Donnerstag, 23. März 2017

Strohwitwer auf Urlaub

Wie erwähnt, habe ich eine Woche Urlaub und bin noch dazu allein zuhaus, weil Frau Turini nun doch ihren geschäftlichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen nachgekommen ist, und sich auf nach Leipzig zur Buchmesse gemacht hat. Im Gegensatz zu mir; ich kann nun alles tun, was man sich als Strohwitwer wünscht.
Leute einladen, die aus Kokain gestaltete Miniatureisberge mitbringen, in die man nach Tony - Montana - Manier den Rüssel hängt.
Dazu ein Anruf beim örtlichen Escortservice, um Jana und Milenka aus Brünn hierherzulotsen, die zu später Stunde strippen und denen man dann zusammengerollte Geldscheine in den Tangabund steckt, wärend man auf der Couch sitzend einen Lapdance fordert und das Ergebnis samt teuer bezahlter Rohrverlegung filmt und auf einer externen Festplatte speichert, welche man in einem Geheimfach im Kleiderschrank vor den Blicken der bald Angetrauten versteckt.
Dazu wildfremde Leute auf der Straße ansprechen und einladen, unter der Bedingung, daß sie einen den ganzen Abend nur mit "Euer Durchlaucht" ansprechen, ansonsten werden sie von den gleichfalls engagierten Gremiumtürstehern mit abgesägten Billardqueues vom Balkon gedroschen. Das wäre ein Leben ganz nach meinem Geschmack. Gewesen.
Irgendwie wird man ja doch nicht jünger, auch wenn man nur so alt ist, wie man sich fühlt. Unglücklicherweise ist mein gefühltes Alter zu meinem tatsächlichen ziemlich kongruent, was einem die Lust auf solche Dummheiten aus Angst ums nackte Überleben erstaunlich schnell austreibt.
Was macht man dann allein zuhaus? Nur unspektakuläres Zeug: da ich Frau Turini mit HipHop flugs in den angrenzenden Raum samt geschlossener Zimmertür verscheuchen kann (wohlgemerkt: ohne es zu wollen, dieses Stadium unserer Beziehung ist hoffentlich noch weit weg), verbringe ich meinen zweiten Urlaubstag gerade damit, stapelweise HipHop - Alben abzuarbeiten, da ich ansonsten selten dazu komme, den Baß pumpen zu lassen.
Natürlich A Tribe Called Quest (Phife Dawgs erster Todestag muß angemessen zelebriert werden), Souls Of Mischief, Run DMC, Black Moon ... und was alte Säcke, die raptechnisch im Golden Age steckengeblieben sind, sonst noch auflegen.
Vielleicht sollte ich meinen Akku in der Hinsicht bis Sonntag dermaßen aufladen, daß ich die nächsten drei Wochen keinen Rap mehr hören will und mich in trauter Zweisamkeit wieder Nick Cave zuwenden kann.
Ich glaube, ich hatte im Leben schon größere Probleme.

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