Dienstag, 8. Mai 2012

Der Fanfluch

Wenn man schon lange Fan einer Band ist, denkt man, es wäre bereits der absolute Höhepunkt seiner Laufbahn, wenn man mit betreffenden Jungs backstage abhängen darf.
Das Vergnügen hatte ich im Falle von Unsane schon zweimal, weil mich ein guter Kumpel dort mit eingeschleust hatte, so daß man- umgeben von Getränken und Rauchwaren- wirklich schon eine Menge Spaß mit den Jungs hatte.
Allerdings ist das bereits mehr als 15 Jahre her; damals betrachtete ich die Szenerie eher ehrfürchtig und dachte eigentlich heutzutage, dies als Person des öffentlichen Lebens, die ich inzwischen selbst bin, und mit fast 40 Jahren endlich abgelegt zu haben.
Großer Unsane- Fan bin ich bis heute geblieben; deswegen freute mich auch der Auftrag von Joachim Hiller, für das OX ein Telephoninterview mit Chris Spencer zu führen.
Also legte ich mir ein paar Fragen zurecht und rief Chris in New York an... um festzustellen, daß er nach wie vor extrem freundlich und witzig ist, aber eben auch alles in 10 Minuten beantwortete, teilweise auch so, daß meine notierte Anschlußfrage überflüssig wurde.
Blieben also von den 30 Minuten Interviewzeit noch 20 über... was macht man nun damit?
Diverse Sachen spukten mir durch die Rübe. Nach seiner früheren Heroinsucht wollte ich ihn lieber nicht fragen, weil ich nicht wußte, wie er darauf reagieren würde.
Zudem fielen mir nur noch schaurige Anekdoten ein, die ich auch nicht für interviewkompatibel hielt.
Tja, und plötzlich war ich wieder 15 und führte mit meinem Lieblingsrockstar ein Interview mit der Schülerzeitung, verlegen stammelnd und mit dem Gefühl verbunden, innerhalb weniger Minuten mein komplettes Englisch zu verlernen.

Es ist großartig, sich in meinem Alter noch dermaßen für Musik und gewisse Bands begeistern zu können.
Leider hat das die Kehrseite, daß man eben immer Fan bleibt, auch wenn man sich professionell damit beschäftigen sollte.

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