Mittwoch, 1. Dezember 2010

Hinterwäldler

Gestern im "Gun Club" geriet ich in eine Diskussion mit einem Blödmann aus Bad Hersfeld.
Schön, wenn man als jemand mit Dialektfärbung im Hochdeutsch meistens im latenten Zugzwang steht, zu beweisen, daß man mit Besteck ißt. Oder aufrecht gehen kann.
Ebenfalls schön, daß es manche Menschen auch bereits als weitreichende Lebensleistung ansehen, keinen Dialekt zu sprechen... und einem auf den Hinweis, daß man sich abgesehen von der Klangfärbung wohl verständlich auszudrücken weiß (und ich bin durchaus in der Lage, schriftdeutsch zu reden, sei etwaigen Zweiflern daran hier noch einmal mitgeteilt), Sätze entgegnen wie "Das ist für mich immer noch Dialekt. Du sprichst kein richtiges Hochdeutsch, die sollten euch das in Süddeutschland in der Schule echt mal beibringen".
Da fällt einem echt nur noch wenig ein... außer den Sprecher und seine imaginären Mitstreiter als "arrogantes Volk" zu titulieren und pissen zu gehen.

Die erstaunliche Tatsache, warum es- spricht jemand im Fernsehen bayrisch, schwäbisch oder berlinerisch- als liebenswertes Lokalkolorit gilt, man aber- spricht man einen Dialekt, der entweder medial nicht so präsent ist, oder sich nicht so "schön" anhört- automatisch als kompletter Hinterwäldler dasteht, ist eine weitere Idiotie, für die mir bisher noch niemand eine Erklärung geliefert hat.

Immerhin: "nie eine Frau daten zu wollen, die schwäbisch spricht, weil das nicht sexy ist" (ein weiterer Spruch unseres obigen Helden), das spricht natürlich für den Mann von Welt.
Jede Frau kann doch stolz darauf sein, als Auserwählte solch ein Prachtexemplar abzukriegen.

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