Dienstag, 8. Juni 2010

Falsche Filme

Die Daddelautomatenhölle mit Atzenmusikbeschallung, die noch vor anderthalb Wochen (gefühlt: anderthalb Dekaden) meine Stammkneipe war.
Im nur unwesentlich veränderten Ambiente prangen nun Schilder mit lustigen Sprüchen im Stile von "Ich Chef- du nix", eine Musikbox beeinhaltet nebst finsterem Schlagerschleim Après- Ski- Hits aus der niederösterreichischen Dorfhölle, und das Ganze erinnert mich irgendwie- um diese abgezahnte Metapher aufzugreifen- an einen einst vertrauten Menschen, den man nach langer Zeit wiedertrifft, nur um dann nach erstem sofortigen Wiedererkennen festzustellen, daß man absolut keine Gemeinsamkeiten mehr hat.
So ist er wohl, der Lauf der Dinge; immerhin ist das Inhaberehepaar sehr freundlich, alles andere wäre gelogen. Aber ausreichen, um mich zum Stammkunden zu machen, dürfte das leider nicht.
Ganz falscher Film.

Da wir gerade beim Thema sind: in meine Sammlung der schönsten Titel von Pornofilmen haben sich folgende Pretiosen zur Archivierung eingereiht:

"Alte Schachteln frisch gebügelt" und, eine Spur weniger metaphernschwanger, aber dafür umso mehr auf den Punkt:
"Zum Nachtisch gibt es Schwanz".

Alte ATLANTIK- Zeiten leben wieder auf... das waren die Jahre, in denen Karlsruhe noch eine Innenstadt hatte, keine lose Aneinanderreihung diverser großer und kleiner Baustellen.
Macht aber nichts: schon in 9-10 Jahren ist der Spuk vorüber, bis dahin kann man angesichts ständiger baustellenbedingter Umleitungen und geänderter Linienfahrpläne Russisches Straßenbahnroulette spielen (einfach irgendwo in eine üblicherweise gewohnte Linie einsteigen, ohne vorher auf den Aushang oder die Hinweistafel zu schauen und sich überraschen lassen, wo man landet) und sich darüber freuen, daß wir angesichts des heute verabschiedeten Sparpakets der Regierung immer noch soviel Geld zum Verjubeln haben.

Wenigstens ist das gräßliche Volksbankgebäude nun endlich mal über den Jordan gegangen, und die entstandene Lücke, auf der Bagger gerade die Reste plattwalzen, erfreut als eines der wenigen Dinge stadteinwärts gerade den geneigten Betrachter (man kann hoffen, daß andere Städte auch dem Beispiel folgen und ebenfalls beginnen, sich dieser gräßlichen 50er- Jahre- Architektur zu entledigen... schlimmer kann alles danach nicht mehr werden).

Nichtsdestotrotz: die Zeit des Verödens und Verblödens, sie hat begonnen. Als langjähriger Wahlkarlsruher bin ich ja einiges gewohnt, aber ob ich mir das noch weitere 10 Jahre geben will (plus die Zeit für den Baustopp, falls auf halber Strecke zur besten aller Welten das Geld ausgeht), um dann mit 47 endlich auf der Kaiserstraße shoppen gehen zu können, sei mal dahingestellt.
Deshalb denke ich gerade schweren Herzens (dessen sei sich der Leser hier versichert... wie sehr mir diese Stadt an selbiges gewachsen ist, kann man -glaube ich- einigen Posts hier entnehmen) über einen Ortswechsel nach, bevor ich zu alt dafür bin... und wage die Prognose, daß ich nicht der Einzige bin, der aus diesem selbstgemachten Bombentrichter weg will. Schauen wir mal, was sich in den nächsten Tagen so ergibt.

Herr Ober, ein Nachtisch für Heinz Fenrich, bitte. Ich zahle.

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