Montag, 24. November 2014

Zeigefinger im Arsch (oder so)

Es war- soweit ich weiß- eine Premiere, daß ich einen Blogeintrag von mir noch einmal nachkorrigiert habe, um die Kernaussage herauszuschälen.
Altersmilde?
"Musste dich halt gleich unmißverständlich ausdrücken", so die Reaktion darauf, von mir gekontert mit 
 "dann kann ich mir gleich den erhobenen Zeigefinger in den Arsch stecken".
(nebenher fällt mir hierzu gerade eine legendäre Anekdote ein: in den 90ern, als ich in Speyer wohnte, stiegen wir in einer lauen Nacht ins dortige Freibad ein. Ein Kumpel von mir, gleichzeitig eine berüchtigte lokale Berühmtheit damals bereits fortgerückten Alters, wettete um zehn Mark, er würde nackt einen Kopfsprung vom Dreimeterbrett machen, sich dabei den Daumen in den Arsch stecken und "Winds Of Change" pfeifen. Ein paar Minuten später war er um zehn Mark reicher).
Zum Oberlehrer mag ich dann doch nicht taugen.
Aber auf was ich hinauswollte: mittlerweile habe ich für die letzten Blogeinträge doch Kritik kassiert, und zwar nicht einmal negative, sondern eher in Form der Feststellung, daß mir Wut und Biß der Anfangszeit abhanden gekommen seien... was insofern interessant ist, als daß ich am 07. 08. 13 hier
noch das Gefühl hatte, es mit dem Beißen völlig zu übertreiben und allmählich zu einer bloßen Parodie meiner selbst zu mutieren.
Das war vielleicht auch der Tatsache geschuldet, daß ich zu jener Zeit kaum noch bloggte und wenn, dann um angestauten Ärger loszuwerden. 
Aber nachdem ich mich gerade durch die "Alten Meister" von Thomas Bernhard gequält habe (zumindest in der Hoffnung auf eine stimmige Pointe am Ende, wie bei "Auslöschung"... die aber ausblieb) und nach mittlerweile vier Büchern von ihm von der ewigen Wiederkehr des Immerselben kolossal genervt bin, denke ich, daß es eine gute Entscheidung war, etwas kürzerzutreten und zumindet phasenweise eine andere inhaltliche Ausrichtung anzustreben.
Daß dieser Blog mittlerweile erstaunlich erfolgreich ist, was Zugriffszahlen belegen, von denen ich früher nur geträumt habe, beweist, daß dieser Gedanke zumindest nicht völlig verkehrt war.
Aber das allein ist es nicht. Fakt ist, daß sich mein Leben in den letzten paar Monaten gewaltig entschleunigt hat. 
Ich denke, das ist auf eine Kombination aus drei Faktoren zurückzuführen: auf meine überstandene Krankheit, natürlich. Nicht nur, daß ich die angenehmeren Seiten des Lebens wieder mehr zu würdigen weiß; ich möchte jetzt nicht allzusehr ins Detail gehen, denn das wäre zu privat, ein Beispiel soll genügen. Früher war ich eine sehr impulsive Person mit einer Neigung zum Jähzorn, die sich über Kleinigkeiten in einem teils nicht nachvollziehbaren Maß aufregen konnte. Das ist scheinbar gedrosselt, manche Situationen, die mir noch vor fünf Jahren eine Ladung Schaum vor dem Mund beschert hätten, bringen mich heute kaum noch aus der Ruhe. Dafür messe ich ihnen einfach nicht mehr genug Bedeutung bei, da ich andere Prioritäten habe.
Und das nicht aus Gründen innerer Umkehr und Einsicht, sondern weil es mit der Entfernung eines tennisballgroßen Tumors, der Teile meines Kleinhirns zusammengedrückt hatte, gleichsam verschwunden ist und ich einfach kein Bedürfnis mehr nach ständigen Tobsuchtsanfällen habe. Das klingt gruslig, fast wie eine Lobotomie in "Einer flog über das Kuckucksnest", aber es ist ein Fakt. Genauso wie der, daß mein Leben dadurch nicht zwingend unangenehmer geworden ist und ich nicht das Gefühl habe, mich in wesentlichen Charakterzügen wirklich komplett verändert zu haben.
Der zweite Faktor ist mein Alter, das ich allmählich tatsächlich spüre, was sich in einem gesteigerten Bedürfnis nach Ruhe zeigt und dem Gefühl, nichts zu verpassen, wenn ich nicht mehr der Adabei vom Dienst bin und zu jedem nichtigen Anlaß Party machen muß. Und daraus ergibt sich der dritte Faktor, daß ich selten in meinem Leben soviele Bücher gelesen habe wie in den letzten drei Jahren, was wohl auch unabsichtlich auf meinen Schreibstil abfärbt. Zumal ich mittlerweile auch versuche, Dinge und Menschen, die mich wirklich auf die Palme bringen, mit Zitaten und anderen Texten zu belegen beziehungsweise vorzuführen, um mich dadurch weniger angreifbar zu machen. So ist das nunmal.


"Früher war mehr Punkrock." Und noch früher hatte ich keine Haare am Sack.

*edit*
Dement werde ich scheinbar auch bereits. Einen guten Teil des heutigen Wortes zum Sonntag habe ich bereits hier  vorgebetet. Vergessen Sie's. Das ist ein neuer Eintrag. NEU. 

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