Freitag, 31. Juli 2009

Multiple Orgasmen für Fortgeschrittene

So, nun ist es also endlich soweit.
Der Tag, den ich schon seit Wochen herbeisehne wie keinen anderen, ist gekommen.
Mein letzter Arbeitstag in einem grausigen Saftladen inklusive Abschied von Legoland.
Selten hatte ich bereits nach dem Aufstehen so gute Laune. Was macht man zu solch einem Anlaß vor lauter überbordender Euphorie?
Nackt, schreiend und wild onanierend über den Marktplatz rennen? Sich mit Benzin übergießen und anzünden, um ein Fanal zu setzen? Eine Cessna mieten, die ein Banner mit der Aufschrift "Rheinstetten, scheiß die Wand an!" hinter sich herzieht und über dem Kaff kreisen lassen?

Zumindest mal heute Abend noch einmal zu "Hip 2 B Square" den Querfunk heimsuchen; sich am Wochenende im Kreise einiger Lieblingsmenschen gar fürchterbar über den Haufen leeren; und am Dienstag um 5 Uhr 58 den Zug nach Berlin besteigen, in Richtung einer Zukunft, die schon unheildräuender war.
Vielleicht ein leises Bedauern verspüren, manche Leute erst zu spät besser kennengelernt zu haben. Aber man ist ja nicht komplett aus der Welt.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Die Freuden der Naßrasur

Vor ungefähr 12 oder 13 Jahren bin ich von einem Trocken- auf einen Naßrasierer umgestiegen.
Nach der Trockenrasur hatte man immer das Gefühl, im Gesicht glatt wie ein Babypo zu sein, um dann später festzustellen, daß man am Hals ein Gestrüpp aus vereinzelten stehengebliebenen Haaren hatte, das sich allen verzweifelten Versuchen, es zu entfernen, stur widersetzte. Außer Abflämmen oder Häuten blieb einem da nicht mehr viel übrig.
Zu der Zeit hatte ich noch einen Rasierer mit 2 Klingen.
Dann kam der Mach 3 mit- eben- 3 Klingen, die noch dazu abartig teuer waren, auf den ich aber notgedrungen umstieg und den ich seit Jahren benutze.
Mein Rasierer und ich überstanden sogar die nächste Neuerung mit 4 Klingen, die in zwei Richtungen (mit dem und gegen den Strich)funktionierte, und mit der man sich laut Werbung sogar im Weltall rasieren konnte... was mich mit meinen zahlreichen Mondmissionen natürlich brennend interessierte.
Nun erscheint seit kurzem Thierry Henry im Werbefernsehen und versucht mich zu überzeugen, meinen Mach 3 in die Tonne zu kloppen und auf den neuen Rasierer mit 5 Klingen umzusteigen.
Beim besten Willen: nichts gegen Thierry Henry, WM- Held bleibt WM- Held.
Aber glätter als glatt kann mich die neue Klinge auch nicht schaben, ohne mir das Gesicht herunterzuschälen.
Und was bringt die Zukunft? Den "PowerMaxx 25", der aussieht wie eine Küchenreibe und bei dem jede Klinge 47 Euro kostet?

Mittwoch, 29. Juli 2009

Bildungsbürgerliche Flachwichsprosa, zweiter Anlauf

Was Wolfgang Hildesheimer an Kurzgeschichten in seinen "Lieblosen Legenden" versammelt hat, ist gut durchdacht, brilliant ausformuliert und geschliffen vorgebracht, das sei neidlos anerkannt.
Wie eitel, gespreizt und gestelzt das Ganze wirkt, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe jetzt für den schmalen Band (171 Seiten) für knapp die Hälfte zwei Anläufe gebraucht und bin kurz davor, die Flinte endgültig ins Korn zu werfen, das Buch zu verschenken und einen Haken darunter zu machen.
Nicht, daß ab und zu nicht ein netter Einfall auftauchen würde... aber schon die Namen der Protagonisten (Beispiele, auch wenn es wehtut: Rudolf Westcotte, Hubertus Golch, Marchesa Montetristo und- einsamer Gewinner- Hedwig Wiesendanck)lassen auf am Reißbrett zusammengezimmerte Studienratsprosa schließen, in dem steten Bemühen, Großes zu erschaffen, was man dem Buch auch anmerkt und was aus jeder Zeile mit dem Zaunpfahl winkt. Und das finde ich zutiefst abstoßend.
Grundsätzlich habe ich nichts gegen "höhere Literatur" einzuwenden, und nur dahingeschnodderten Krempel möchte ich auch nicht ständig lesen müssen... aber es muß mich auf irgendeiner Ebene erreichen.
Zum Beispiel tut dies der auch gerne als Erzlangweiler geschmähte Wolfgang Koeppen sehr wohl, dessen "Tauben im Gras" mich tatsächlich in das Nachkriegsmünchen zurückversetzt haben... doch Hildesheimer geht in der Hinsicht komplett an mir vorbei.
Vielleicht müßte ich gebildeter sein, und mich vornehmlich in Akademikerkreisen bewegen, um solche erlesenen Kabinettstückchen angemessen zu goutieren (Jessas, ich muß gleich brechen) , aber das bin ich nicht.
Immerhin: der Klappentext meiner Ausgabe spricht vom "bösen Blick des Satirikers", und daß solche Schoten 1952 noch als "Satire" durchgingen, sagt eigentlich mehr über die Geisteshaltung in der Bundesrepublik der 50er Jahre aus, als wahrscheinlich beabsichtigt war. Somit sind die "Lieblosen Legenden" zumindest faktisch als Zeitdokument von Interesse.
Und jetzt kann ich sie weglegen.

Rollin', rollin', rollin'...

Nun, erste Kommentare sind eingetrudelt, und das heißt scheinbar, daß ich samt meinen "Neun Leben" mal irgendwo angekommen bin, mich setzen und mir ein dunkles Hefeweizen bestellen kann.
Die Situation ist schon seltsam: man befindet sich vor seinem Rechner, den Brägen beschwert von allerlei Quark, den man abladen will, und schickt ihn irgendwo ins Blaue hinein... nichtsahnend, ob das überhaupt jemand wissen will.
Früher gab es da die Telephonseelsorge mit freundlichen Menschen, die einen daran hindern wollten, den Kopf in den Backofen zu stecken.
Heute kann man sich vor der ganzen Welt breitmachen, wie es einem beliebt. Dinge, die einen früher dermaßen beschäftigt haben, daß man sie loswerden wollte, aber mangels Gesprächspartner (ist die Telephonseelsorge eigentlich rund um die Uhr besetzt?)tagelang mit sich herumschleppte (auch, weil die Gelegenheit vielleicht ungünstig war... einer Kollegin, die gerade bittere Tränen darüber weint, daß ihr fossiler Pudel den Weg alles Irdischen gegangen ist, kann man schlecht seinen Unmut über das Volksbank- Gebäude kundtun), haut man jetzt nachts um drei in den Rechner und stellt in den nächsten Tagen tatsächlich fest, daß es Adressaten dafür gibt.
Yep, das macht Spaß... und manche Medien, die den Internet als Ort des Bösen hinstellen, in dem sich Unmengen verhaltensgestörter Freaks tummeln (was auch so sein mag... wenn ich mir anschaue, was via My Space ab und zu an geballter Brunzdummheit seinen Kopf bei mir aus dem Monitor steckt, von der man früher erfreulich wenig mitbekam) lassen viele Aspekte gerne unbeachtet.
Spontane Anfälle von Kreativität schluckte man früher mitten in der Nacht einfach hinunter... oder machte sich Notizen, um sie am nächsten Tag zu bearbeiten, was den "spontanen Anfällen" halt nunmal die Spontaneität nahm.
Heutzutage setzt man sich damit auseinander und somit auch mit sich selbst. Wie formuliere ich? Was gebe ich von mir Preis? Wann ist Privates noch im verträglichen Rahmen, wann einfach nur noch Seelenstriptease, der außer engen Freunden niemanden etwas angehen sollte?
Nun gut, ich komme gerade ins Schwafeln, Labern und Allgemeinplätze beackern... aber das bestätigt nur, was ich oben bereits geschrieben habe.
"Sie täten mir einen großen Gefallen, wenn Sie das abstellen würden".
OK, wird gemacht... aber ein schlichtes "Danke für jegliche Rückmeldung, egal ob positiv, negativ oder Tiernamen" wäre keinen Eintrag wert gewesen.

Dienstag, 28. Juli 2009

Gepflegter Gammel

Nachdem nach langem Tauziehen endlich beschlossen wurde, das seit kurzem leerstehende Volksbank- Gebäude am Marktplatz in Karlsruhe abzureißen, freute ich mich eigentlich darauf.
Das Gebäude ist ein Schandfleck für die ganze Stadt... grausige 50er- Jahre- Architektur, auch wenn mit Schelling ein namhafter Architekt dafür verantwortlich zeichnet. Ein gammliger, riesiger Klotz, der in ungünstigem Blickwinkel die Sicht auf's Schloß verstellt (immerhin eine unserer bekanntesten Sehenswürdigkeiten) und bei schlechtem Wetter an einen Bleikoloß gemahnt, das perfekte Grau in Grau, gegenständlich gewordene Ödnis und Depression.
Daß ein paar ästhetikferne Existenzen mit der baulichen Einheit der Innenstadt und - angesichts der Handschrift Schellings- gar mit Denkmalschutz argumentiert haben bzw. mit dem Hinweis, daß sich ein Stadtbild vorwärts entwickle und das geplante neue Gebäude unerwünschte Retrotendenzen aufwiese--- geschenkt.
Nichts davon macht den Anblick dieses Baus erträglicher.
Nun könnte es also endlich planiert werden. Wird es aber nicht.
Laut BNN (zumindest was Berichte über die Stadt angeht, taugt das Blatt was) ist dem Investor, der auch den Neubau verantworten sollte, das Geld ausgegangen.
Nun fault der gammlige Klotz also weiter lustig vor sich hin, und da er nun noch dazu leersteht, hat der Prozeß eine extreme Beschleunigung entwickelt.
Verschmierte und verpißte Fassaden, Müll, Innenräume voller Gerümpel und allerlei fröhliches Volk, daß sich unter den Arkaden zu einem gemütlichen Umtrunk trifft.
Lustig wäre es ja, wenn ein paar Leute auf die Schnapsidee kämen, das Ding zu besetzen, wenn die Stadt schon nicht ihren Arsch hochkriegt, um dieses Elend zu beenden.
Direkt in der Innenstadt wäre das ziemlich interessant.

Montag, 27. Juli 2009

Peter Fox planiert Karlsruhe

Heute Abend spielte beim FEST Peter Fox, Open Air und völlig umsonst.
Ich persönlich halte ja Seeed für eine der schlimmsten musikalischen Heimsuchungen der modernen Menschheit... aber zumindest kann ich dem Frontmann Peter Fox solo partiell noch was abgewinnen.
Kurz spielte ich ja sogar mit dem Gedanken, mir das anzuschauen... schließlich ist die Günther- Klotz- Anlage von meiner Wohnung aus bequem zu Fuß zu erreichen, und für umsonst schaut man sich gerne mal was an, wofür man normalerweise nicht unbedingt Eintritt bezahlen würde... vor allem, wenn wie vor ein paar Jahren bei Moloko ebenda ein Konzert herauskommt, das einem vor Erstaunen den Mund offenstehen läßt.

Aber nix da. Menschenmassen wie beim Auszug der Israeliten aus Ägypten, Straßenbahnen, eine nach der anderen, die an Sardinenbüchsen bzw. die Tokioter U- Bahn gemahnten und in denen man bei einer plötzlichen Ohnmacht keinen Zentimeter Richtung Boden gesackt wäre, um das ZKM herum Leute, Leute, Leute und Leute, die meisten schätzungsweise zwischen 18 und 25 samt der Aussicht, daß die Anlage so voll sein würde, daß man wahrscheinlich 45 Minuten für ein Bier anstünde. Und das ganze Theater außerhalb des FEST- Geländes dauerte stundenlang.

Ich freue mich ja immer, wenn mir Karlsruhe das Gefühl gibt, in einer richtigen Großstadt zu wohnen, den Eindruck habe ich ja nicht immer (vor allem sonntags), aber das war dann auch mal wieder genug.
Jedenfalls saß ich im EL 29 und genoß es, als der Menschenstrom allmählich dünner wurde. So langsam habe ich das Gefühl, ich wäre zu alt für so einen Scheiß.
Mal abwarten, ob sich meine geschätzte Besucherzahl mit der halbwegs offiziellen morgen in der BNN deckt.
Ich sage mal- über den Daumen gepeilt- 80- 90 000. Warten wir's ab.

Nachtrag:
Laut BNN waren es am Samstag und Sonntag jeweils 100 000.

Sonntag, 26. Juli 2009

Lälä lälä lälälälä

Diejenigen, die mich vielleicht besser kennen, wissen auch mit Sicherheit, daß ich großer Iggy- Pop- Fan bin, unabhängig davon, daß der gute Mann bisher auch nicht wenig komplette Grütze veröffentlich hat.
Desweiteren, daß einer meiner absoluten Lieblingssongs "The Passenger" ist. Nun gut, es gibt Stücke von ihm, die noch nicht dermaßen totgespielt sind... vor allem, wenn man in Karlsruhe wohnt und Clubgänger ist, kann man ihm quasi nicht entkommen, da jeder halbwegs hier tätige DJ den Song in seinem Standardrepertoire hat.
Erstaunlich, daß ihn bis jetzt niemand kaputtgekriegt hat... seit 20 Jahren ist der irgendwo in meinen persönlichen Top 100 festzementiert, je nach Lust und Laune zumeist auf den oberen Rängen. Wenn das charakteristische Gitarrenriff erklingt, zieht es mich normalerweise auch wie ferngesteuert auf die Tanzfläche.
Aber was in letzter Zeit einreißt, ist eines der nervtötendsten Phänomene, dessen Zeuge ich seit langem geworden bin.
Angefangen hat es mit den White Stripes. "Seven Nation Army" halte ich nach wie vor für einen großartigen Song, aber seit er durch Fußballstadien gezerrt wurde und man in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder in der Straßenbahn oder sonstigen öffentlichen Orten auf halbalkoholisiertes Dummvolk trifft, das "Loooh lo lo lo lo loooh" grölt, hat er doch etwas gelitten.
Und es geht weiter. Mittlerweile steht derselbe Menschenschlag bei "The Passenger" auf der Tanzfläche und blökt "Lälä lälä lälälälä".
Nein, es ist nicht zum Aushalten. Fiel mir das früher nur nicht auf, oder ist diese Sevennationarmisierung populärer Songs ein um sich greifendes Massenphänomen?
Ich stehe jedenfalls nicht gerne mit fünf oder sechs Deppen auf der Tanzfläche, die "Lälä lälä lälälälä" grölen und dazu am besten noch auf und ab hüpfen.
Gibt es irgendeine gütige Instanz, die das Ganze mal durch die Androhung öffentlicher Geißelung unterbinden könnte? Oder wenigstens auf "ungewöhnliche Streßsituation unter enormer psychischer Belastung" plädiert und Straffreiheit garantiert, wenn einem bei solch einem Gesindel einmal reflexhaft die Hand ausrutscht, samt gerade darin befindlicher Gegenstände (Bierflasche, Barhocker, Aschenbecher... von mir aus auch Yufka, für die Zartbesaiteteren)?
Lälä lälä lälälälä.
Wenigstens bin ich froh, daß ich kein DJ bin, zumindest mal nicht regelmäßig.
Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, daß diese Klientel in der Lage ist, einen Musikwunsch in einem vernünftigen Satz zu äußern, und wenn dann jemand käme und mich fragte "Spielst du mal das Lied mit dem Lälä lälä lälälälä"....
Nicht schön.