Nun ist die Entscheidung gefallen... erhalten werde ich einen Auftrag für ein Skript wohl doch nicht.
Sollte ich mich nun gramzerfurcht im Bett wälzen?
Nein, sicherlich nicht. Ich habe viel gesehen und gelernt in einer Branche, zu der Normalsterbliche eher selten Zugang haben, hatte eine Menge Spaß mit einigen tollen Leuten und weiß jetzt, daß es mit entsprechender Vorbereitung problemlos möglich ist, sich mal zwei oder drei Monate in eine andere Stadt abzuseilen und dort zu leben.
Besten Dank dem großartigsten tenno (für Außenstehende: ein Foren- Nickname), den es gibt, daß er mir diese Möglichkeit gegeben hat, auch wenn es dann doch nicht so geklappt hat, wie wir uns das beide erhofft hatten.
Wie geht es nun weiter?
Am 25. 09. geht es wieder nach Hause(vorher arbeite ich bei meinem Brotaushilfsjob noch meine geplanten Schichten zuende und schau mir in aller Ruhe streßfrei Berlin an), und da freue ich mich drauf... endlich mal wieder meine eigene Wohnung, in der zu keiner Zeit das Bad besetzt ist, wenn man gerade dringend selbst hineinwill, meine Plattensammlung, in der ich jetzt wieder stöbern und dann hemmungslos gräßlichen Krach auflegen kann, ohne daß sich jemand gestört fühlt, weil er gerade Staatsexamen schreibt oder ihn das nach dem Aufstehen streßt... meine heißgeliebte Couch samt DVD- Regal in Reichweite... und natürlich meine Freunde, meine Kumpels, meine Stammläden. Dafür gebe ich sogar Berlin gerne her.
Vor allem,wenn man pünktlich zum Derbywochenende FCK- KSC wieder daheim einläuft... besser könnte man es sich gar nicht aussuchen.
Und genau deswegen bin ich momentan bester Laune... ich gewöhne mich gerade an Berlin, aber mein aufgeblasenes badisches Provinzkaff habe ich nunmal richtig lieb. Ist ja auch eine Großstadt, zwar eine überschaubare, aber trotzdem nicht gerade Bruchweiler- Bärenbach.
Und wenn jemand OB Fenrich absägt, bis ich wieder daheim bin, gehe ich mit ihm saufen und bezahle alle Ausgaben des Abends. Versprochen.
Aber darum, daß mitten in der Stadt ein Loch gebuddelt wird, um darin einen Riesenhaufen Geld zu versenken, werde ich wohl nicht herumkommen. Nicht einmal, wenn ich noch zehn Jahre in Berlin bleibe.
Donnerstag, 3. September 2009
Sonntag, 30. August 2009
Die sich in Fetzen schießen
Das ist der Titel eines alten Trashfilms aus den 70ern, paßt aber trefflich auf das Auftreten der SPD heute im Willy- Brandt- Haus in Berlin.
Steinmeier und Müntefering, bejubelt und applausumtost, die doch tatsächlich versuchen, die heutigen Wahlergebnisse als "großen Erfolg für die SPD" hinzustellen, weil die CDU immerhin erdrutschartige Verluste hingenommen hat. Nur ihr eigenes Abschneiden und die Stimmzuwächse der anderen Parteien haben sie scheinbar dabei aus den Augen verloren.
Da fragt man sich dann: glauben die sich das etwa selbst? Verarschen die nur die Leute oder sind die wirklich so bescheuert? Fragen über Fragen, und wenn bei der Bundestagswahl wieder erwartungsgemäß der Hefeteig gewinnt, der in Mimik und Gestik mittlerweile seinem Übervater derart gleicht, als wäre er ein Teil von ihm und irgendwo abgefallen, weiß dann wieder keiner, wie das passieren konnte. Daß die SPD demnächst irgendeinen Blumentopf gewinnen wird, glaubt ja nun wirklich kein Schwein. Außer der SPD, scheinbar.
Die Selbstdemontage geht weiter.
Nachdem wir uns nun den Selbstüberschätzern gewidmet haben, kommen wir zu den überschätzten Unterschätzten... oder so ähnlich.
Ich arbeite ja- größtenteils aus Langeweile- chronologisch alle James- Bond- DVD's meines Mitbewohners ab. Und im Falle der Sean Connery- Filme gibt es blödere Möglichkeiten, seine Zeit totzuschlagen. Unterhaltungskino der besten Sorte, mit oft parodierten Stilelementen und größtenteils dermaßen hanebüchen, daß man es nicht mehr hundertprozentig ernstnehmen kann, selbst wenn es irgendwann so gemeint gewesen sein sollte.
Mittlerweile bin ich beim "Geheimdienst Ihrer Majestät" angelangt, dem George- Lazenby- Bond, den ich als Jugendlicher schonmal gesehen hatte. Nachdem viele, die sich dazu berufen fühlen, schon kundgetan haben, der arme Lazenby wäre zu unrecht verprellt worden und "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" ein ganz famoser 007- Film, dachte ich, ich schaue ihn unvoreingenommen noch einmal.
Ergebnis: George Lazenby hatte das Charisma und die darstellerischen Fähigkeiten eines Napfkuchens und wurde völlig zurecht der Versenkung überantwortet.
Was dann wiederum zeigt, wie sich manche wildwuchernden Mythen sogar um diejenigen ranken können, die sie beim besten Willen nicht verdient haben.
Die "Überschätzten, bei denen die Gerüchte, sie wären unterschätzt gewesen, bei weitem überschätzt werden." Oder so.
Ich glaube, ich werde wahnsinnig.
Steinmeier und Müntefering, bejubelt und applausumtost, die doch tatsächlich versuchen, die heutigen Wahlergebnisse als "großen Erfolg für die SPD" hinzustellen, weil die CDU immerhin erdrutschartige Verluste hingenommen hat. Nur ihr eigenes Abschneiden und die Stimmzuwächse der anderen Parteien haben sie scheinbar dabei aus den Augen verloren.
Da fragt man sich dann: glauben die sich das etwa selbst? Verarschen die nur die Leute oder sind die wirklich so bescheuert? Fragen über Fragen, und wenn bei der Bundestagswahl wieder erwartungsgemäß der Hefeteig gewinnt, der in Mimik und Gestik mittlerweile seinem Übervater derart gleicht, als wäre er ein Teil von ihm und irgendwo abgefallen, weiß dann wieder keiner, wie das passieren konnte. Daß die SPD demnächst irgendeinen Blumentopf gewinnen wird, glaubt ja nun wirklich kein Schwein. Außer der SPD, scheinbar.
Die Selbstdemontage geht weiter.
Nachdem wir uns nun den Selbstüberschätzern gewidmet haben, kommen wir zu den überschätzten Unterschätzten... oder so ähnlich.
Ich arbeite ja- größtenteils aus Langeweile- chronologisch alle James- Bond- DVD's meines Mitbewohners ab. Und im Falle der Sean Connery- Filme gibt es blödere Möglichkeiten, seine Zeit totzuschlagen. Unterhaltungskino der besten Sorte, mit oft parodierten Stilelementen und größtenteils dermaßen hanebüchen, daß man es nicht mehr hundertprozentig ernstnehmen kann, selbst wenn es irgendwann so gemeint gewesen sein sollte.
Mittlerweile bin ich beim "Geheimdienst Ihrer Majestät" angelangt, dem George- Lazenby- Bond, den ich als Jugendlicher schonmal gesehen hatte. Nachdem viele, die sich dazu berufen fühlen, schon kundgetan haben, der arme Lazenby wäre zu unrecht verprellt worden und "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" ein ganz famoser 007- Film, dachte ich, ich schaue ihn unvoreingenommen noch einmal.
Ergebnis: George Lazenby hatte das Charisma und die darstellerischen Fähigkeiten eines Napfkuchens und wurde völlig zurecht der Versenkung überantwortet.
Was dann wiederum zeigt, wie sich manche wildwuchernden Mythen sogar um diejenigen ranken können, die sie beim besten Willen nicht verdient haben.
Die "Überschätzten, bei denen die Gerüchte, sie wären unterschätzt gewesen, bei weitem überschätzt werden." Oder so.
Ich glaube, ich werde wahnsinnig.
Donnerstag, 27. August 2009
Das Tempelhofer Remouladenmassaker
Ich bin mir sicher, wir haben hier in gewissen Teilen Berlins noch Reste der Planwirtschaft, die sich hartnäckig weigern, den Weg alles Irdischen zu gehen.
So muß wohl vor geschätzt drei Jahren ein dermaßen gigantischer Überschuß an Mayonnaise produziert worden sein, der nun aus irgendwelchen obskuren Gründen heimlich weg muß,vor allem in der Gegend um den U- Bahnhof Alt- Tempelhof herum.
Wie ich darauf nun komme?
Ganz einfach: die Geschichte ist immer dieselbe. Man wandert so umher, ist auf dem Weg zum Studio und stellt fest, daß es noch gut zwei Stunden bis zum Mittagessen sind. Also sollte man eine Kleinigkeit verdauen, und wie es der Zufall will, bleibt der Blick an einer Auslage mit allerlei belegtem Krempel hängen. Dann kauft man ein Schnitzelbrötchen bei Kamps, ein Salamibrötchen bei Thürmann oder eine Laugenstange mit Gouda im Netto, beginnt, es zu vertilgen und hat spätestens beim zweiten Bissen nur noch Matsch im Mund und auf den Fingern.
Berge von Mayo, kiloweise mundwarme Remoulade oder irgendein inferior schmeckendes undefinierbares Gesabbere, in dem man Möhrenraspeln ausmachen kann, immer alles eßlöffelweise und gut unter dem Belag versteckt.
Bei dem astronomischen Cholesteringehalt müßte eigentlich jeder dritte Berliner Einwohner über 50 an einem Gehirnschlag sterben. Ergründen konnte ich den inflationären Verbrauch an schmierigem Schlabber hier noch nicht. Vielleicht kann mir das mal jemand erklären.
Apropos "Gehirnschlag": wenn man praktikumsbedingt nun schon drei Wochen am Stück mit dem Pokemonklon "Yu-Gi Oh!" beschäftigt ist und auch der Mentor gerade nichts anderes zu tun hat, scheint das der geistigen Unversehrtheit ebenfalls nicht zuträglich zu sein.
Irgendwelche Comicfiguren duellieren sich in jeder Folge mithilfe von Spielkarten, denen nahezu grenzdebile Monster entsteigen, die allen Ernstes Namen wie "Planierraupe des Untergangs", "Verrückter Erzunterweltler", "Gerümpelkrieger" oder "Rache des Ameisenlöwen" tragen und nach Regeln gegeneinander antreten, die außer kindgebliebenen Videothekennerds ohne Freunde und achtjährigen Trading- Card- Sammlern kein Mensch auf dieser Welt kapiert... wahrscheinlich nicht mal diejenigen, die den Quatsch erfunden haben. Wobei ein gewisser Unterhaltungswert dem Ganzen auch nicht abzusprechen ist.
Und sei es nur, daß man auf den "Doppelkammschwänzigen Stinkmaukenmolch", den "Bleihodentragenden Nahkampftapir" oder den "Halbverrosteten Riesenpferdepenis aus der Hölle" wartet.
So muß wohl vor geschätzt drei Jahren ein dermaßen gigantischer Überschuß an Mayonnaise produziert worden sein, der nun aus irgendwelchen obskuren Gründen heimlich weg muß,vor allem in der Gegend um den U- Bahnhof Alt- Tempelhof herum.
Wie ich darauf nun komme?
Ganz einfach: die Geschichte ist immer dieselbe. Man wandert so umher, ist auf dem Weg zum Studio und stellt fest, daß es noch gut zwei Stunden bis zum Mittagessen sind. Also sollte man eine Kleinigkeit verdauen, und wie es der Zufall will, bleibt der Blick an einer Auslage mit allerlei belegtem Krempel hängen. Dann kauft man ein Schnitzelbrötchen bei Kamps, ein Salamibrötchen bei Thürmann oder eine Laugenstange mit Gouda im Netto, beginnt, es zu vertilgen und hat spätestens beim zweiten Bissen nur noch Matsch im Mund und auf den Fingern.
Berge von Mayo, kiloweise mundwarme Remoulade oder irgendein inferior schmeckendes undefinierbares Gesabbere, in dem man Möhrenraspeln ausmachen kann, immer alles eßlöffelweise und gut unter dem Belag versteckt.
Bei dem astronomischen Cholesteringehalt müßte eigentlich jeder dritte Berliner Einwohner über 50 an einem Gehirnschlag sterben. Ergründen konnte ich den inflationären Verbrauch an schmierigem Schlabber hier noch nicht. Vielleicht kann mir das mal jemand erklären.
Apropos "Gehirnschlag": wenn man praktikumsbedingt nun schon drei Wochen am Stück mit dem Pokemonklon "Yu-Gi Oh!" beschäftigt ist und auch der Mentor gerade nichts anderes zu tun hat, scheint das der geistigen Unversehrtheit ebenfalls nicht zuträglich zu sein.
Irgendwelche Comicfiguren duellieren sich in jeder Folge mithilfe von Spielkarten, denen nahezu grenzdebile Monster entsteigen, die allen Ernstes Namen wie "Planierraupe des Untergangs", "Verrückter Erzunterweltler", "Gerümpelkrieger" oder "Rache des Ameisenlöwen" tragen und nach Regeln gegeneinander antreten, die außer kindgebliebenen Videothekennerds ohne Freunde und achtjährigen Trading- Card- Sammlern kein Mensch auf dieser Welt kapiert... wahrscheinlich nicht mal diejenigen, die den Quatsch erfunden haben. Wobei ein gewisser Unterhaltungswert dem Ganzen auch nicht abzusprechen ist.
Und sei es nur, daß man auf den "Doppelkammschwänzigen Stinkmaukenmolch", den "Bleihodentragenden Nahkampftapir" oder den "Halbverrosteten Riesenpferdepenis aus der Hölle" wartet.
Mittwoch, 26. August 2009
Bedenkliche Rückfälle
Mein Beißreflex gegenüber Berlin hatte sich ja relativ rasch gelegt, mittlerweile führe ich hier so etwas wie ein alltägliches geregeltes Leben, immer mal von einem Hauch Heimweh durchzogen, als hätte jemand einen sentimentgetränkten Lappen in den Durchzug gehalten (oh die Metaphern, gar gülden rumpeln sie in die Tastatur)... aber so im allgemeinen dachte ich schon, latente Aversionen gegen wen oder was auch immer daheimgelassen zu haben und relativ wohlgemut meinen Arbeits- und sonstigen Trott zu bewältigen.
Und unvermutet steht man dann in der U- Bahn vor einem Plakat. Plakate ähnlicher Machart gibt es genug in Berlin, und zwar werden Stellen aus Büchern oder Zitate wiedergegeben, die einen Bezug zu Berlin haben, scheinbar von der Stadt höchstselbst in Auftrag gegeben. Eine eigentlich nette Idee und auch nicht zu beanstanden.
Aber dann das scheinbar aktuelle Zitat eines Bühnenmimen zu erblicken (wie auch immer er heißen mag... bei Bedarf liefere ich ihn gerne nach), der nicht nur in der Manier Klopstockschen Messiaswahns eine weitgehend unzurechnungsfähige Ode an Berlin zusammenbrummt, sondern den ganzen Stiefel auch noch mit der Feststellung beschließt, daß "Berlin der einzige Ort ist, in dem man richtig auf einer Bühne stehen kann, denn alles andere ist Abklatsch und Provinz"... nun, jedem sei seine Meinung gelassen, und sei sie auch noch so dämlich, aber daß ein relativ hemmungsbefreiter Verantwortlicher solch eine Scheiße auch noch plakatieren läßt, anstatt sich fremdzuschämen, wie es in einem solchen Fall angemessen wäre, finde ich irgendwie nich so knorke, wa.
Ginge es um meine Stadt, wäre mir derartiges peinlich, auch weil es Besuchern aus ganz Deutschland noch einmal vor Augen führt, welch Saubauern sie eigentlich sind.
Und kurz war er wieder da, der Groll, verbunden mit dem Wissen, was mir manche Leute in dieser Stadt so widerwärtig macht.
Genauso kurz, wie es zu der Feststellung dauerte, daß ja zum Glück nicht alle hier so sind.
(Ich glaube, das muß ich schreiben, sonst komme ich demnächst wieder in Erklärungsnot).
Und unvermutet steht man dann in der U- Bahn vor einem Plakat. Plakate ähnlicher Machart gibt es genug in Berlin, und zwar werden Stellen aus Büchern oder Zitate wiedergegeben, die einen Bezug zu Berlin haben, scheinbar von der Stadt höchstselbst in Auftrag gegeben. Eine eigentlich nette Idee und auch nicht zu beanstanden.
Aber dann das scheinbar aktuelle Zitat eines Bühnenmimen zu erblicken (wie auch immer er heißen mag... bei Bedarf liefere ich ihn gerne nach), der nicht nur in der Manier Klopstockschen Messiaswahns eine weitgehend unzurechnungsfähige Ode an Berlin zusammenbrummt, sondern den ganzen Stiefel auch noch mit der Feststellung beschließt, daß "Berlin der einzige Ort ist, in dem man richtig auf einer Bühne stehen kann, denn alles andere ist Abklatsch und Provinz"... nun, jedem sei seine Meinung gelassen, und sei sie auch noch so dämlich, aber daß ein relativ hemmungsbefreiter Verantwortlicher solch eine Scheiße auch noch plakatieren läßt, anstatt sich fremdzuschämen, wie es in einem solchen Fall angemessen wäre, finde ich irgendwie nich so knorke, wa.
Ginge es um meine Stadt, wäre mir derartiges peinlich, auch weil es Besuchern aus ganz Deutschland noch einmal vor Augen führt, welch Saubauern sie eigentlich sind.
Und kurz war er wieder da, der Groll, verbunden mit dem Wissen, was mir manche Leute in dieser Stadt so widerwärtig macht.
Genauso kurz, wie es zu der Feststellung dauerte, daß ja zum Glück nicht alle hier so sind.
(Ich glaube, das muß ich schreiben, sonst komme ich demnächst wieder in Erklärungsnot).
Montag, 24. August 2009
Rosen im Müll
Irgendwie waren die letzten Tage arschig. Bumm, kurz und knackig auf den Punkt. Damit könnte ich es bewenden lassen, aber ich habe ja einen Blog.
Aber was soll man schreiben, wenn man wenig Tiefschürfendes mitzuteilen hat?
"So begab es sich nun zu der Zeit, daß er sich in einem Internetcafé am Prenzlauer Berg wiederfand, gehüllt in schwarzen Stoff, und hinter ihm saß ein Weib, das weinte gar bitterlich, aus einem Grund, den er nicht nachvollziehen konnte, denn sie redete in Zungen. Oder türkisch. Auf jeden Fall in irgendeiner Sprache, die er nicht verstand, doch ihr Herz ward bewegt von großem Weh, das sie laut kundtat, was in ihm den sehnlichsten Wunsch erweckte, sie zu erwürgen.
Den lang war der Weg, den er gegangen. Er kam von Golgatha (auch "Kreuzberg" genannt), wo er im kryptisch betitelten KoKa 36 ein Ticket erstand, um den Erlöser zu sehen, was ihn sehr bewegte (nur, daß sich Jesus nun den Beinamen "Lizard" zugelegt hatte), hatte dann das Kottbusser Tor passiert, vorbei an lauter fremdländisch aussehenden Menschen, die ihm Spezialitäten ihrer Heimat offerierten ("Good Hash from Maroc? Heroin, Kokain, Ecstasy?") und wohlgelaunten jungen Menschen, die herumstanden und schäumendes Gerstengebräu tranken, wenn sie denn noch stehen konnten... ein paar von ihnen schienen strikt zu fasten, zumindest erweckte es den Anschein, aber in purer Verzückung schien es ihnen egal zu sein.
Und nun saß er hier, im Internetcafé"... blabli blablubb.
Und wartete darauf, daß ihm beizeiten etwas Besseres einfiel.
P.S.: falls jemand die Band kennt und noch über die Anspielung grübelt: am 15.09. THE JESUS LIZARD in Originalbesetzung im Festsaal Kreuzberg, einziges Deutschlandkonzert (und spätere Reunion nicht ausgeschlossen). Allein dafür hat sich der Berlinaufenthalt gelohnt... daheim würde ich jetzt "Pure", "Head", "Goat" und "Liar" auf Endlosrepeat laufen lassen. Wenigstens etwas. Und was für ein Etwas.
Aber was soll man schreiben, wenn man wenig Tiefschürfendes mitzuteilen hat?
"So begab es sich nun zu der Zeit, daß er sich in einem Internetcafé am Prenzlauer Berg wiederfand, gehüllt in schwarzen Stoff, und hinter ihm saß ein Weib, das weinte gar bitterlich, aus einem Grund, den er nicht nachvollziehen konnte, denn sie redete in Zungen. Oder türkisch. Auf jeden Fall in irgendeiner Sprache, die er nicht verstand, doch ihr Herz ward bewegt von großem Weh, das sie laut kundtat, was in ihm den sehnlichsten Wunsch erweckte, sie zu erwürgen.
Den lang war der Weg, den er gegangen. Er kam von Golgatha (auch "Kreuzberg" genannt), wo er im kryptisch betitelten KoKa 36 ein Ticket erstand, um den Erlöser zu sehen, was ihn sehr bewegte (nur, daß sich Jesus nun den Beinamen "Lizard" zugelegt hatte), hatte dann das Kottbusser Tor passiert, vorbei an lauter fremdländisch aussehenden Menschen, die ihm Spezialitäten ihrer Heimat offerierten ("Good Hash from Maroc? Heroin, Kokain, Ecstasy?") und wohlgelaunten jungen Menschen, die herumstanden und schäumendes Gerstengebräu tranken, wenn sie denn noch stehen konnten... ein paar von ihnen schienen strikt zu fasten, zumindest erweckte es den Anschein, aber in purer Verzückung schien es ihnen egal zu sein.
Und nun saß er hier, im Internetcafé"... blabli blablubb.
Und wartete darauf, daß ihm beizeiten etwas Besseres einfiel.
P.S.: falls jemand die Band kennt und noch über die Anspielung grübelt: am 15.09. THE JESUS LIZARD in Originalbesetzung im Festsaal Kreuzberg, einziges Deutschlandkonzert (und spätere Reunion nicht ausgeschlossen). Allein dafür hat sich der Berlinaufenthalt gelohnt... daheim würde ich jetzt "Pure", "Head", "Goat" und "Liar" auf Endlosrepeat laufen lassen. Wenigstens etwas. Und was für ein Etwas.
Freitag, 21. August 2009
Tom van Laaks Hund
Im neuen OX schreibt der von mir überaus geschätzte Tom van Laak eine sehr emotionale Kolumne darüber, wie er seine Hündin Stella einschläfern lassen mußte. Sie laborierte an den Spätfolgen eines Schlaganfalls, konnte ihre Ausscheidungen nicht mehr unter Kontrolle halten, kaum noch laufen und rannte überall dagegen. Wenn man tierlieb ist, läuft einem bei diesem Bericht das Herz wahrscheinlich genauso über wie der Tränenkanal... aber die Entscheidung, das Tier von seinen Leiden zu erlösen, ist absolut nachvollziehbar.
Gleichzeitig lese ich in der Berliner Zeitung, daß geplant wird, eine Patientenverfügung alle zwei Jahre neu überprüfen zu lassen. Oh ja, ich vergaß: wir sind Menschen und haben uns somit das Privileg erworben, unter bestialischen Qualen zu verrecken. Und sogar, wenn man seinen Willen schriftlich fixiert, kann es einem noch passieren, daß man jahrelang als sabbernder Lappen dahinvegetiert, weil die Leute, die dafür zuständig wären, entweder feige sind oder jede Zuständigkeit von sich weisen.
Ich will damit keiner Euthanasie das Wort reden. Wenn jemand denkt, unter unerträglichen Schmerzen den Löffel abgeben oder die letzten fünf Jahre seines Lebens mit komplett demenzzerweichtem Hirn und Minimalvita an die Decke starren zu müssen, in einem Zimmer, in dem das Geräusch der Sondenpumpe die einzige Abwechslung ist, wäre ich der Letzte, der ihn daran hindert. Wer meint, im Jenseits kommt der gütige Vater und verleiht ihm mit den Worten "Prüfung bestanden, mein Sohn" einen Orden, soll seinen Spaß haben.
Aber was ist mit denen, die darauf keinen Bock haben? Ich habe soviel gruslige Dinge in meinen 18 Jahren beruflicher Tätigkeit gesehen, daß ich mir vorkomme wie ein Kriegsveteran... und es will kein Ende nehmen. Mehr als einmal hatte ich Leute, die mich anbettelten, ihnen eine Spritze zu geben oder sie totzuschlagen, weil sie die Qualen nicht mehr aushielten... und der Gedanke, daß ich meinen Willen fixiert habe, handlungsunfähig bin und sich jeder davor scheut, auszuführen, was ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und im Wissen um die Konsequenzen niedergeschrieben habe, weil vielleicht am besten noch der Pfaffe aus dem nahegelegenen Dom auftaucht und einen Vortrag darüber hält, daß man Gott samt der ganzen Natur nicht ins Handwerk pfuschen darf (woran ich nicht mal ansatzweise glaube, aber hauptsache, sie können Dritten ihre Ansichten überstülpen) jagt mir mehr Angst ein, als es der Gedanke an den Tod vermag.
Denn wenn ich es hinter mir habe, ist mir so oder so alles egal... dann juckt es mich nicht mehr, ob ich vor meiner Zeit das Ticket löste, am nächsten Tag ein Heilmittel gegen Krebs erfunden wird oder ich sechs Richtige im Lotto hatte. Ist das so schwer zu begreifen?
Alleine der Umstand, daß jemand wie Jack Kevorkian, der in den USA vom Hals ab gelähmten Patienten Todesmaschinen gebaut hat, die sie bedienen konnten, wenn sie es wollten, in den Knast wanderte und von robusten Rollstuhlfahrern, denen nun wirklich niemand ans Leder wollte, als "Nazi" diffamiert wurde, obwohl er als Jude in seiner Kindheit KZ- Insasse war, ist schon obszön genug.
Ist doch schön, daß jemand zu wissen glaubt, wie ich mit meinem Leben das Richtige anstelle. Hund zu sein, erscheint mir da nicht als schlechteste Alternative.
Gleichzeitig lese ich in der Berliner Zeitung, daß geplant wird, eine Patientenverfügung alle zwei Jahre neu überprüfen zu lassen. Oh ja, ich vergaß: wir sind Menschen und haben uns somit das Privileg erworben, unter bestialischen Qualen zu verrecken. Und sogar, wenn man seinen Willen schriftlich fixiert, kann es einem noch passieren, daß man jahrelang als sabbernder Lappen dahinvegetiert, weil die Leute, die dafür zuständig wären, entweder feige sind oder jede Zuständigkeit von sich weisen.
Ich will damit keiner Euthanasie das Wort reden. Wenn jemand denkt, unter unerträglichen Schmerzen den Löffel abgeben oder die letzten fünf Jahre seines Lebens mit komplett demenzzerweichtem Hirn und Minimalvita an die Decke starren zu müssen, in einem Zimmer, in dem das Geräusch der Sondenpumpe die einzige Abwechslung ist, wäre ich der Letzte, der ihn daran hindert. Wer meint, im Jenseits kommt der gütige Vater und verleiht ihm mit den Worten "Prüfung bestanden, mein Sohn" einen Orden, soll seinen Spaß haben.
Aber was ist mit denen, die darauf keinen Bock haben? Ich habe soviel gruslige Dinge in meinen 18 Jahren beruflicher Tätigkeit gesehen, daß ich mir vorkomme wie ein Kriegsveteran... und es will kein Ende nehmen. Mehr als einmal hatte ich Leute, die mich anbettelten, ihnen eine Spritze zu geben oder sie totzuschlagen, weil sie die Qualen nicht mehr aushielten... und der Gedanke, daß ich meinen Willen fixiert habe, handlungsunfähig bin und sich jeder davor scheut, auszuführen, was ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte und im Wissen um die Konsequenzen niedergeschrieben habe, weil vielleicht am besten noch der Pfaffe aus dem nahegelegenen Dom auftaucht und einen Vortrag darüber hält, daß man Gott samt der ganzen Natur nicht ins Handwerk pfuschen darf (woran ich nicht mal ansatzweise glaube, aber hauptsache, sie können Dritten ihre Ansichten überstülpen) jagt mir mehr Angst ein, als es der Gedanke an den Tod vermag.
Denn wenn ich es hinter mir habe, ist mir so oder so alles egal... dann juckt es mich nicht mehr, ob ich vor meiner Zeit das Ticket löste, am nächsten Tag ein Heilmittel gegen Krebs erfunden wird oder ich sechs Richtige im Lotto hatte. Ist das so schwer zu begreifen?
Alleine der Umstand, daß jemand wie Jack Kevorkian, der in den USA vom Hals ab gelähmten Patienten Todesmaschinen gebaut hat, die sie bedienen konnten, wenn sie es wollten, in den Knast wanderte und von robusten Rollstuhlfahrern, denen nun wirklich niemand ans Leder wollte, als "Nazi" diffamiert wurde, obwohl er als Jude in seiner Kindheit KZ- Insasse war, ist schon obszön genug.
Ist doch schön, daß jemand zu wissen glaubt, wie ich mit meinem Leben das Richtige anstelle. Hund zu sein, erscheint mir da nicht als schlechteste Alternative.
Sonntag, 16. August 2009
Feuchte Träume und sonstige Vergnügungen
Einer der beknacktesten Träume, die ich je hatte, suchte mich vor gut einem Jahr heim: in winterkalter Nacht ging ich in einer weitgehend menschenleeren Gegend einen engen, gewundenen Weg entlang, meinen alten Holzschlitten hinter mir herziehend. Am Ende des Weges befand sich ein Häuschen, das ich nach gefühlt drei Stunden erreichte und an dem ich klopfte, worauf mein Vater die Tür öffnete.
Anschließend meinte ich: "Endlich daheim. Nun können wir ins Bett gehen." Darauf mein Vater, im Brustton der Überzeugung: "Halt, zuerst essen wir jeder noch ein Tischbein."
Sprach's und setzte mir eine Bahlsenschachtel mit dem geschwungenen Aufdruck "6 Tischbeine" vor, griff hinein und holte ein großes Rokokotischbein (Kunsthistoriker, bitte überlesen) aus Spekulatius mit Nougatverzierung heraus, das man mit beiden Händen wie eine Schweinskeule halten mußte, um einen kräftigen Happen zu nehmen. Das freute mich, denn ich hatte ziemlichen Kohldampf. Dann wachte ich auf.
Ein Traum, der mich momentan ständig heimsucht, mittlerweile dreimal, und den ich mir nicht erklären kann: ich bin privat zu Gast, in allen drei Träumen in verschiedenen Behausungen. Dort soll ich übernachten, und jedesmal endet der Traum damit, daß ich eine Wasserleitung aufdrehe und undankbarerweise die Wohnung flute, bis ich bis zu den Knöcheln im Wasser stehe. Dann helfe ich den Gastgebern (manchmal Leute, die ich kenne, in der Regel aber nicht) scheinheilig, die Wohnung trockenzukriegen und werde immer wach, wenn jemand auf mich zeigt und meint: "Das warst doch du! Und es war Absicht!"
Was will mir das sagen? So ganz tiefenpsychologisch? Samenstau? Herandräuende Inkontinenz? Meine momentan eher zurückhaltende Misanthropie, die unter der Oberfläche gärt und blubbert?
Apropos: mein neuer Mitbewohner, der gestern für kurze Zeit eingezogen ist, fand keinen Platz für seinen Fernseher und DVD- Player und hat beides kurzerhand in meinem Zimmer geparkt, zu meiner Freude. Dazu gab er mir einen Umzugskarton mit DVD's.
Eine seltsame Mischung: zwischen einigen Pornos, bei denen ein Blick auf die Rückseite reichte, um mich von einem Testscreening abzuhalten (rein aus ästhetischen Gründen... ich sehe nicht wirklich mit Vergnügen, wie sich Frauen Gegenstände in den After stecken) gab es Troma- Trash (Toxic Avenger II), Eastern und einige Hochkaräter, die ich mir in der nächsten Zeit mal zu Gemüte führen werde und die mir manchen Abend retten werden (ja, es gibt langweilige Abende in Berlin, vor allem, wenn man wieder einen Hauptjob neben dem Praktikum hat und daheimbleibt, weil der Wecker um halb sechs klingelt.
Doch nun kommt erstmal König Fußball... sitze gerade fünf Minuten Fußweg vom "Gun Club" weg und scharre schon mit den Hufen.
Slayer, Slayer, FCK!
Anschließend meinte ich: "Endlich daheim. Nun können wir ins Bett gehen." Darauf mein Vater, im Brustton der Überzeugung: "Halt, zuerst essen wir jeder noch ein Tischbein."
Sprach's und setzte mir eine Bahlsenschachtel mit dem geschwungenen Aufdruck "6 Tischbeine" vor, griff hinein und holte ein großes Rokokotischbein (Kunsthistoriker, bitte überlesen) aus Spekulatius mit Nougatverzierung heraus, das man mit beiden Händen wie eine Schweinskeule halten mußte, um einen kräftigen Happen zu nehmen. Das freute mich, denn ich hatte ziemlichen Kohldampf. Dann wachte ich auf.
Ein Traum, der mich momentan ständig heimsucht, mittlerweile dreimal, und den ich mir nicht erklären kann: ich bin privat zu Gast, in allen drei Träumen in verschiedenen Behausungen. Dort soll ich übernachten, und jedesmal endet der Traum damit, daß ich eine Wasserleitung aufdrehe und undankbarerweise die Wohnung flute, bis ich bis zu den Knöcheln im Wasser stehe. Dann helfe ich den Gastgebern (manchmal Leute, die ich kenne, in der Regel aber nicht) scheinheilig, die Wohnung trockenzukriegen und werde immer wach, wenn jemand auf mich zeigt und meint: "Das warst doch du! Und es war Absicht!"
Was will mir das sagen? So ganz tiefenpsychologisch? Samenstau? Herandräuende Inkontinenz? Meine momentan eher zurückhaltende Misanthropie, die unter der Oberfläche gärt und blubbert?
Apropos: mein neuer Mitbewohner, der gestern für kurze Zeit eingezogen ist, fand keinen Platz für seinen Fernseher und DVD- Player und hat beides kurzerhand in meinem Zimmer geparkt, zu meiner Freude. Dazu gab er mir einen Umzugskarton mit DVD's.
Eine seltsame Mischung: zwischen einigen Pornos, bei denen ein Blick auf die Rückseite reichte, um mich von einem Testscreening abzuhalten (rein aus ästhetischen Gründen... ich sehe nicht wirklich mit Vergnügen, wie sich Frauen Gegenstände in den After stecken) gab es Troma- Trash (Toxic Avenger II), Eastern und einige Hochkaräter, die ich mir in der nächsten Zeit mal zu Gemüte führen werde und die mir manchen Abend retten werden (ja, es gibt langweilige Abende in Berlin, vor allem, wenn man wieder einen Hauptjob neben dem Praktikum hat und daheimbleibt, weil der Wecker um halb sechs klingelt.
Doch nun kommt erstmal König Fußball... sitze gerade fünf Minuten Fußweg vom "Gun Club" weg und scharre schon mit den Hufen.
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