffentliche jeden Kommentar, auch anonyme, und bei positiven melden sich die Urheber normalerweise auf anderem Weg bei mir.
Negative anonyme Kommentare dagegen... nun, mir wurde schon gesagt, ich solle sie einfach ignorieren... aber feige Schweine (um jetzt mal genauso hart zuzuschlagen) bleiben feige Schweine und haben es sich redlich verdient, als solche dazustehen, auch wenn sie das namenlos tun.
Ihr geht mir auf den Sack.
Deswegen ist die Masche, hier anonym Schmähungen abzulaichen, einfach nur feige.
Vor was habt ihr Angst? Daß der große, böse Wolf auftaucht und euch frißt? Daß ich euer Postfach mit Penisverlängerungs- Werbespam zumülle? Oder seid ihr einfach nicht zu einer ernstzunehmenden Auseinandersetzung fähig? Die unterbindet ihr jedenfalls, wenn man- außer in der Kommentarfunktion- keine Möglichkeit hat, auf irgendwelche Anschuldigungen zu antworten.
Ich veröffentliche jeden Kommentar, auch anonyme, und bei positiven melden sich die Urheber normalerweise auf anderem Weg bei mir.
Negative anonyme Kommentare dagegen... nun, mir wurde schon gesagt, ich solle sie einfach ignorieren... aber feige Schweine (um jetzt mal genauso hart zuzuschlagen) bleiben feige Schweine und haben es sich redlich verdient, als solche dazustehen, auch wenn sie das namenlos tun.
Ihr geht mir auf den Sack.
Dienstag, 14. Mai 2013
So.
Oft genug hab ich es angekündigt, wieder häufiger zu bloggen, ohne daß diese Vorhersage eingetreten wäre. Das Äquivalent zu Chinese Democracy von Guns 'n Roses sozusagen, nur daß dieses nicht nur nach gefühlt 47 Jahren erschien, ein schäbiges Cover hatte und formidable Grütze enthielt, während ich aus diversen Gründen nur gefühlt 8 Jahre im Orkus verschwunden war, natürlich aussehe wie dem Men's Health oder einem vergleichbaren Schwachmatenblatt entstiegen und schon seit Jahr und Tag formidable Grütze enthalte.
Irgendwie hatte ich bisher keine Motivation, nach Feierabend im Internetcafé zu sitzen und mir irgendwelche Sottisen aus dem Ärmel zu leiern.
Ich habe mittlerweile zwar einen eigenen Rechner, den ich in einer Verlosung des QUERFUNK gewonnen habe, aber der ist völlig fossil und braucht noch allerlei technisches Beiwerk, um halbwegs zu laufen ohne 12 Minuten für den Aufbau einer Seite zu benötigen. Davon abgesehen, daß ich zwar mittlerweile auch eine Tastatur mein eigen nenne, aber keinen Monitor.
Nun ja, man kann nicht alles haben... vielleicht sollte ich meine Beiträge einfach ins Blaue hineintippen und abwarten, wo sie landen. Spätestens wenn Alfons Stemminger in Niederwürzach behauptet, er erhielte kryptische E- Mails von Bewohnern des Planeten Orgo, könnte eventuell etwas schiefgelaufen sein.
Vielleicht sollte ich in bester Chinese-Democracy- Tradition mein baldiges (Wieder-) Erscheinen mal wieder felsenfest ankündigen, und dann lässig aus der Hüfte schießen, wenn keiner, also wirklich gar keiner mehr... ach, das ist jetzt schon der Fall?
Jessas, wie die Zeit vergeht.
Irgendwie hatte ich bisher keine Motivation, nach Feierabend im Internetcafé zu sitzen und mir irgendwelche Sottisen aus dem Ärmel zu leiern.
Ich habe mittlerweile zwar einen eigenen Rechner, den ich in einer Verlosung des QUERFUNK gewonnen habe, aber der ist völlig fossil und braucht noch allerlei technisches Beiwerk, um halbwegs zu laufen ohne 12 Minuten für den Aufbau einer Seite zu benötigen. Davon abgesehen, daß ich zwar mittlerweile auch eine Tastatur mein eigen nenne, aber keinen Monitor.
Nun ja, man kann nicht alles haben... vielleicht sollte ich meine Beiträge einfach ins Blaue hineintippen und abwarten, wo sie landen. Spätestens wenn Alfons Stemminger in Niederwürzach behauptet, er erhielte kryptische E- Mails von Bewohnern des Planeten Orgo, könnte eventuell etwas schiefgelaufen sein.
Vielleicht sollte ich in bester Chinese-Democracy- Tradition mein baldiges (Wieder-) Erscheinen mal wieder felsenfest ankündigen, und dann lässig aus der Hüfte schießen, wenn keiner, also wirklich gar keiner mehr... ach, das ist jetzt schon der Fall?
Jessas, wie die Zeit vergeht.
Mittwoch, 3. April 2013
Einen Cognac und einen Vollbart, bitte.
Nachdem das ganze familiäre Elend vorerst einmal ausgestanden ist (klingt albern, doch wie bekommt man nach dem Vorgängerpost einen vernünftigen Anschluß hin? Noch dazu einen, der einen nicht zur Auslotung der eigenen Persönlichkeit in den letzten Winkel hinein verleitet?), muß das Leben nun weitergehen. Und es geht weiter. Man zwíngt sich dazu, wobei es eine Art Erleichterung ist, das Siechtum eines geliebten Menschen nicht mehr erleben zu müssen.
Irgendwie haben mich die letzten beiden Jahre rapide altern lassen, wie ich mit einer Mischung aus Befremden und Akzeptanz erkennen muß.
Ich lese in letzter Zeit wieder sehr viel; mein zeitweise völlig verschütt gegangener Bildungshunger ist wieder aufgeflammt, wobei ich versuche, mein erworbenes Wissen in Gespräche einfließen zu lassen, nicht selten in einem gefühlt oberlehrerhaften Duktus. Ich höre Jazz und unterhalte mich mit Menschen meines Alters darüber.
Eigentlich fehlen mir noch ein Wollpullover mit kunstledernen Flicken an den Ellbogen, ein Vollbart und eine erkaltete Pfeife, die mir ständig aus dem Mundwinkel lugt, während ich in Künstlercafés erlesene Tropfen als Digestif bestelle. Der ist auch jetzt gleich nötig. Mir wird gerade schlecht.
Dennoch läßt es sich nicht verleugnen: mein Wille, am Wochenende in Clubs abzuhängen, ist momentan nicht sonderlich ausgeprägt, und wenn, hält sich mein Alkoholkonsum weitgehend in Grenzen, ganz zu schweigen von sonstigem Konsum, den ich nun schon seit Jahren an den Nagel gehängt habe... wohl wissend, daß ein durch die Stadt schwankender 20jähriger ein Bub ist, der gerade Party gemacht hat, während ein 40jähriger im selben Zustand zu geschätzt 93% in der gleichen öffentlichen Wahrnehmung ein asozialer, abgestürzter und verranzter alter Sack ist.
Das Interessante ist: ich wäre gerne besorgt oder traurig ob dieses momentanen Zustands, schaffe es aber nicht, sondern bin eigentlich ganz zufrieden.
Vielleicht sollte ich mich mal wieder kräftig besaufen.
Irgendwie haben mich die letzten beiden Jahre rapide altern lassen, wie ich mit einer Mischung aus Befremden und Akzeptanz erkennen muß.
Ich lese in letzter Zeit wieder sehr viel; mein zeitweise völlig verschütt gegangener Bildungshunger ist wieder aufgeflammt, wobei ich versuche, mein erworbenes Wissen in Gespräche einfließen zu lassen, nicht selten in einem gefühlt oberlehrerhaften Duktus. Ich höre Jazz und unterhalte mich mit Menschen meines Alters darüber.
Eigentlich fehlen mir noch ein Wollpullover mit kunstledernen Flicken an den Ellbogen, ein Vollbart und eine erkaltete Pfeife, die mir ständig aus dem Mundwinkel lugt, während ich in Künstlercafés erlesene Tropfen als Digestif bestelle. Der ist auch jetzt gleich nötig. Mir wird gerade schlecht.
Dennoch läßt es sich nicht verleugnen: mein Wille, am Wochenende in Clubs abzuhängen, ist momentan nicht sonderlich ausgeprägt, und wenn, hält sich mein Alkoholkonsum weitgehend in Grenzen, ganz zu schweigen von sonstigem Konsum, den ich nun schon seit Jahren an den Nagel gehängt habe... wohl wissend, daß ein durch die Stadt schwankender 20jähriger ein Bub ist, der gerade Party gemacht hat, während ein 40jähriger im selben Zustand zu geschätzt 93% in der gleichen öffentlichen Wahrnehmung ein asozialer, abgestürzter und verranzter alter Sack ist.
Das Interessante ist: ich wäre gerne besorgt oder traurig ob dieses momentanen Zustands, schaffe es aber nicht, sondern bin eigentlich ganz zufrieden.
Vielleicht sollte ich mich mal wieder kräftig besaufen.
Freitag, 15. März 2013
Mein Vater, der Gastarbeiter
Mein Vater kam 1966 aus Korsika nach Deutschland, um hier etwas Geld zu verdienen.
Obwohl er eigentlich hochgebildet war, schlug er sich in Deutschland mit Hilfsarbeiterjobs durch, als Lagerarbeiter, Bürobote und- in meiner Kindheit- als Möbelpacker.
Ich erinnere mich, daß er ständig von der Arbeit nachhause kam, während ich auf der Couch vor dem Fernseher saß und auf das "Sandmännchen" im ersten Programm wartete. Dann machte ich ihm meistens Platz und ließ mich im Schlafanzug auf dem Teppichboden nieder, denn er mußte liegen, da er jeden Abend nach getaner Lohnsklaverei barbarische Kreuzschmerzen hatte.
Auf Korsika konnte er nie den Berufsabschluß erreichen, den er gewollt hatte, da er kurz vor dem Abitur seinen Vater verlor; meine Großmutter war Wäscherin (und wusch die Wäsche der Dorfbewohner noch an einem Bergbach), meine Onkel waren bei der Armee, und so mußte er den Mann im Haus geben; in einem korsischen Bergdorf war das Leben recht hart, vor allem für eine alleinstehende Frau.
Als seine Brüder bei der Armee in Landau/Pfalz stationiert wurden, und mein Vater dabei war, in seiner Heimat eine ziemliche Outlaw- Existenz zu beginnen, schickte ihn meine Großmutter kurzerhand im Paket mit; er schwappte mit den letzten Ausläufern südeuropäischer Gastarbeiter ins Land, Italienern, Spaniern, Portugiesen, Griechen und Türken, nicht wenige mit einer ähnlichen Biographie.
So stand er also in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht beherrschte (die er sich aber wie ein Besessener autodidaktisch hineinpaukte), und mußte deshalb zuerst jede feilgebotene Dreckarbeit annehmen.
Dann lernte er meine Mutter kennen, gründete mit ihr eine Kleinfamilie, trat in die BASF ein und arbeitete sich mit eisernem Willen vom ungelernten Chemiearbeiter zum Industriechemiemeister hoch. Das klingt nach einem Happy End.
Ich habe mich oft mit Gastarbeiterkindern aus dieser- meiner- Generation unterhalten, auch als unsere Väter bereits als "Migranten" bezeichnet wurden und wir mehr oder weniger trotzig unseren "Migrationshintergrund" ins Feld führten. Erst spät, nachdem wir oft eine Kindheit hinter uns gebracht hatten mit Vätern, die wir manchmal als ruppig, streng oder gar lieblos in Erinnerung hatten, wurde uns klar, wie sich Überarbeitung, Plackerei, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen, Illusionslosigkeit und zerronnene Lebensträume auf einen Menschen auswirken können. Wir bemerkten, daß dies nur das Ergebnis war, und unsere Väter uns ihr größtes Opfer bereits gebracht hatten: ihre eigenen Ambitionen, um uns ein besseres Leben zu ermöglichen, als sie selbst es in ihrer Heimat hatten.
Viele meiner Freunde, deren südeuropäische Väter immer noch in Großbäckereien, Chemiefabriken oder auf Baustellen buckelten, waren Akademiker oder hatten zumindest Mittlere Reife und einen gutbezahlten Job; so weit wären wir im unserer "ursprünglichen Heimat" wahrscheinlich nie gekommen.
Warum ich dies nun schreibe? Mein Vater ist am 13. 03. 2013 im Alter von 67 Jahren verstorben, nach einer 15monatigen Lungenkrebserkrankung, infolge derer er zunehmend pflegebedürftig wurde und deren Ende auch eher einer Erlösung glich.
Dies war auch wiederum der Grund für meine langen Perioden der Abwesenheit aus dem Internet... was hätte ich mich über Dinge echauffieren sollen, die im Vergleich zu den Sachen, die mich WIRKLICH beschäftigten, oftmals wie Banalitäten erschienen?
Romane könnte ich über meinen Vater schreiben, daher beschränke ich in meinem Nachruf, wenn ich ihn so nennen darf, auf einen allgemein nachvollziehbaren Aspekt. In Liebe und Dankbarkeit:
Francois Ange Gaffory
* 11.03. 1946 (Guagnu/Corsica)
+ 13.03. 2013 (Zeiskam/Pfalz)
R.I.P., babbu caru.
Und von meiner Seite auch danke an alle, die in den letzten Monaten für mich da waren... ihr wißt, wer ihr seid.
Ich mag solche plakativen Verlautbarungen eigentlich nicht, darum nehmen Sie, verehrte Leser, dies einfach als eine Herzensangelegenheit und gleichzeitige Erklärung für das zwischenzeitliche Veröden dieses Blogs.
Obwohl er eigentlich hochgebildet war, schlug er sich in Deutschland mit Hilfsarbeiterjobs durch, als Lagerarbeiter, Bürobote und- in meiner Kindheit- als Möbelpacker.
Ich erinnere mich, daß er ständig von der Arbeit nachhause kam, während ich auf der Couch vor dem Fernseher saß und auf das "Sandmännchen" im ersten Programm wartete. Dann machte ich ihm meistens Platz und ließ mich im Schlafanzug auf dem Teppichboden nieder, denn er mußte liegen, da er jeden Abend nach getaner Lohnsklaverei barbarische Kreuzschmerzen hatte.
Auf Korsika konnte er nie den Berufsabschluß erreichen, den er gewollt hatte, da er kurz vor dem Abitur seinen Vater verlor; meine Großmutter war Wäscherin (und wusch die Wäsche der Dorfbewohner noch an einem Bergbach), meine Onkel waren bei der Armee, und so mußte er den Mann im Haus geben; in einem korsischen Bergdorf war das Leben recht hart, vor allem für eine alleinstehende Frau.
Als seine Brüder bei der Armee in Landau/Pfalz stationiert wurden, und mein Vater dabei war, in seiner Heimat eine ziemliche Outlaw- Existenz zu beginnen, schickte ihn meine Großmutter kurzerhand im Paket mit; er schwappte mit den letzten Ausläufern südeuropäischer Gastarbeiter ins Land, Italienern, Spaniern, Portugiesen, Griechen und Türken, nicht wenige mit einer ähnlichen Biographie.
So stand er also in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht beherrschte (die er sich aber wie ein Besessener autodidaktisch hineinpaukte), und mußte deshalb zuerst jede feilgebotene Dreckarbeit annehmen.
Dann lernte er meine Mutter kennen, gründete mit ihr eine Kleinfamilie, trat in die BASF ein und arbeitete sich mit eisernem Willen vom ungelernten Chemiearbeiter zum Industriechemiemeister hoch. Das klingt nach einem Happy End.
Ich habe mich oft mit Gastarbeiterkindern aus dieser- meiner- Generation unterhalten, auch als unsere Väter bereits als "Migranten" bezeichnet wurden und wir mehr oder weniger trotzig unseren "Migrationshintergrund" ins Feld führten. Erst spät, nachdem wir oft eine Kindheit hinter uns gebracht hatten mit Vätern, die wir manchmal als ruppig, streng oder gar lieblos in Erinnerung hatten, wurde uns klar, wie sich Überarbeitung, Plackerei, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen, Illusionslosigkeit und zerronnene Lebensträume auf einen Menschen auswirken können. Wir bemerkten, daß dies nur das Ergebnis war, und unsere Väter uns ihr größtes Opfer bereits gebracht hatten: ihre eigenen Ambitionen, um uns ein besseres Leben zu ermöglichen, als sie selbst es in ihrer Heimat hatten.
Viele meiner Freunde, deren südeuropäische Väter immer noch in Großbäckereien, Chemiefabriken oder auf Baustellen buckelten, waren Akademiker oder hatten zumindest Mittlere Reife und einen gutbezahlten Job; so weit wären wir im unserer "ursprünglichen Heimat" wahrscheinlich nie gekommen.
Warum ich dies nun schreibe? Mein Vater ist am 13. 03. 2013 im Alter von 67 Jahren verstorben, nach einer 15monatigen Lungenkrebserkrankung, infolge derer er zunehmend pflegebedürftig wurde und deren Ende auch eher einer Erlösung glich.
Dies war auch wiederum der Grund für meine langen Perioden der Abwesenheit aus dem Internet... was hätte ich mich über Dinge echauffieren sollen, die im Vergleich zu den Sachen, die mich WIRKLICH beschäftigten, oftmals wie Banalitäten erschienen?
Romane könnte ich über meinen Vater schreiben, daher beschränke ich in meinem Nachruf, wenn ich ihn so nennen darf, auf einen allgemein nachvollziehbaren Aspekt. In Liebe und Dankbarkeit:
Francois Ange Gaffory
* 11.03. 1946 (Guagnu/Corsica)
+ 13.03. 2013 (Zeiskam/Pfalz)
R.I.P., babbu caru.
Und von meiner Seite auch danke an alle, die in den letzten Monaten für mich da waren... ihr wißt, wer ihr seid.
Ich mag solche plakativen Verlautbarungen eigentlich nicht, darum nehmen Sie, verehrte Leser, dies einfach als eine Herzensangelegenheit und gleichzeitige Erklärung für das zwischenzeitliche Veröden dieses Blogs.
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