Samstag, 19. Juni 2010

Aua, das tat weh

Daß meine Franzosen nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, wußte ich schon vor der WM.
Die Partie gegen Uruguay bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen... und als ich mich dann mit diversen Franzosen und Deutsch- Franzosen im Pintxos bei unserem Kumpel Gonzalo in der Bürgerstraße traf (einem Spanier, wohlgemerkt), um den Krappenkick gegen Mexiko zu verfolgen, war schon vorher klar: rien ne va plus.
Gute Ansätze konnten nicht verdecken, daß ein Neuanfang unausweichlich ist.
Das Rätsel, wie ein Trainer einen Stehgeiger wie Anelka länger als 10 Minuten auf dem Platz lassen kann, wenn er noch alle seine Murmeln beisammen hat, wurde bis heute noch nicht plausibel gelöst, und auch der Rest der Mannschaft war eigentlich keine, sondern unabhängig voneinander operierende Einzelspieler.
Demzufolge ging das Spiel verdient verloren; fair, wie ich bei einer WM durchaus manchmal bin, gratulierte ich den anwesenden fünf Mexikanern zum Sieg und machte mich auf den Heimweg, darüber nachdenkend, meine Sympathien nach unserem wahrscheinlichen (und verdienten) Ausscheiden nun doch den Deutschen zu schenken, die ja bei dieser WM mit der Multi- Kulti- Truppe durchaus dafür geworben haben.

Das hielt bis zum nächsten Tag.
Blöde Sprüche ("Und, hehehe, wie hattn Frankreich gspielt?"), strunzdumme Expertisen irgendwelcher Leute, die alle zwei Jahre mal denken, sie wären Fußballfans ("Die Serben hauen wir weg, die können nix!"- "Immerhin geht es für die um den Verbleib bei der WM, und die haben Pantelic und Subotic in der Mannschaft. Die lassen sich nach dem Fehlstart bestimmt nicht einfach abschlachten."- "Ach was, die hauen wir weg!") und die üblichen beknackten Eventfans, die sich für ihre Blödmannkostümierung von der Fernsehwerbung sagen lassen, wie ein richtiger Fußballfan auszusehen hat... das alles führte mal wieder dazu, daß ich mir, als der Karren dann mit Schmackes gegen die Wand gefahren wurde, eine klammheimliche Freude nicht verkneifen konnte und angesichts der geknickten Filzhut- und Trötendeppen in der Karlsruher Innenstadt am Straßenbahnfenster mit Blick auf die Kaiserstraße in mich hineinfeixte.

Richtige Freunde werden die Nationalelf und ich in diesem Leben scheinbar nicht mehr, trotz gelegentlicher Sympathien.
Mir taten die Leute aus meinem Bekanntenkreis leid, denen ich halbwegs Fußballinteresse, Begeisterung und Sachverstand attestieren muß; mir tat auch die Mannschaft leid, die sich in Unterzahl respektgebietend gegen die Niederlage gestemmt hat und die mir- wie erwähnt- durchaus genehm ist.
Aber gegen den Gesamteindruck kam in diesen Momenten keine Stimme der Vernunft durch; dazu war mir das Ganze zu sehr ein, ja, "innerer Reichsparteitag".

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