Danke, daß Sie jemandem, der die Loveparade über Jahre hinweg nur als weitgehend verspackte Veranstaltung wahrgenommen hat, die ihm gar fürchterbar am Arsch vorbeiging, und der aufgrund persönlichen Unbills in letzter Zeit diesem Unglück auch deswegen nicht die notwendige Aufmerksamkeit zuteilkommen ließ, die es verdient gehabt hätte,die Augen geöffnet haben.
Nämlich dafür, wo der Feind steht; gegen was er eigentlich die letzten 20 Jahre erbittert gekämpft hat.
Es ist nicht so sehr Ihre unvergleichliche Dreistigkeit, angesichts des Todes von mittlerweile 21 jungen Menschen in ihren publik gemachten Kommentaren ein derartiges Faß aufzumachen, wie Sie es jüngst taten;
sondern eher Ihr direkt aus dem mittlerweile scheinbar staubtrocken durchgebackenen Kommißkopf in die Tastatur gebröselter rumpeldummer, geradezu inferior alttestamentarischer Scheißdreck, der da jenseits von Gut, Böse und gesundem Menschenverstand dahinvegetiert, um vielleicht auch unbedarften Bürgern klarzumachen, welch Geistes Kind sich hinter Ihresgleichen sowie Ihren mit Sicherheit bisher als harmlos eingestuften Gesinnungsbrüdern der neuen evangelikalen Bewegung verbirgt.
Dafür danke ich Ihnen von Herzen; selten hat sich jemand, der auf einem anderen Planeten wahrscheinlich als "Querkopf" durchgehen würde, mit einem einzigen Kommentar dermaßen selbst beerdigt.
Für die Zukunft gilt nun einfach Fresse halten und hinsetzen. Und am besten sitzen bleiben.
Donnerstag, 29. Juli 2010
Sonntag, 25. Juli 2010
Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
Das denke ich mir jedesmal, wenn ich mir betrachte, wer alles Werbung für die BILD- Zeitung macht. Leute, denen man durchaus zugetraut hätte, ihre sieben Zwetschgen noch beisammenzuhaben, gehen für dieses Drecksblatt hausieren.
Das geht nicht. Gar nicht. Jeder, der es tut, ist bei mir automatisch untendurch, egal was er ansonsten noch so leistet.
Dabei hat meine Aversion weniger ideologische Gründe als solche, daß mir die Lektüre aufgrund ihrer Dumpf- und Stumpfheit verbunden mit widerwärtigster und zugleich abgekochtester Anbiederei bei einer zweckmäßig instrumentalisierten Klientel schon schier physischen Schmerz bereitet. Ekelhaft. Eine Ausgeburt von allem, was an der vielbeschworenen "deutschen Seele" hassenswert ist. So.
Kaufen mußte ich die BamS letzthin trotzdem, wegen dem Artikel über Andrea Mohr.
Aufgeschlagen, entnommen, und den Rest gleich ungelesen entsorgt, bevor noch jemand auf dumme Ideen kommt.
Daß ich manchmal die Sport- BILD lese, wenn sie irgendwo gratis ausliegt... geschenkt.
Allerdings hätte ich gerne einen Euro für jedes Mal, in der in selbiger in einer Schlagzeile das Wort "Geheim!" auftaucht.
Das geht nicht. Gar nicht. Jeder, der es tut, ist bei mir automatisch untendurch, egal was er ansonsten noch so leistet.
Dabei hat meine Aversion weniger ideologische Gründe als solche, daß mir die Lektüre aufgrund ihrer Dumpf- und Stumpfheit verbunden mit widerwärtigster und zugleich abgekochtester Anbiederei bei einer zweckmäßig instrumentalisierten Klientel schon schier physischen Schmerz bereitet. Ekelhaft. Eine Ausgeburt von allem, was an der vielbeschworenen "deutschen Seele" hassenswert ist. So.
Kaufen mußte ich die BamS letzthin trotzdem, wegen dem Artikel über Andrea Mohr.
Aufgeschlagen, entnommen, und den Rest gleich ungelesen entsorgt, bevor noch jemand auf dumme Ideen kommt.
Daß ich manchmal die Sport- BILD lese, wenn sie irgendwo gratis ausliegt... geschenkt.
Allerdings hätte ich gerne einen Euro für jedes Mal, in der in selbiger in einer Schlagzeile das Wort "Geheim!" auftaucht.
Dienstag, 20. Juli 2010
Der Tag der guten Tat
Man sitzt gerade mit einem Freund vor einem Lokal in der Karlsruher Südstadt, vertieft in ein recht steinerweichendes Privatgespräch, als plötzlich ein älterer akkordeonspielender Sinti erscheint, und breit lächelnd unausgesprochen einen Obolus für sein Gedüdel einfordert... wie in einer ganz billigen Komödie, in der sich zwei Leute sinnvoll unterhalten wollen, was ständig durch bizarre Vorkommnisse erschwert wird.
Daraufhin bedeute ich ihm, er möge doch weiterziehen und andere Gäste mit seiner Kunst beglücken (natürlich nicht dermaßen vornehm ausgedrückt... und auch nicht sonderlich freundlich... und auch nicht so leise, wie es die obige Wortwahl nahelegt), was er denn auch tut. Thema erledigt.
Die folgenden Tage, wenn ich in der Südstadt an einem Tisch sitze, egal ob alleine oder in Gesellschaft, sehe ich ihn öfters, wie er mit seinem Akkordeon umherstreift, gefühlt die immer zwei gleichen Stücke spielend.
Er scheint mich wiederzuerkennen, denn um meinen Tisch (sei es vor dem Wolfbräu, sei es vor dem Juno) macht er immer einen großen Bogen; und das finde ich sehr wohltuend.
Damit könnte dieser Eintrag eigentlich enden; tut er aber nicht.
Denn als ich letztens nachts mit der Straßenbahn nach Hause fuhr, saß er zwei Sitzreihen vor mir und hatte sein Akkordeon neben sich stehen; den Kopf hatte er in die Hände gestützt, sorgenvoll und erschöpft war die Mimik, gramzerfurcht die Stirn.
In diesem Moment meldete sich bei mir das Gewissen; eines zu besitzen, ist ja eigentlich meist hinderlich, käme man doch weitaus angenehmer durchs Leben, wenn es auch mal die Fresse halten würde, anstatt ständig ungefragt hineinzuquatschen.
In diesem Moment dachte ich nur: verdammt, dieser Typ zieht vom Vormittag bis zum Einbruch der Dunkelheit bei brüllender Hitze mit einem sperrigen Musikinstrument durch die Stadt, und das offensichtlich nur, um kraft seiner beschränkten Mittel wahrscheinlich irgendwie seine Familie durchzubringen... oder selbst am Leben zu bleiben, was auch nicht einfach sein dürfte, betrachtet man seine wie aus einem Rotkreuzcontainer zusammengefischt aussehende Kleidung.
Immerhin versucht er selbst etwas, und sei es auch nur, daß er stundenlang dieselben zwei Stücke malträtiert, die einem schon nach fünf Minuten auf die Nerven gehen.
Und ich habe trotz allem ein großes Herz für Underdogs, die in einer Nische- und sei sie auch noch so erbarmungswürdig- einfach nur versuchen, in der sozialen Suppe aus eigener Kraft den Kopf über der Oberfläche zu halten.
Nein, ich lade ihn nicht an meinen Tisch ein und spendiere ihm auch nichts zu trinken. Und ich kann nach wie vor auf sein lustiges Gejuckel verzichten.
Aber wenn er schon mal da ist, versucht man halt das Beste draus zu machen und ihn zumindest mit der Art von Respekt zu behandeln, die er verdient hat.
Daraufhin bedeute ich ihm, er möge doch weiterziehen und andere Gäste mit seiner Kunst beglücken (natürlich nicht dermaßen vornehm ausgedrückt... und auch nicht sonderlich freundlich... und auch nicht so leise, wie es die obige Wortwahl nahelegt), was er denn auch tut. Thema erledigt.
Die folgenden Tage, wenn ich in der Südstadt an einem Tisch sitze, egal ob alleine oder in Gesellschaft, sehe ich ihn öfters, wie er mit seinem Akkordeon umherstreift, gefühlt die immer zwei gleichen Stücke spielend.
Er scheint mich wiederzuerkennen, denn um meinen Tisch (sei es vor dem Wolfbräu, sei es vor dem Juno) macht er immer einen großen Bogen; und das finde ich sehr wohltuend.
Damit könnte dieser Eintrag eigentlich enden; tut er aber nicht.
Denn als ich letztens nachts mit der Straßenbahn nach Hause fuhr, saß er zwei Sitzreihen vor mir und hatte sein Akkordeon neben sich stehen; den Kopf hatte er in die Hände gestützt, sorgenvoll und erschöpft war die Mimik, gramzerfurcht die Stirn.
In diesem Moment meldete sich bei mir das Gewissen; eines zu besitzen, ist ja eigentlich meist hinderlich, käme man doch weitaus angenehmer durchs Leben, wenn es auch mal die Fresse halten würde, anstatt ständig ungefragt hineinzuquatschen.
In diesem Moment dachte ich nur: verdammt, dieser Typ zieht vom Vormittag bis zum Einbruch der Dunkelheit bei brüllender Hitze mit einem sperrigen Musikinstrument durch die Stadt, und das offensichtlich nur, um kraft seiner beschränkten Mittel wahrscheinlich irgendwie seine Familie durchzubringen... oder selbst am Leben zu bleiben, was auch nicht einfach sein dürfte, betrachtet man seine wie aus einem Rotkreuzcontainer zusammengefischt aussehende Kleidung.
Immerhin versucht er selbst etwas, und sei es auch nur, daß er stundenlang dieselben zwei Stücke malträtiert, die einem schon nach fünf Minuten auf die Nerven gehen.
Und ich habe trotz allem ein großes Herz für Underdogs, die in einer Nische- und sei sie auch noch so erbarmungswürdig- einfach nur versuchen, in der sozialen Suppe aus eigener Kraft den Kopf über der Oberfläche zu halten.
Nein, ich lade ihn nicht an meinen Tisch ein und spendiere ihm auch nichts zu trinken. Und ich kann nach wie vor auf sein lustiges Gejuckel verzichten.
Aber wenn er schon mal da ist, versucht man halt das Beste draus zu machen und ihn zumindest mit der Art von Respekt zu behandeln, die er verdient hat.
Montag, 19. Juli 2010
Ein Feuerwerk der guten Laune
Wenn man denn nach einem Samstagabend, der nur mit viel gutem Willen halbwegs als erträglich zu bezeichnen ist, generell übellaunig ins Bett steigt und mit genau derselben Laune am nächsten Morgen wieder erwacht, feststellend, daß sich noch dazu der Kopf anfühlt wie ein Sandwich, belegt mit irgendwas undefinierbar Glibberigem;
wenn man noch dazu arbeiten muß und einem am Hauptbahnhof wie durch einen Filter gesehen ausgerechnet jene Gestalten auffallen, die einem wie aus der Freakshow eines Wanderzirkus entstiegen vorkommen und normalerweise gepflegt an einem vorbeiexistieren (der verwachsene Bettler im Elektrorollstuhl, aus dessen Kofferradio ausgerechnet "Shiny Happy People" von R.E.M. plärrt; bucklige Halbirre in dreckigen Klamotten, die einen um Zigaretten anschnorren; unförmige Jugendliche, denen die Trostlosigkeit ihrer Existenz bereits aus dem Gesicht springt, die aber dennoch T- Shirts mit dem Aufdruck "Früher waren wir unbescheiden und sagten, wir wären gut; heute wissen wir es besser: wir sind DIE BESTEN" tragen; in geschmacksbefreit ausgewählte Bermudashorts gewandete Troglodytenpaare),
dann fragt man sich schon, ob das gerade wirklich alles sein muß.
wenn man noch dazu arbeiten muß und einem am Hauptbahnhof wie durch einen Filter gesehen ausgerechnet jene Gestalten auffallen, die einem wie aus der Freakshow eines Wanderzirkus entstiegen vorkommen und normalerweise gepflegt an einem vorbeiexistieren (der verwachsene Bettler im Elektrorollstuhl, aus dessen Kofferradio ausgerechnet "Shiny Happy People" von R.E.M. plärrt; bucklige Halbirre in dreckigen Klamotten, die einen um Zigaretten anschnorren; unförmige Jugendliche, denen die Trostlosigkeit ihrer Existenz bereits aus dem Gesicht springt, die aber dennoch T- Shirts mit dem Aufdruck "Früher waren wir unbescheiden und sagten, wir wären gut; heute wissen wir es besser: wir sind DIE BESTEN" tragen; in geschmacksbefreit ausgewählte Bermudashorts gewandete Troglodytenpaare),
dann fragt man sich schon, ob das gerade wirklich alles sein muß.
Freitag, 16. Juli 2010
Und nochmal: Gespenster
Nachdem ich ja bereits erwähnte, daß ich auf Facebook- nachdem ich testweise in der Suchfunktion einige Namen eingegeben hatte- unvermittelt einer unheimliche Begegnung der dritten Art ausgesetzt war, die mich augenblicklich dazu nötigte, die Blockierfunktion zu aktivieren, um mich gemäß meinem Wunsch nie wieder auf irgendeine Weise mit der betreffenden Person auseinandersetzen zu müssen, hat sich diese nun freundlicherweise selbst abgemeldet, den Account deaktiviert, was auch immer, vielleicht auch nur beim Auftauchen meiner Fresse in der "Vielleicht kennst du..."- Leiste Namen und Gesicht geändert.
Jedenfalls herrscht an diesem Flecken gähnende Leere... und im staubigen Wind weht ein Mistelballen vorbei. Nichts. Nada.
Da fragt man sich, ob man bereits dem kompletten Nerdtum anheimgefallen ist, wenn man sich wünscht, solche Verhältnisse ins reale Leben übertragen zu können.
Will heißen: man betritt einen Raum, einen Club oder ein Restaurant, in dem sich der betreffende Mensch befindet, und genau in der Sekunde des Eintritts verpufft derjenige mit einem klar vernehmlichen "Wuff" in einer Rauchsäule, um sich dort wieder zu materialisieren, wo man am wenigsten Gefahr läuft, ihm in den nächsten Stunden oder Tagen zufällig über den Weg zu laufen. Vielleicht in Burundi oder der südlichen Mongolei. Oder auf den Cayman- Inseln.
Das fände ich- glaube ich- relativ großartig.
P.S.:
Bei der Überschrift sollte ich eines nicht unerwähnt lassen: seit ich mich vor wenigen Tagen für das Musikforum daran erinnert habe, als erste LP meines Lebens zu Weihnachten 1983 Peter Maffays "Tabaluga oder Die Reise zur Vernunft" geschenkt bekommen zu haben, taucht immer wieder überfallartig "Nessaja" in meinem Kopf auf.
"Ich wollte nie erwachsen sein... hab immer mich zur Wehr gesetzt..."
Jessas, ist das grauenhaft. Ich möchte, daß es aufhört.
Jedenfalls herrscht an diesem Flecken gähnende Leere... und im staubigen Wind weht ein Mistelballen vorbei. Nichts. Nada.
Da fragt man sich, ob man bereits dem kompletten Nerdtum anheimgefallen ist, wenn man sich wünscht, solche Verhältnisse ins reale Leben übertragen zu können.
Will heißen: man betritt einen Raum, einen Club oder ein Restaurant, in dem sich der betreffende Mensch befindet, und genau in der Sekunde des Eintritts verpufft derjenige mit einem klar vernehmlichen "Wuff" in einer Rauchsäule, um sich dort wieder zu materialisieren, wo man am wenigsten Gefahr läuft, ihm in den nächsten Stunden oder Tagen zufällig über den Weg zu laufen. Vielleicht in Burundi oder der südlichen Mongolei. Oder auf den Cayman- Inseln.
Das fände ich- glaube ich- relativ großartig.
P.S.:
Bei der Überschrift sollte ich eines nicht unerwähnt lassen: seit ich mich vor wenigen Tagen für das Musikforum daran erinnert habe, als erste LP meines Lebens zu Weihnachten 1983 Peter Maffays "Tabaluga oder Die Reise zur Vernunft" geschenkt bekommen zu haben, taucht immer wieder überfallartig "Nessaja" in meinem Kopf auf.
"Ich wollte nie erwachsen sein... hab immer mich zur Wehr gesetzt..."
Jessas, ist das grauenhaft. Ich möchte, daß es aufhört.
"Geh doch an den Baggersee, du Depp!"
Das könnte man mir entgegnen, würde ich hier posten, daß ich gerade an meinem freien Tag in dräuender Hitze in meiner stickigen Dachwohnung sitze wie im Dschungelcamp und allerlei Blödsinn in die Tastatur hämmere, während sich draußen die glibbrige Mittagsluft anfühlt, als würde man sich durch Berge von mundwarmem Aspik bewegen.
"Fein", könnte ich dann sagen, "wenn es denn ginge."
Meine drei schweren Operationen am linken Ohr waren 1980, 1986 und 1988.
Vor allem die erste war richtig dramatisch: ich, ein gerade mal sechsjähriger Knirps, der den ganzen Tag auf dem Basteltisch verbrachte und danach zwei Nächte und einen Tag durchschlief, nur um in einem kurzen Moment des Erwachens durch einen wabernden Nebel aus Anästhetika und Schmerzmitteln eine Szene zu realisieren, die sich bereits seit dreißig Jahren unauslöschlich in mein Gehirn eingebrannt hat:
meine Eltern und meine vor einigen Jahren verstorbene Großmutter mit tiefbetrübten Mienen an meinem Krankenbett, im Vordergrund auf dem Nachttisch- noch in Plastikumhüllung- eine kleine gelbe Spielzeugdampflok. Ein Blick von wenigen Sekunden auf ein Arrangement, das mir- der ich damals den Begriff natürlich noch nicht kannte- bereits surreal erschien, bevor der große Verdunkelungshammer mich wieder niederstreckte.
Die dritte Ohroperation, die gleichzeitig mein Gesicht zur linken Seite hin verzog, so daß ich- werde ich über rechts photographiert- meistens aussehe wie ein zähnefletschender transsylvanischer Wahnsinniger, der sich bereits tagelang nur von gekochtem Molch ernährt, beendete sämtliche Schwimmambitionen, die ich sowieso nie hatte.
Eine größere Menge Wasser würde direkt das Innenohr auffüllen und den Gleichgewichtssin ausschalten. Deswegen habe ich nie schwimmen gelernt; sogar, wenn ich der beste Schwimmer der Welt wäre, würde mich ein unvorhergesehener Sturz ins Wasser sofort absaufen lassen. Wäre somit auch ein guter Tip an alle, die mich loswerden und es aussehen lassen wollen, als wäre es ein Unfall.
So bleibt mir zumeist nichts anderes übrig als- sämtliche Tätigkeiten auf ein Minimum reduzierend- irgendwo gebacken zu werden, da ich mich- an Baggerseen zur Untätigkeit verdammt- ebenda meistens zu Tode langweile, da alle schwimmen gehen und ich in der Bruthitze herumliege und nicht mal richtig denken kann.
Klingt tragisch, ist es aber nicht; da ich ja nie ins Wasser durfte bzw. es irgendwann auch nicht mehr wollte, vermisse ich auch absolut nichts.
Da sitze ich lieber daheim im Abgedunkelten, das noch dazu in einer Stadt, von der ich bis zu meiner Jugend außer dem Krankenhaus in der Steinhäuserstraße nichts kannte, höre erbauliche Musik und tippe aus einer spontanen Eingebung heraus das hier.
"Fein", könnte ich dann sagen, "wenn es denn ginge."
Meine drei schweren Operationen am linken Ohr waren 1980, 1986 und 1988.
Vor allem die erste war richtig dramatisch: ich, ein gerade mal sechsjähriger Knirps, der den ganzen Tag auf dem Basteltisch verbrachte und danach zwei Nächte und einen Tag durchschlief, nur um in einem kurzen Moment des Erwachens durch einen wabernden Nebel aus Anästhetika und Schmerzmitteln eine Szene zu realisieren, die sich bereits seit dreißig Jahren unauslöschlich in mein Gehirn eingebrannt hat:
meine Eltern und meine vor einigen Jahren verstorbene Großmutter mit tiefbetrübten Mienen an meinem Krankenbett, im Vordergrund auf dem Nachttisch- noch in Plastikumhüllung- eine kleine gelbe Spielzeugdampflok. Ein Blick von wenigen Sekunden auf ein Arrangement, das mir- der ich damals den Begriff natürlich noch nicht kannte- bereits surreal erschien, bevor der große Verdunkelungshammer mich wieder niederstreckte.
Die dritte Ohroperation, die gleichzeitig mein Gesicht zur linken Seite hin verzog, so daß ich- werde ich über rechts photographiert- meistens aussehe wie ein zähnefletschender transsylvanischer Wahnsinniger, der sich bereits tagelang nur von gekochtem Molch ernährt, beendete sämtliche Schwimmambitionen, die ich sowieso nie hatte.
Eine größere Menge Wasser würde direkt das Innenohr auffüllen und den Gleichgewichtssin ausschalten. Deswegen habe ich nie schwimmen gelernt; sogar, wenn ich der beste Schwimmer der Welt wäre, würde mich ein unvorhergesehener Sturz ins Wasser sofort absaufen lassen. Wäre somit auch ein guter Tip an alle, die mich loswerden und es aussehen lassen wollen, als wäre es ein Unfall.
So bleibt mir zumeist nichts anderes übrig als- sämtliche Tätigkeiten auf ein Minimum reduzierend- irgendwo gebacken zu werden, da ich mich- an Baggerseen zur Untätigkeit verdammt- ebenda meistens zu Tode langweile, da alle schwimmen gehen und ich in der Bruthitze herumliege und nicht mal richtig denken kann.
Klingt tragisch, ist es aber nicht; da ich ja nie ins Wasser durfte bzw. es irgendwann auch nicht mehr wollte, vermisse ich auch absolut nichts.
Da sitze ich lieber daheim im Abgedunkelten, das noch dazu in einer Stadt, von der ich bis zu meiner Jugend außer dem Krankenhaus in der Steinhäuserstraße nichts kannte, höre erbauliche Musik und tippe aus einer spontanen Eingebung heraus das hier.
Donnerstag, 15. Juli 2010
Überfällige Liebeserklärung an die Milchstraße
Es gibt Songs, die ragen schon seit Jahr und Tag monolithisch empor entlang der staubigen Strecke, auf der man dahinwandert, ohne daß man genau benennen könnte, wo ihr Reiz und ihre Bedeutung für das Leben des Einzelnen eigentlich liegen.
Bei mir- so fiel es mir die letzten Tage immer wieder auf- ist es unter anderem dieser:
The Church: Under the Milky Way
Sometimes when this place gets kind of empty
Sound of their breath fades with the light
I think about the loveless fascination
Under the Milky Way tonight
Lower the curtain down on Memphis
Lower the curtain down all right
I got no time for private consultation
Under the Milky Way tonight
CHORUS:
Wish I knew what you were looking for
Might have known what you would find
Wish I knew what you were looking for
Might have known what you would find
And it's something quite peculiar
Something shimmering and white
Leads you here despite your destination
Under the Milky Way tonight
CHORUS
Under the Milky way tonight..
Under the Milky Way tonight...
Die ersten Male hörte ich ihn 1988 im Radio, bereits fasziniert von den Bildern, die vor meinem inneren Auge dazu entstanden. Das klingt wie ganz weggetretene Esoterikgrütze, gibt aber exakt das wieder, was ich damals dachte.
Anschließend schnitt ich ihn im Laufe einer Hörerchartsshow auf RPR 1 (brrr) auf einem verrauschten Sony- Leertape mit und hörte ihn über die Jahre immer mal wieder gerne... bis ihn mir kürzlich jemand auf CD brannte.
Ich bin überrascht, wie wenig der Song über die Jahre von seiner Strahlkraft eingebüßt hat... die so gleißnerisch ist, daß ich mir niemals die zugehörige Platte gekauft habe, wohl aus Angst, daß er- sollte er sich inmitten eines Haufens mediokrer Songs befinden- etwas davon einbüßen würde.
Mittlerweile weiß ich auch, wo genau seine Größe liegt: wer ihn je einmal um diese Jahreszeit im Freien gehört hat, entweder allein oder zu zweit auf dem Rücken liegend und den Blick in den sternenklaren Himmel gerichtet, erlebt genau einen der Momente, die ihn sein Leben lang an einen Song ketten.
Das mußte mal gesagt werden, und da werde ich auch gerne mal pathetisch.
Meine Leserschaft wird es verkraften... und es mir hoffentlich zahlreich nachtun.
Bei mir- so fiel es mir die letzten Tage immer wieder auf- ist es unter anderem dieser:
The Church: Under the Milky Way
Sometimes when this place gets kind of empty
Sound of their breath fades with the light
I think about the loveless fascination
Under the Milky Way tonight
Lower the curtain down on Memphis
Lower the curtain down all right
I got no time for private consultation
Under the Milky Way tonight
CHORUS:
Wish I knew what you were looking for
Might have known what you would find
Wish I knew what you were looking for
Might have known what you would find
And it's something quite peculiar
Something shimmering and white
Leads you here despite your destination
Under the Milky Way tonight
CHORUS
Under the Milky way tonight..
Under the Milky Way tonight...
Die ersten Male hörte ich ihn 1988 im Radio, bereits fasziniert von den Bildern, die vor meinem inneren Auge dazu entstanden. Das klingt wie ganz weggetretene Esoterikgrütze, gibt aber exakt das wieder, was ich damals dachte.
Anschließend schnitt ich ihn im Laufe einer Hörerchartsshow auf RPR 1 (brrr) auf einem verrauschten Sony- Leertape mit und hörte ihn über die Jahre immer mal wieder gerne... bis ihn mir kürzlich jemand auf CD brannte.
Ich bin überrascht, wie wenig der Song über die Jahre von seiner Strahlkraft eingebüßt hat... die so gleißnerisch ist, daß ich mir niemals die zugehörige Platte gekauft habe, wohl aus Angst, daß er- sollte er sich inmitten eines Haufens mediokrer Songs befinden- etwas davon einbüßen würde.
Mittlerweile weiß ich auch, wo genau seine Größe liegt: wer ihn je einmal um diese Jahreszeit im Freien gehört hat, entweder allein oder zu zweit auf dem Rücken liegend und den Blick in den sternenklaren Himmel gerichtet, erlebt genau einen der Momente, die ihn sein Leben lang an einen Song ketten.
Das mußte mal gesagt werden, und da werde ich auch gerne mal pathetisch.
Meine Leserschaft wird es verkraften... und es mir hoffentlich zahlreich nachtun.
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