Montag, 18. Juli 2011

Minga, au weia

Irgendwie war München ein veritabler Reinfall.

Dabei waren die Vorzeichen nicht die schlechtesten; beim letzten Mal hatte ich bei den "Schwabinger Schaumschlägern" noch relativ ordentlich abgeschnitten und war recht guter Dinge.
Während der drei Stunden Zugfahrt bereitete ich mich im Geiste schon mal vor. Da ich ja geplant habe, künftig auch Lesungen aus meinem Blog abzuhalten, hatte ich mir einige Beiträge ausdrucken lassen und ging sie im Geiste durch, strich nicht Relevantes weg und versuchte, sie in eine Reihenfolge zu bringen.
Eingedenk der Tatsache, daß Jaromir Konecny dort gerne Masturbationstexte vorträgt und ordentlich Lacher erntet, hatte ich mir einiges mit hohem Schwanz- und Mösenfaktor herausgepickt: "Jenseits des 'Atlantik'", beispielsweise. Oder "Bereit zum Mönchtum". Das war wohl schon Fehler Nummer Eins, was ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht ahnte, so selbstsicher war ich.
Als ich vormittags am Hauptbahnhof aus dem Zug stieg, erwartete mich auch bereits Andreas "Lord Ax Hooper" Hopmann, der in seiner Wahlheimat auch mal seine mittlerweile erlahmte Videoproduktion wieder zum Laufen bringen wollte und einen Bericht über mich samt meinem Auftritt bei den "Schaumschlägern" als ideale Gelegenheit hierfür sah.
Also verbummelten wir den Tag in der Stadt, während das anfangs strahlende Wetter immer schlechter wurde und sich der Tag allmählich in einen extrem kühlen mit Dauerregen verwandelte. Meneh Tekel upharsin.
Um 18 Uhr starteten wir die Arbeit am Bericht.
Geplant war ein Interview mit mir auf dem Rücksitz eines BMW plaziert, während Hopmann dabei München durchcruiste.
Bei Sichtung des abgedrehten Materials fielen mir drei fundamentale Dinge auf:

a) erschreckt mich meine stimmliche und artikulatorische Ähnlichkeit mit Christian Wörns jedesmal auf's Neue, wenn ich mit ihr konfrontiert werde
b) neige ich jedesmal, wenn ich kein persönliches Gespräch führe, sondern quasi eine Rolle übernehme, und sei es der öffentliche Gaffory, zu kompletter Gesichtsdisco
c) habe ich beim Interviewtwerden eine "ÄHHH"- Frequenz, die mir selbst komplett auf den Sack geht. Hallo, geht's noch? Da habe ich schon geraume Zeit Radiosendungen moderiert und öffentliche Lesungen veranstaltet, und kaum stellt mir jemand vor laufender Kamera irgendwelche Fragen, verhalte ich mich wie eine Wiedergeburt Boris Beckers in seinen schlimmsten Zeiten.

Irgendwie schlug mir das bereits latent auf die Laune. Nun, ein gelungener Auftritt könnte das aber durchaus kompensieren. Leider war der Auftritt (der sich in zwei Leserunden von ca. 10 Minuten teilte) weder gelungen noch dazu gediehen, meine Laune zu retten.
Zuerst trat ich nach dem Liedermacher Roland Hefter auf, der einen guten Kopf größer ist als ich; das darf er ja gerne, nur sollte ich mir dann auch den Mikroständer neu ausrichten... und das Mikro nicht in einem Winkel vor meine Fresse ziehen, wo es nicht nur mein Gesicht verdeckt, sondern auch in derartigem Abstand von meinem Mund weg ist, der sicherstellt, daß mich auch ja kein Schwein versteht.
Da die Publikumsresonanz auch dementsprechend war ("Ich weiß, daß ihr da seid, ich höre euch atmen.")führte das nicht gerade dazu, meine Souveränität zu steigern.
Ich glaube, ich verlas mich gefühlte 47- mal. Nicht mal bei meiner allerersten Lesung 2004 unterliefen mir dermaßen viele Schnitzer.
Als ich es endlich hinter mir hatte, quälte sich das Publikum einen Anstandsapplaus heraus, der mit Sicherheit lauter geworden wäre, wäre ich rücklings von der Bühne gestürzt oder heulend aus dem Saal gelaufen.
Nun gut, es gab ja noch eine zweite Runde, und ich beschloß, mich halbwegs ins Zeug zu legen, um wenigstens meinen Ruf zu retten.
Aber beim zum mundgerechten Happen gekürzten "Malu Malu Malu" schien immer noch kein Mensch auch nur zu schmunzeln.
Da dachte ich mir: "Nun, wenn ihr mich schon nicht ausstehen könnt, gebe ich euch wenigstens einen Grund dazu" und brachte den eigentlich nur optional mitgeführten Text vom "Sterben und Entsorgtwerden für Fortgeschrittene", um wenigstens EINEN Ruf zu behalten, und sei es nur der, widerwärtig und geschmacklos zu sein.
Die Resonanz war dementsprechend.
Wie meinte mein ebenfalls anwesender Bekannter Mario Antretter nach der Lesung breit grinsend im schönsten bayrischen Idiom zu mir:
"Host die Oide da vorhin gsehn? Dera hot's so graust vor deinere Performance, die is glei gflüchtet." Word.

Den Rest des Abends verbrachte ich zumindest noch in angenehmer Gesellschaft mit Kicker und Weißbier, bevor ich mich zum Hauptbahnhof begab, um in der euphemistisch betitelten "DB- Lounge" noch drei Stunden zu schlafen, bevor mein ICE zurück fahren sollte... und zwar angesichts der scheinbar nur für Kinder und Zwergwüchsige bequemen Foltersitze auf dem Boden liegend, mit meiner Tasche als Kopfkissen.
Ein adäquater Abschluß für einen herrlichen Abend.

Bedanken möchte ich mich natürlich trotzdem bei denen, die nix dafür konnten: bei Michael Sailer für die Einladung und Moses Wolff (dessen "Bademeister"- Performance für mich der Gewinner des Abends war, wohl demnächst zu ergoogeln, da Lord Ax Hooper diese auf You Tube stellen will) für seine Empathie für einen Pfälzer in München (samt der überraschenden Entdeckung gemeinsamer Bekannter in Billigheim... die Welt ist ein Dorf).
Vielleicht mal irgendwann wieder... aber vorerst, seid's mir net bös, will ich diesen Abend nach einer gepflegten Runde Selbstreflexion (aus Fehlern sollte man immer lernen wollen)schleunigst vergessen.

Pfiati!

Keine Kommentare:

Kommentar posten