Dienstag, 8. November 2011

Beweise! Beweise!

Karlsruhe als Illuminatenstadt ("Hauptstadt" gar, wie in manchem Kommentar betont wird, wonach unser Aufstieg zur Weltmacht ja wirklich rapide voranzuschreiten scheint, ohne daß wir was davon merken), da haben natürlich allerlei kluge Köpfe etwas dazu beizutragen.
Hier mal eine Hitliste meiner fünf liebsten Kommentare, aus diversen Foren zusammenkopiert (allerdings ohne die zugehörigen Nicknamen; aber glauben Sie mir, das Ganze steht in den Tiefen des World Wide Web tatsächlich so geschrieben):

5. "use google earth – watch KARLSRUHE GERMANY and WASHINGTON DC from air – and u will see karlsruhe was the idol to build up washington dc – its both build up by illuminatis – watch the signs"

Belegt natürlich eindrucksvoll, was für einen großen Einfluß Karlsruhe seit seiner Stadtgründung auf den Lauf der Welt hat. Da Karlsruhe am 17. Juni 1715 gegründet wurde und Washington am 16. Juli 1790, kann man deutlich sehen, wie wichtig den Illuminaten der Bau der amerikanischen Hauptstadt nach ihrem deutschen Vorbild war... ich bin mir sicher, die Pläne dazu lagen schon seit mindestens 50 Jahren in der Schublade.

In dieser Zeit waren wir natürlich nicht untätig. So haben unsere geheimen Herrscher immer mehr Zeichen gesetzt, um ihr Terrain zu markieren:

4. "ich finde es schon recht merkwürdig das uns in der schule gesagt wurde karlsruhe sei eine FÄCHERSTADT – obwohl es in wirklichkeit EINE PYRAMIDE ist die in der architektur verwendet wird und definitiv KEIN FÄCHER – und was macht 1715 eine agyptische pyramide in karlsruhe ? schau dir mal das KARSTADT GEBÄUDE AN ! OBEN AM DACH !"

Dabei war noch gar nicht ganz sicher, wo das überhaupt hinführen sollte. Der Grundriß der Stadt stellt auch noch heute so manchen vor schier unlösbare Rätsel:

3. "Ist Karlsruhe eine Stadt der Freimaurer und Pyramiden? Ist Karlsruhe wirklich eine Fächerstadt, oder eine Pyramidenstadt? Ist dieser so genannte Fächer vielleicht ein Zirkel? Und ist welche Geheimnisse stecken noch hinter der Fächerstadt und dem Schloss? Gibt es eine zugehörige Loge zur Pyramide? "

Ist der sogenannte Zirkel vielleicht ein Quadrat? Oder ein Rhombus? Und wo ist hier der Ausgang?
Ah ja. Danke.

Zum Glück gibt es Unerschrockene, die trotz Gefahr für Leib und Leben der Sache auf den Grund gehen wollen, um die Verantwortlichen zu stellen und dingfest zu machen:

2. " hallo ich möchte in den ostert frein nach kalhruhe fahren und die illuminati zu filmen um das dan der polizei zu übergeben was genau musss ich machen um sie zu finden muss ich mich zum schein anmelden oder was hilft mir"

So, diese Ankündigung wird die Illuminaten das Fürchten lehren. Ein Ziel im Leben braucht jeder Mann, und wenn man schon am Erlernen der deutschen Rechtschreibung scheitert, muß man zumindest das Böse bekämpfen.
Da "Karlsruhe" ja angeblich "Kralsruhe" bedeutet, was darauf hinweist, daß die Illuminaten in der Stadt den Heiligen Gral versteckt haben, kann er sich auch gleich auf die Suche machen.
Denn ein anderer User hat in einer logisch nachvollziehbaren und klar strukturierten Argumentationskette bewiesen, daß dieser unter der Pyramide am Marktplatz versteckt sein muß. Hier also der Gewinner dieser Runde:


‎"ich kann mir nicht helfen, aber ich finde, das Dingen sieht, auch wenn es nicht exact symetrisch ist, aus wie ein Durchschnitt, bzw die Innenansicht einer Pyramide, und wenn man nun die darunter liegenden kleine Pyramide seiht, könnte man meinen, dass diese unter der anderen bzw unterirdisch sein müsste, was bedeuten würde, wenn man die Sache mit den drei Pyramiden auf Gizeh überträgt, dass unter der Pyramide, die etwas schräg oberhalb der beiden anderen liegt, eine unterirdische kleinere Pyramide begraben liegt......
UND DA BEFINDET SICH DER HEILIGE GRAL "


Herrlich.

Der ganze Scheiß: er ist einfach zu schön, um wahr zu sein.

Montag, 7. November 2011

Die Stadt der Illuminaten

Da lebt man nun seit gut 13 Jahren in einer Stadt, zu der man bereits den ein oder anderen launigen Blogeintrag verfaßt hat und von der man annahm, sie hätte für den Rest der Welt nichts sonderlich aufregendes zu bieten... bis man dann auf die Idee kommt, mal auf You Tube zu schauen, ob Bildmaterial vorhanden ist.
Und was soll ich sagen? Abgründe.
Abgründe tun sich auf.
Man stößt auf einen Beitrag über die Illuminatenstadt Karlsruhe, der in erster Linie folgenden Text mit Bildmaterial und esoterischem Musikgeschwurbel unterfüttert:

Die Illuminatenstadt Karlsruhe

Nehmen Sie einen Stadtplan von Karlsruhe.
Ihnen wird schon beim ersten Blickdarauf die eigentümliche Stadttopologie auffallen.
Das Karlsruher Schloß steht in der Stadtmitte. Davon gehen 33 große Straßen strahlenförmig aus. Sie erinnern sich, daß 33 eine Illuminatenzahl ist?
Die zwei Strahlen, die in Ost-West-Richtung verlaufen, sind auffällig breiter. In dem obersten Kreisteil befinden sich 13 Strahlen. Zur Erinnerung, auch 13 ist eine Illuminatenzahl! Südlich des Schlosses bilden die Strahlen eine Pyramide.
Diese Pyramide wird durch zwei große Querstraßen dreigeteilt!
Zusammen mit den 13 Strahlen, die gleichsam um die Spitze der Pyramide ausgehen, haben wir hier die dreigeteilte Illuminatenpyramide mit dem strahlenden Auge in der Spitze.
Genau in der Mitte dieser Illuminatenpyramide steht auf dem Marktplatz eine richtige Steinpyramide, das Wahrzeichen von Karlsruhe. Unter dieser Steinpyramide ist Markgraf Karl Wilhelm begraben. Er war ein Illuminat im Rat der 300.
Die Steinpyramide steht genau am Ort, die seiner Position innerhalb des Illuminatenordens entspricht. Suchen sie nun auf der Karte den Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht. Ersterer liegt im linken Sockel der Pyramide, letzterer direkt links vom Pyramidenauge. Die beiden höchsten juristischen Instanzen in Deutschland sind also direkt den Illuminaten untergeordnet.
Rechts vom Illuminatenauge liegt die Universität. Die Karlsruher Uni ist führend in der Forschung der Künstlichen Intelligenz und der Überwachungssoftware, wo die Werkzeuge für den zukünftigen Orwellschen Schreckensstaat erforscht werden.

Etwas außerhalb des Stadtkerns, jedoch immer noch im Einflußbereich der Strahlen des Illuminatenauges, befinden sich Industriekonzerne, die symbolisch für den Kapitalismus stehen, wie zum Beispiel Mercedes Benz...
Auch der südlichste Führerbunker liegt in diesem Illuminatenbannkreis. Vielleicht ist auf Ihrem Stadtplan auch das Wappen Karlsruhes verzeichnet. Sie werden dann sehen, daß es sich um ein rotes Schild handelt. Werden Sie nicht auch an Rothschild, den Oberilluminaten, erinnert? Auf dem Schild ist ein abwärtsgerichteter goldener Balken.
Er steht für die Abwärtsideologien. Auf dem Balken steht in schwarzer Schrift FELICITAS. Felicitas ist lateinisch und heißt Treue. Dies soll auf den Karlsruher Orden der Treue hinweisen, der den Illuminaten heimlich unterstellt war.
Das Stadwappen symbolisiert, daß Karlsruhe Rothschild in Treue ergeben ist. [...]


Davon abgesehen, daß im Karlsruher Stadtwappen klar und deutlich FIDELITAS steht (nun, bei solch einem komplizierten Wort kann man sich leicht einmal verlesen) und zu Beginn des Films die Losung "Treue bis in den Rot" angeführt wird (FCK olé), ist das nur die Spitze des Eisbergs.
Googelt man sich mit den Schlagworten "Karlsruhe" und "Illuminaten" in den Tiefen des Internets weiter vorwärts, stößt man neben allerlei verschiedener Ausgaben desselben Films und seines Textes auch auf diverse Weltverschwörungsforen, in denen Leute in verschiedenen Stadien der paranoiden Schizophrenie ihre absonderliche Weltsicht kundtun.
Die Stadt Satans, die die Weltherrschaft anstrebt, und das unter der Einbeziehung geometrischer Formen... sogar das Dach des KARSTADT- Gebäudes hat in seiner Bauweise einen tieferen Sinn.
Davon abgesehen, daß die Squarts in allen Veröffentlichungen sträflich ignoriert werden, frage ich mich, wie mir dieser große Spaß dermaßen lange entgehen konnte.
Schon lange habe ich mich nicht mehr so prächtig amüsiert.

Die Frage ist nun, mit welchem geheimbündlerischen Gruß man sich als Illuminat in spe von seinen Lesern verabschiedet.
"Zickezacke zickezacke hoi hoi hoi"?

Musik für Hyperaktive

Anfang der 90er konnte ich mit der Inselspielart des Hip Hop, "Britcore" genannt, nicht viel anfangen.
Nicht nur, daß die Bands (abgesehen von Hijack) den ihrer Meinung nach "kommerziellen" US- HipHop, den ich damals bevorzugte, als Feindbild ausgemacht hatten, auch versuchten sie sich damals musikalisch von ihm abzugrenzen: klapprige Beats, aber meist rasend schnell, dazu Noiseloops und allerlei elektronische Geräusche und ein ebenso schnelles Dauerstakkato an Raps, von denen man auch ohne Londoner Straßenslangeinschlag kein Wort verstanden hätte. Das Textblatt lesen war auch ein vergeblicher Vorsatz, weil man für die epischen Werke, die da meist in Miniaturschrift ins Booklet gedruckt waren, weder Zeit noch Lust hatte.
Es war einfach nur völlig nervtötend hyperaktives Gehoppel.

Nun, da Britcore meines Wissens schon etliche Jahre mausetot ist (obwohl es natürlich einiges gab, was ähnlich klang, aber ohne die Attitüde jener Bands), kaufte ich mir aus einer Laune heraus vor einiger Zeit im Second- Hand- Laden "Patriot Games" von Gunshot, die bereits 1991 oder 92 veröffentlicht worden war, und bin seitdem begeistert... was dazu führt, daß ich seit zwei Tagen wieder einen Rappel habe und mir jeden Britcoretrack anhöre, den ich im Internet finden kann.
Normalerweise kann man Menschen damit in Minutenschnelle in den Wahnsinn treiben.

Dabei waren das- mit einigen Jahren Abstand betrachtet- die Guten: ausnahmslos Independent in Verkauf und Vertrieb, unkommerziell, ohne Berührungsängste zu anderen Richtungen (Gunshot kollaborierten beispielsweise mit Napalm Death und trugen in Videos oder bei Auftritten gerne mal deren T- Shirts. Oder Mützen von Bolt Thrower, was ich noch bemerkenswerter finde), und so nahe wie in diesen zwei, drei Jahren kamen sich dermaßen unterschiedliche Subkulturen wie Punk/Extremmetal und Hip Hop wahrscheinlich nie wieder.

Ich lasse mich gerade davon total mitreißen... sollte es da jemals ein Revival mit frischen jungen Bands geben, wäre ich sofort aufmerksam dabei, egal wie alt ich bis dahin bin.
Solange da aber nichts kommt, hält man sich an die Klassiker: Gunshot, Silver Bullet, Blade (beispielsweise) oder die etwas zugänglicheren (weil mit Ice-T's Rhyme Syndicate kooperierenden) Hijack.
Auf jeden Fall ist das mit 20 Jahren auf dem Buckel immer noch spannender als vieles, was heutzutage am Start ist.

Schade, daß ich 38 Jahre werden mußte, um das zu entdecken... und toll, daß ich mit 38 nochmal soviel mir bisher unbekannte Musik entdecke, die mir Spaß macht.

P.S.: für sachdienliche Hinweise aus Leserkreisen bin ich natürlich auch immer ein dankbarer Adressat.

Hmmm... Kleinigkeiten

Was ich in meinem Steckbrief vergessen habe, weil es vergleichsweise eine Kleinigkeit ist, die ich aber AUF DEN TOD hasse:
wenn jemand geräuschvoll ißt.

Ich frage mich, warum es nicht möglich sein kann, einen Löffel Suppe auf eine erträgliche Temperatur herunterzupusten und ihn sich dann in den Mund zu stecken, ohne ihn laut in sich hineinzuschlürfen.
Theoretisch muß das ja funktionieren; schließlich mache ich es auch so, oder bin ich unter allen Menschen einer mit einer singulären Begabung?
Oder wie man mit jemandem am Tisch sitzen kann, der beim Essen schnauft, grunzt, sabbert oder gutturale Laute von sich gibt, obwohl er nicht geistig behindert ist, und der einen dann noch verständnislos anschaut, wenn man den Wunsch äußert, demjenigen die sich in Reichweite befindliche Pfeffermühle auf die Zwölf zu hauen.
Wie man jemandem zusehen und -hören kann, der mit proppevollem Mund spricht, ohne am Rücken Gänsehäute des Ekels zu bekommen, weil es demjenigen aufgrund einer motorischen Störung unmöglich zu sein scheint, ein Handsignal zu geben, daß er gleich antwortet, wenn er heruntergeschluckt hat.
Oder warum man nicht einfach etwas Wohlschmeckendes verzehren kann, ohne hinterher Köchin oder Koch ein Kompliment zu machen, sondern nach dem ersten Probierhappen schon ein tiefkehliges "hmmmm" in die Runde werfen muß, das dann möglichst oft während der Mahlzeit wiederholt wird.
Über Menschen, die kein Bonbon essen können, ohne Schleckgeräusche von sich zu geben, habe ich mich ja bereits ausgelassen.

Alles Dinge, die mich unglaublich aggressiv machen, darum sehe ich mich auch genötigt, in dieser Hinsicht endlich einmal den Benimmschiedsrichter herauszuhängen, bevor jemand Gefahr läuft, einen Salzstreuer, eine halbe Salami (oder was auch immer sich gerade auf dem Tisch befindet) von mir an die Rübe gefeuert zu bekommen.
Die aufgeführten Verhaltensweisen waren immer schon da, höre ich da manchen sagen, und sind sogar ein anerkannter Teil der Eßgewohnheiten ("hmmmm", etwa).

Prima, dann kann man bei Tisch ja endlich wieder rülpsen und furzen. Das gehörte früher auch einmal mit zum Programm.

Sonntag, 6. November 2011

4 U

Irgendwann in den 70ern und 80ern begannen schwarze Bands aus dem Funk- und HipHop- Bereich die englische Sprache lautmalerisch zu verballhornen.
Nicht selten konnte man da einen politischen Hintergrund hineinlesen: die Sprache des weißen Mannes bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden und sie somit zu etwas eigenem zu machen.
Jedenfalls war das meine Schlußfolgerung gewesen; ob sie irgendjemand teilte, weiß ich nicht.
Aber nach einiger Zeit nahm das Ganze Ausmaße an, das die Lektüre von Tracklisten auf HipHop- CD's zu einer Pein machte, bei der man zwischen Verständnis, "man kann's auch übertreiben" und Fremdscham aufgrund offensichtlicher Albernheit (bzw. instinktiv erahnter Brunzdummheit) hin- und herschwankte.
Schönstes Beispiel hierfür ist immer noch das fabulöse "Enta Da Stage"- Album der nicht weniger großartigen Black Moon, deren Texte aber trotzdem den Schluß nahelegten, daß die Jungs ihr Leben nicht mit dem Bohren dicker Bretter verbracht hatten... wobei Songtitel wie "Powaful Impak!" und "I Got Cha Opin" diesen Eindruck eher abrundeten als widerlegten.

Sei's drum, mittlerweile ist das Ganze zur völlig sinnentleerten Pose erstarrt... und wenn auf Facebook Gruppen auftauchen, die da verkünden "IF U DON LIKE WAT I POST REMOVE URSELF FROM MY PROFILE bei I & ONLY I RESERVES THE RIGHT 2 POST WATEVER I WANT 2 POST ON MY PROFILE", freut man sich.

Nämlich darüber, daß auch Sprachbehinderte nun weltweit eine Lobby haben.

Erinnerungen: Waschmaschinen und Menschen

Heute war ich in Zeiskam spazieren, dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin... etwas, was ich schon seit Jahren nicht mehr gemacht habe.
Langsam kann ich wieder längere Strecken zu Fuß gehen, auch wenn ich immer noch Probleme habe, beim Laufen meine Bewegungen zu koordinieren. Das führt dazu, daß etwa ein nahe an einer Hauswand parkendes Auto ein Problem darstellt, wenn ich zwischen beidem durchlaufen muß... eine Situation, vergleichbar mit der, auf einem schmalen Baustellenabschnitt im Auto links einen rechts fahrenden LKW zu überholen, während die Absperrung auf der Fahrerseite einem so nahe erscheint, daß man denkt, man könne nie vorbeiziehen, ohne irgendwo hängenzubleiben.
Aber egal. Ich durchwanderte also ein Geflecht von Gassen, bei denen ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern konnte, wo sie eigentlich hinführen.
War ich dann jedoch am Ende angelangt, landete ich immer an einem Ort, der Erinnerungen hervorgerufen hat, ähnlich dem Proust'schen Madeleine in der "Suche nach der verlorenen Zeit".
Es waren nicht nur positive Erinnerungen; ein Amalgam aus früheren Bäckereien, in welchen ich mir nach der Schule zusammen mit einem Freund Biene- Maja- Figuren aus Fruchtgummi und Wassereis für 25 Pfennige gekauft habe und Orten, an denem einem nach dem Sportunterricht oder dem Fußballtraining von irgendwelchen zwei oder drei Jahre älteren Dorfdumbos aufgelauert wurde, die einen dann unter allerlei hanebüchenen Begründungen (oder keinen, wenn sie einen schlechten Tag hatten) durch die Gegend scheuchten. Oder verprügelten. Oder auf irgendeine sonstige Weise zurichteten, zum Beispiel mit Sand, Schlamm oder Fallobst bewarfen, so daß man sich - die morgens frisch von der Mutter bereitgelegten Klamotten ein Bild des Jammers- fast nicht mehr nach Hause traute, weil die Eltern oft genug davon ausgingen, daß man die Sauerei selbst verursacht hatte.
Vor allem, wenn man ansonsten vor wenig zurückschreckte: auf Baustellen herumklettern. An leeren Pferdekoppeln mit mitgebrachten Streichhölzern Altpapier und morsches Holz anzünden, davor durch ein Meer von Brennesseln watend um eine Stelle zu erreichen, an der man vom Dorf aus die Flammen nicht sehen konnte.
Mit Schulkameraden Fahrradwettrennen auf holprigen Feldwegen durchführen, dabei natürlich ab und zu auf die Schnauze fallen oder das klapprige Damenrad, das ich fuhr, sonstwie schinden.
Erkundungsgänge an Bachläufen, um nach einem Moment der Unachtsamkeit in voller Bekleidung plötzlich wadentief im Wasser zu stehen.
Und ich hatte bestimmt fünf Jahre am Stück durchgehend aufgeschürfte Knie oder Ellbogen. Oder beides.

Wenn ich so zurückblicke, finde ich diese Erinnerungen durchaus interessant. Aber es ist keine Wehmut dabei. Ich bin froh, daß ich kein Kind mehr bin und daß mir Regungen kindlichen Gemüts bei mir selbst zumeist fremd sind. Ich weiß, daß das viele Erwachsene für sich anders sehen... dann frage ich mich allerdings: warum?
Obwohl, eine Macke von damals ist bei mir hängengeblieben, so daß ich sie heute noch kindlicher Prägung zuordnen kann: kaum im Krabbelalter, liebte ich es immer, der Waschmaschine zuzusehen, wenn sie meine Mutter vorher mit Buntwäsche befüllt hatte.
Auch heute noch, wenn ich selbst wasche, kann ich den Blick kaum vom Sichtfenster abwenden, bis sich die Trommel einige Male gedreht hat... wäre glaube ich eine gute Methode, um mich zu hypnotisieren.

Immerhin: mittlerweile habe ich meinen Frieden mit dem Dorf gemacht. Daß das nicht immer so war, ist kein großes Geheimnis.
Allerdings: leben möchte ich hier nie mehr. Und diese zwei Wochen jetzt reichen mir wieder für die nächsten zehn Jahre.

Samstag, 5. November 2011

Wenn die Flüsse rückwärts fließen...

...und die Hasen Jäger schießen.

Ich habe es als Kind geliebt, in Poesiealben zu schreiben. Später wurde es dann noch spannender, als die Steckbriefbücher in Mode kamen, in denen man seinem Mitteilungsbedürfnis frönen konnte sowie der Möglichkeit, sich in relativ gutem Licht darzustellen... eventuell Seiten aus sich herauszukehren, die Klassenkameraden in Staunen versetzen würden, durch erlesene Lieblingsbands oder -filme etwa.

Daß ich besagte Bücher zumeist als Letzter in der Klasse bekam, da ich in der Schule ungefähr auf demselben Platz in der Coolheitsskala stand wie die Putzfrau und der Hausmeistergehilfe... geschenkt.
Genauso wie der Umstand, daß ich beim Lesen meiner damaligen Ergüsse auch 25 Jahre später noch peinlich berührt sein würde.

Steckbriefe dagegen fülle ich immer noch gerne aus, wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem ich auch blogge.

Deshalb habe ich mir aus einem Forum einen herüberkopiert und werde ihn jetzt ausfüllen. Einfach so.

Name: Stefan Gaffory aka King Bronkowitz
Geschlecht: Nein, nicht dieser naheliegende Kalauer, bitte.
Alter: 38
Hobbies: Musik, Film, Literatur, Fußball, neuzeitliche Geschichte (Dokumentationen)
Lieblingsbeschäftigung: alles, was mit dem Hören von Musik in passender Umgebung mit den richtigen Leuten zu tun hat. Die erwartbaren Kalauer spare ich mir erneut.
Gute Eigenschaften: wenn ich jemanden mag, bin ich der netteste Mensch der Welt. Wenn nicht, hat er ein Problem. Zumindest wissen die meisten, wo sie mit mir dran sind, und diese Eigenschaft kann auch nicht jeder für sich reklamieren.
Schlechte Eigenschaften: Launisch. Impulsiv. Manchmal wortkarg, manchmal zu kompletter Logorrhöe neigend, egal ob verbal oder schriftlich.
3 Lieblingsbands: Slayer. The Stooges. Black Rebel Motorcycle Club.
3 Lieblingskünstler: Iggy Pop. Steve Albini. Nick Cave.
Lieblingssängerin: PJ Harvey
Lieblingsalbum: The Stooges- Fun House
Lieblingssong: müßte ich mich auf einen festlegen: Iggy Pop- The Passenger
Lieblingsfilm: Taxi Driver/ epische Mafia- und Gangsterfilme
Lieblingsserie: irgendwann ist scheinbar aus jeder die Luft raus. Obwohl "Life On Mars" nach zwei Staffeln rechtzeitig die Reißleine gezogen hat.
Lieblingsbuch: Max Frisch- Tagebücher 1946-1949
Lieblingsschauspieler: Brad Pitt (ohne Witz)
Vorbild: mein Vater hat mich in meinem Leben doch mehr geprägt, als ich früher dachte.
Wie möchtest du sterben: in unerträglichen Qualen in meiner eigenen Scheiße und Kotze in einem Rinnstein liegen. Und dann überfährt mich ein LKW.
Das mag ich total: mir macht es Spaß, ein Musiknerd zu sein. Ich glaube, das war mit 13 eines meiner ersten Lebensziele.
Das mag ich gar nicht: nichts macht mich aggressiver als Affektiertheit. Künstlerische Selbstvernuttung, vor allem für Konsumprodukte.
Das sollte noch erfunden werden: Cybersex mit Ziegen
Ein Satz für die Ewigkeit: "Ich versuche in einem Elfenbeinturm zu leben, doch ein Meer aus Scheiße schlägt an seine Mauern." (Flaubert)

King Bronkowitz

(nach Diktat verreist)