Sonntag, 11. März 2012

Gaudi in Oslo

Eine geschlagene Stunde angestrengt auf eine vertrocknete Laugenbrezel starren, während jemand, der darin Schönheit und Ästhetik erkennt, aus dem Hintergrund einen Vortrag über die Formen und Kurven, das einzigartige der speziellen Knottechnik und die Zusammensetzung des Teiges erzählt: so spannend, wie das für Außenstehende klingt, ist es für mich, notgedrungenerweise im Fernsehen Skispringen anschauen zu müssen, weil es gerade auf der Arbeit, in der Stammkneipe oder in einem speziell für mich reservierten Raum in der Hölle läuft.
Neben Dressurreiten der Sport schlechthin, mit dessen Höhepunkten, zusammengefaßt auf DVD, man bei mir im Ernstfall Sterbehilfe leisten könnte. Und wenn selbst schon die Highlights dafür sorgen, daß ich dabei einschlafe und nie wieder aufwache, will man sich nicht ausmalen, welch bleierne Ödnis der Rest bei mir verbreitet.
Zumindest haben Österreicher dann mal etwas, worin sie Weltklasse sind, wenn sie im Fußball nichts reißen und schon Party machen müssen, wenn die deutsche Auswahl verliert... auch wenn das nur die Rache für 1938 ist, als sie ja bekanntlich völlig gegen ihren Willen und als erstes Opferland von den Deutschen annektiert wurden.
Jahaha, da lacht das Pferd. Oder zumindest Ernst Kaltenbrunner, solange er sich in der Hölle kein Skispringen anschauen muß.

Apropos "Lachen": als letzte Woche irgendein Großschanzenspringen in Oslo auf dem Wohnbereich, auf dem ich arbeite, über den Bildschirm flimmerte, meinte der Sprecher, durch die Teilnahme der Band eines Skisprungtrainers, die bei dem Turnier irgendwo aufspielte, werde es in Oslo letztendlich dann doch "richtig lustig und ein Riesenspaß".
Ich überlege bis heute, ob das als Drohung gemeint war.

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