Montag, 13. Juni 2011

Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse

Mein schlimmster Alptraum wird 70.

Und damit meine ich nicht Bob Dylan, obwohl er sich ernsthaft darum beworben hat. Nein, auch Werner Böhm aka Gottlieb Wendehals darf unbehelligt das Jubiläumshuhn schwingen, als gäbe es kein Morgen. Und Dylan ist wahrhaftig noch ein Halbgott, wenn man dagegen diesen Fürsten der Finsternis ins Feld führt.
Natürlich ist er ein stehendes Ziel, das ist auch mir bewußt.
Und daß er privat tragödienbehaftet ist, wie es schlechten Clowns eigen zu sein scheint, winke ich auch noch durch... auch wenn es mir durchaus einleuchtet, daß er selbst seine über Jahre angesammelten Scheußlichkeiten nur noch mit Standgas ertragen hat.
Nur war im großen Bericht des führenden deutschen Drecksblattes nichts von Selbstkritik bezüglich des künstlerischen Auswurfes zu lesen, den er fabriziert; nein, statt der späten Einsicht, zu Höherem berufen gewesen zu sein und stattdessen seine Karriere auf dem Niveau "komplett retardierte Verkörperung deutschen Latrinenhumors" verbracht zu haben (inklusive infantiler Witze über Titten, Mösen und der splitternackichten Präsentation seines legendenumworbenen Riesenrohrs in einer Fernsehsendung, verbunden mit dem Hinweis, es habe seine "Ehe gerettet") und verdient auf dem Teil von Mallorca gelandet zu sein, der abgesägt und versenkt werden sollte (vermutlich würden das die dort versammelten Troglodyten und abgehalfterten Schlagerdummklumpen vor lauter Eimersaufen sowieso nicht bemerken bzw. würden vor lauter Silikontitten eh nicht untergehen),droht er.
Und zwar damit, einen neuen Produzenten zu haben und weiteren auf Scheiben gepreßten Stuhlgang auf die Menschheit loszulassen, denn: er läßt sich nicht unterkriegen. Und heischt dafür Anerkennung.
Wer in den 70ern und 80ern Kind war, kennt das Grauen, vielleicht verbunden mit dem Gefühl, das Leben in einem Paralleluniversum zu beobachten, welches immer weiter von einem selbst abdriftete.
Mike "Der Nippel" Krüger, Gottlieb Wendehals, Jürgen von der Lippe, Roberto Blanco, Klaus und Klaus, Günther Willumeit, Fips Asmussen.
Dazu Partykeller, Erwachsene mit lustigen Hütchen, die eine Polonaise tanzen (natürlich die Erwachsenen, nicht die Hütchen), Lieder von häßlichen alten Säcken, die augenzwinkernd genau wußten, was junge Frauen wollten, nämlich das Eine, und zwar am besten von ihnen (den wilden bierplauzigen Anzugträgern mit der Ausstrahlung vorbestrafter Tittengrapscher); Plastikigel mit Käsewürfel- Weintraubenspießen zum Bier aus Plastikbechern mit lustigen Partymotiven, Sketchshows mit Grit Boettcher und Eddi Arendt, Männerballette oder Schuhcremeneger mit Bananenröcken und das alles koaguliert zu einem gräßlichen Klumpen schmierigen Schmadders, der da durch unsere sackhaarlose Zeit als "deutscher Humor" rutschte, denn offiziell gab es keinen anderen.
Es gibt wahrlich kein kulturelles Phänomen, das mir mehr Schauer wohlverdienten Ekels über den Rücken jagt als deutscher Dumpfbackenhumor der 70er und 80er. Immerhin ist der Haß auf diese Mentalität, aus welcher er entstand, einer der Gründe, warum ich in fortgerücktem Alter Halt in der Punkszene suchte, denn bei Leuten, die sowas lustig fanden, war kein Trost. Ich frage mich nur, ob es der aktuellen Kindergeneration mit Mario Barth genauso ergehen wird?
Das glaube ich nicht, denn sogar unlustige Dauergrimassierer wie Michael Mittermaier lösen in mir keine solche Pein aus wie das obengenannte Sammelsurium.

Herzlichen Glückwunsch, Gottlieb Wendehals. Bleib trocken, werde von mir aus bei bester Gesundheit 100 Jahre alt... aber halte zukünftig die Fresse.

Keine Kommentare:

Kommentar posten