Eine für mich interessante Feststellung habe ich in letzter Zeit auf Facebook gemacht.
Notgedrungen halte ich mich in den letzten Tagen oft dort auf.
Bedingt durch meinen Allgemeinzustand ist das die einzige Art an Freizeitgestaltung, bei der ich nach wie vor Kontakt zu relativ vielen Leuten halten kann, die ich kenne.
Dazu poste ich viel Musik, die ich mir auf You Tube anhöre oder spontan das, was mir gerade durch den Schädel brummt.
Soweit, so gut.
Ich habe fast 200 Leute in meiner Liste, die ich alle mehr oder weniger kenne. Mein Auswahlkriterium, jemanden zu adden ist jenes, daß es mir möglich sein muß, mit den Leuten in meiner Liste auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die- wenn überhaupt- über "Hallo, wie geht's" hinausgeht.
Deswegen nehme ich auch generell keine Leute auf, die ich nicht oder nur flüchtig persönlich kenne, auch wenn es drei oder vier Ausnahmen gibt... aber die habe ich zumindest über längeren Kontakt in Internetforen kennengelernt.
Will heißen: man ist mit diversen der Leute unterwegs, aber immer in separaten Gruppen oder Einzelkonstellationen. Untereinander kennen sich vergleichsweise wenige.
Postet man nun aber einen Status oder ein Video, dem mehrere Kommentare verschiedener Leute folgen, sieht man plötzlich Leute aus seinem Bekanntenkreis miteinander interagieren, die sich normalerweise nie im Leben kennenlernen würden.
Manchmal denkt man, sich irgendeinen Anlaß basteln zu müssen, um X mit Y zusammenzuführen, weil das perfekt passen würde, manchmal geraten sich Leute aus nichtigen Anlässen in die Haare, bei denen man nur denkt, daß es gut ist, daß sie sich nicht kennen, auch weil man bei einem Streit im Netz als Freund/Kumpel/Bekannter nicht zwangsweise in der Pflicht steht, zu vermitteln, im Gegensatz zum realen Leben.
Mittlerweile finde ich das Beobachten der einzelnen Reaktionen aufeinander spannender als die Kommentare zu meinen Auslassungen selbst. Anders als im realen Leben, wo es zumeist so ablaufen würde, daß auf einer Party alle in Gruppen zusammenstehen würden, ohne miteinander zu kommunizieren.
Also: kommentiert! Streitet euch! Habt euch lieb!
King Bronkowitz- connecting people.
Samstag, 5. November 2011
Mittwoch, 2. November 2011
When the music's over
So, nun habe ich alle Texte, die noch irgendwo standen, wo sie nichts mehr zu suchen haben, in meinem Blog veröffentlicht.
Eigentlich würde ich jetzt gerne schreiben, daß es künftig mit dem regulären Programm weitergeht, nur ist dies momentan reichlich unspannend.
Außer dazu, mich im Jogginganzug im Haus meiner Eltern vor dem Fernseher oder dem Rechner herumzufläzen, reicht meine Energie nicht für sonderlich viele Alternativen in punkto Freizeitgestaltung aus.
"Jogginganzug" ist natürlich die Höchststrafe. Eines der Kleidungsstücke, welche bei mir komplett auf dem Index stehen und die ich normalerweise mit keiner Beißzange der Welt anfasse, nicht mal, wenn ich nichts anderes vorhabe, als den ganzen Tag auf der heimischen Couch zu verrotten.
Wobei die absolute Nummer 1 auf meiner Haßliste von einem anderen Kleidungsstück belegt wird.
Menschen, die mich kennen, werden bestätigen, daß man mich sogar bei 40 Grad im Schatten niemals in der Öffentlichkeit in kurzen Hosen sieht.
Das verdanke ich in erster Linie einer Art religiösem Erweckungserlebnis, das darin bestand, in Landau/Pfalz einer damaligen Arbeitskollegin mit der Statur eines Sumoringers begegnet zu sein, die ihre Krampfadern in knielangen, hautengen cremefarbenen Leggings zur Schau stellte.
Während ich noch einen Platz suchte, an dem ich mich ungestört übergeben konnte, dachte ich bei mir, daß mein nacktes Gebein auch nicht zum ästhetischsten zählt, was Mutter Natur zu bieten hat, und ich der Menschheit fürderhin diesen Anblick ersparen sollte. Und genau das habe ich mittlerweile kultiviert und neige da schnell zu Verallgemeinerungen... die in der Feststellung gipfeln, daß 97 % aller Männer in kurzen Hosen völlig lächerlich wirken, wenn sie nicht gerade Fußball spielen.
Auf neudeutsch: "Practice what you preach."
Eigentlich würde ich jetzt gerne schreiben, daß es künftig mit dem regulären Programm weitergeht, nur ist dies momentan reichlich unspannend.
Außer dazu, mich im Jogginganzug im Haus meiner Eltern vor dem Fernseher oder dem Rechner herumzufläzen, reicht meine Energie nicht für sonderlich viele Alternativen in punkto Freizeitgestaltung aus.
"Jogginganzug" ist natürlich die Höchststrafe. Eines der Kleidungsstücke, welche bei mir komplett auf dem Index stehen und die ich normalerweise mit keiner Beißzange der Welt anfasse, nicht mal, wenn ich nichts anderes vorhabe, als den ganzen Tag auf der heimischen Couch zu verrotten.
Wobei die absolute Nummer 1 auf meiner Haßliste von einem anderen Kleidungsstück belegt wird.
Menschen, die mich kennen, werden bestätigen, daß man mich sogar bei 40 Grad im Schatten niemals in der Öffentlichkeit in kurzen Hosen sieht.
Das verdanke ich in erster Linie einer Art religiösem Erweckungserlebnis, das darin bestand, in Landau/Pfalz einer damaligen Arbeitskollegin mit der Statur eines Sumoringers begegnet zu sein, die ihre Krampfadern in knielangen, hautengen cremefarbenen Leggings zur Schau stellte.
Während ich noch einen Platz suchte, an dem ich mich ungestört übergeben konnte, dachte ich bei mir, daß mein nacktes Gebein auch nicht zum ästhetischsten zählt, was Mutter Natur zu bieten hat, und ich der Menschheit fürderhin diesen Anblick ersparen sollte. Und genau das habe ich mittlerweile kultiviert und neige da schnell zu Verallgemeinerungen... die in der Feststellung gipfeln, daß 97 % aller Männer in kurzen Hosen völlig lächerlich wirken, wenn sie nicht gerade Fußball spielen.
Auf neudeutsch: "Practice what you preach."
Verriß 2: R.E.M.: Out Of Time
(erstmals veröffentlicht am 29.03. 2010, überarbeitet am 02.11.2011)

Erschienen: 08. 03. 1991
Trackliste:
1. Radio Song
2. Losing My Religion
3. Low
4. Near Wild Heaven
5. Endgame
6. Shiny Happy People
7. Belong
8. Half A World Away
9. Texarkana
10. Country Feedback
11. Me in Honey
Würde ich
hier und jetzt behaupten, dieses Album, das ich schon lange und gerne entsorgt habe, noch voll und ganz rekapitulieren zu können, würde ich lügen.
Aber gerade das Faktum, daß ich nicht lügen kann und das Album tatsächlich höchstens dreimal gehört habe (was auch schon fast 20 Jahre her ist) sollte Bände sprechen und macht es definitiv zu einem würdigen Vertreter dieser abscheulichen Rubrik, auch wenn die Rezension aus dem angesprochenen Grund reichlich kurz ausfallen wird.
Denn
der 08.03. 1991 war der Tag, an dem eine meiner damaligen Lieblingsbands für mich starb. Hätten sich R.E.M. an jenem Tag kollektiv in eine Cessna gezwängt und wären im Sturzflug in den Lake Michigan oder sonstwohin gerauscht, es hätte mich wahrscheinlich weniger entsetzt als dieses Album.
Entdeckt hatte ich die Mannen um Michael Stipe ca. 1988, durch "The One I Love". Ich, der ich damals noch Geld für Platten von Queen und U2 ausgab und mir was weiß ich was auf meinen erlesenen Musikgeschmack einbildete (was ich heute wahrscheinlich immer noch tue), kaufte mir daraufhin zum Nice Price "Document" auf Vinyl und war hin und weg.
"It's The End Of The World (As We Know It)" als einsam funkelndes Juwel, dazu Hits wie "Oddfellows Local 151", "Lightnin' Hopkins" oder "Exhuming McCarthy".
Als nächstes folgten "Green", "Life's Rich Pageant" und das zähere "Murmur" in meine Sammlung, und ich hatte endlich eine neue Lieblingsband abseits des Mainstream, die in meinem Umkreis NIEMAND kannte.
Kurz bevor "Out Of Time" herauskam, folgte noch eine Bandbiographie auf Englisch, bei einem ansonsten vernachlässigbaren Mailorder (MALIBU, glaube ich) bestellt, die ich damals lesen wollte.
Aber dazu sollte es nicht mehr kommen, bis heute nicht... der schmale Band dürfte immer noch bei meinen Eltern zwischen den Willi- Heinrich- und Hera- Lind- Büchern meiner Mutter rumstehen und Staub fressen.
Denn was ich da am 08.03. 1991 heimtrug (sogar noch mit einer Bonus- 7" mit zwei Liveaufnahmen von "Turn You Inside Out" und hab ich vergessen ausgestattet), war ein steiler Abstieg. Da saß ich nun also vor der fossilen Stereoanlage meiner Eltern, lauschte kompletter Grütze und was sich Tage vorher an nahezu erotisch aufgeblasener Spannung in mir aufgebaut hatte, schrumpelte schon nach Seite 1 auf Mäusepimmelgröße zusammen.
"Radio Song" mit dem von mir später hochverehrten KRS- One, der aber in seiner langen Karriere schon so manchen Klops abgeliefert hat, begann, um Yellos Dieter Meier in anderem Zusammenhang zu zitieren, schonmal "wie gesalzener Pudding, da mischt sich gar nichts".
Gepflegter Rock- Pop und "Yo, Baby Baby Baby" wollen halt einfach nicht zusammen ins Bett, egal, wie man es herrichtet. Daß KRS dazu immerhin einen zusammenhängenden Vierzeiler knapp vor dem Fadeout rappen durfte, machte die Sache nicht schlüssiger.
"Losing My Religion" machte mir wiederum Hoffnung, klang es doch nach den R.E.M., die ich kannte... damals übrigens mit "Shiny Happy People" für mich der erträglichste Song der Platte und mittlerweile in diesem Doppelpack dermaßen abgenudelt, daß ich beides nicht mehr hören mag, wobei der Text von letzterem mir in seiner völligen Ironiefreiheit noch den Rest gibt.
Gab es damals schon Ecstasy?
"Endgame" war meines Erinnerns nach ein GRAUENHAFTES Quasi- Instrumental, dessen scheint's von Mike Mills intoniertes "Ba ba ba" und "Fa fa fa" die Butter im Kühlschrank ranzig werden ließ... und solcherart schwülstig, zugeseicht, sülzig und glibberig ging es voran bis zum lugubren Ende.
Ich erinnere mich, daß ich Trauer verspürte, als ich die Platte vom Teller nahm, im Bewußtsein, gerade einer Beerdigung beigewohnt zu haben.
Schlimmer war es nur noch, daß die Platte später kommerziell geradezu explodierte (gemäß Murphy's Law) und anschließend sogar mein geschmacksbefreitester Klassenkamerad, dessen furchterregende Cassettensammlung unter anderem Ricky King beheimatete, stolz sein R.E.M.- T- Shirt zur Schau trug und mich auch noch fragte, ob ich die kenne, sei doch eine Super- Band, gell?
Hölle und Finsternis.
Daß- nach über 15 Jahren Funkstille- R.E.M. mit "Accelerate" und danach mit "Automatic For The People" wieder in mein Leben zurückkehrten, ist eine andere Geschichte.
"Out Of Time" jedenfalls habe ich schon vor Jahren verkauft und auch heute noch, wenn ich die Platte irgendwo sehe, überkommt mich höchstens der Drang, mir die Hände zu waschen.
Ich weiß nicht, ob sie mir heute besser gefiele... aber dazu müßte ich sie mir nochmal anhören. Und da fallen mir gefühlt 1872 Dinge ein, die ich lieber täte, unter anderem, zwei Stunden lang eine Ananas zu betrachten oder meinen Kopf in einen Eimer voll Vanillepudding zu tauchen.
Erschienen: 08. 03. 1991
Trackliste:
1. Radio Song
2. Losing My Religion
3. Low
4. Near Wild Heaven
5. Endgame
6. Shiny Happy People
7. Belong
8. Half A World Away
9. Texarkana
10. Country Feedback
11. Me in Honey
Würde ich
hier und jetzt behaupten, dieses Album, das ich schon lange und gerne entsorgt habe, noch voll und ganz rekapitulieren zu können, würde ich lügen.
Aber gerade das Faktum, daß ich nicht lügen kann und das Album tatsächlich höchstens dreimal gehört habe (was auch schon fast 20 Jahre her ist) sollte Bände sprechen und macht es definitiv zu einem würdigen Vertreter dieser abscheulichen Rubrik, auch wenn die Rezension aus dem angesprochenen Grund reichlich kurz ausfallen wird.
Denn
der 08.03. 1991 war der Tag, an dem eine meiner damaligen Lieblingsbands für mich starb. Hätten sich R.E.M. an jenem Tag kollektiv in eine Cessna gezwängt und wären im Sturzflug in den Lake Michigan oder sonstwohin gerauscht, es hätte mich wahrscheinlich weniger entsetzt als dieses Album.
Entdeckt hatte ich die Mannen um Michael Stipe ca. 1988, durch "The One I Love". Ich, der ich damals noch Geld für Platten von Queen und U2 ausgab und mir was weiß ich was auf meinen erlesenen Musikgeschmack einbildete (was ich heute wahrscheinlich immer noch tue), kaufte mir daraufhin zum Nice Price "Document" auf Vinyl und war hin und weg.
"It's The End Of The World (As We Know It)" als einsam funkelndes Juwel, dazu Hits wie "Oddfellows Local 151", "Lightnin' Hopkins" oder "Exhuming McCarthy".
Als nächstes folgten "Green", "Life's Rich Pageant" und das zähere "Murmur" in meine Sammlung, und ich hatte endlich eine neue Lieblingsband abseits des Mainstream, die in meinem Umkreis NIEMAND kannte.
Kurz bevor "Out Of Time" herauskam, folgte noch eine Bandbiographie auf Englisch, bei einem ansonsten vernachlässigbaren Mailorder (MALIBU, glaube ich) bestellt, die ich damals lesen wollte.
Aber dazu sollte es nicht mehr kommen, bis heute nicht... der schmale Band dürfte immer noch bei meinen Eltern zwischen den Willi- Heinrich- und Hera- Lind- Büchern meiner Mutter rumstehen und Staub fressen.
Denn was ich da am 08.03. 1991 heimtrug (sogar noch mit einer Bonus- 7" mit zwei Liveaufnahmen von "Turn You Inside Out" und hab ich vergessen ausgestattet), war ein steiler Abstieg. Da saß ich nun also vor der fossilen Stereoanlage meiner Eltern, lauschte kompletter Grütze und was sich Tage vorher an nahezu erotisch aufgeblasener Spannung in mir aufgebaut hatte, schrumpelte schon nach Seite 1 auf Mäusepimmelgröße zusammen.
"Radio Song" mit dem von mir später hochverehrten KRS- One, der aber in seiner langen Karriere schon so manchen Klops abgeliefert hat, begann, um Yellos Dieter Meier in anderem Zusammenhang zu zitieren, schonmal "wie gesalzener Pudding, da mischt sich gar nichts".
Gepflegter Rock- Pop und "Yo, Baby Baby Baby" wollen halt einfach nicht zusammen ins Bett, egal, wie man es herrichtet. Daß KRS dazu immerhin einen zusammenhängenden Vierzeiler knapp vor dem Fadeout rappen durfte, machte die Sache nicht schlüssiger.
"Losing My Religion" machte mir wiederum Hoffnung, klang es doch nach den R.E.M., die ich kannte... damals übrigens mit "Shiny Happy People" für mich der erträglichste Song der Platte und mittlerweile in diesem Doppelpack dermaßen abgenudelt, daß ich beides nicht mehr hören mag, wobei der Text von letzterem mir in seiner völligen Ironiefreiheit noch den Rest gibt.
Gab es damals schon Ecstasy?
"Endgame" war meines Erinnerns nach ein GRAUENHAFTES Quasi- Instrumental, dessen scheint's von Mike Mills intoniertes "Ba ba ba" und "Fa fa fa" die Butter im Kühlschrank ranzig werden ließ... und solcherart schwülstig, zugeseicht, sülzig und glibberig ging es voran bis zum lugubren Ende.
Ich erinnere mich, daß ich Trauer verspürte, als ich die Platte vom Teller nahm, im Bewußtsein, gerade einer Beerdigung beigewohnt zu haben.
Schlimmer war es nur noch, daß die Platte später kommerziell geradezu explodierte (gemäß Murphy's Law) und anschließend sogar mein geschmacksbefreitester Klassenkamerad, dessen furchterregende Cassettensammlung unter anderem Ricky King beheimatete, stolz sein R.E.M.- T- Shirt zur Schau trug und mich auch noch fragte, ob ich die kenne, sei doch eine Super- Band, gell?
Hölle und Finsternis.
Daß- nach über 15 Jahren Funkstille- R.E.M. mit "Accelerate" und danach mit "Automatic For The People" wieder in mein Leben zurückkehrten, ist eine andere Geschichte.
"Out Of Time" jedenfalls habe ich schon vor Jahren verkauft und auch heute noch, wenn ich die Platte irgendwo sehe, überkommt mich höchstens der Drang, mir die Hände zu waschen.
Ich weiß nicht, ob sie mir heute besser gefiele... aber dazu müßte ich sie mir nochmal anhören. Und da fallen mir gefühlt 1872 Dinge ein, die ich lieber täte, unter anderem, zwei Stunden lang eine Ananas zu betrachten oder meinen Kopf in einen Eimer voll Vanillepudding zu tauchen.
Verriß 1: Body Count: Cop Killer
(erstmals veröffentlicht am 10. 01. 2010, überarbeitet am 02.11.2011)

Genug der Lobhudeleien.
Es wird Zeit, den Spieß einmal herumzudrehen.
Ich habe bewiesen, daß ich meine Begeisterung mitteilen kann. Aber was ist mit der dunklen Seite der Macht?
Ist es möglich, genauso fundierte Verrisse zu schreiben (ob es irgendwann 15 werden, sei mal dahingestellt), zur Erbauung der Leserschaft, die ja- mir eingeschlossen- eigentlich viel lieber liest, wie auf etwas nach Herzenslust eingedroschen wird?
Die auch gerne darüber diskutiert, wenn es ein Album erwischt, das ihr am Herzen liegen mag, anstatt- wie bei den "15 Platten"- wohlwollend zu nicken, auch im Falle nicht nachvollziehbarer Lobpreisung?
Nun also Verrisse.
Um das Ganze nicht völlig beliebig zu gestalten, gibt es eine Bedingung:
Es sollte ein Album sein, das man zumindest einmal komplett gehört hat. Und da man es eigentlich kaum 15 Drecksplatten gibt, die man bis zum Ende durchsteht, werde ich die lose hier einstellen, je nachdem, was ich gerade wieder am Stück ertragen mußte.
Also fangen wir an, zuerst mal mit einem einfachen und dankbaren Opfer.
Erschienen: 1992
Erworben: 1992 in der Musicbox, Landau/Pfalz
Trackliste:
1. Smoked Pork
2. Body Count's In The House
3. Now Sports
4. Body Count
5. A Statistic
6. Bowels Of The Devil
7. The Real Problem
8. KKK Bitch
9. C Note
10. Voodoo
11. The Winner Loses
12. There Goes The Neighborhood
13. Oprah
14. Evil Dick
15. Body Count Anthem
16. Momma's Gotta Die Tonight
17. Out In The Parking Lot
18. Cop Killer
1992
war ein Jahr, in dem noch vieles anders war. Man selbst war gerade 19 geworden, ernährte sich vorwiegend von Brettmusik oder HipHop, hielt sich für linksautonom und diskutierte mit Viertel- bis Halbbildung engagiert über Politik, mit Argumenten, die heute eher peinlich berührtes Schweigen hervorrufen würden
Was die Musik anging, war es in der Szene, in der ich mich damals bewegte, nicht unbedingt üblich, HipHop zu hören.
Dennoch gab es eine kurze Zeit, in der es sowas wie einen Schulterschluß gab, bevor sich die Szenen komplett auseinanderdividierten, denn anfangs einte die Punk-/Alternative- und die gerade entstehende deutsche HipHop- Szene, -in der erstmals deutschsprachiger Rap im großen Stil produziert wurde, während sich frühere Crews hauptsächlich auf Breakdance und Graffiti spezialisiert hatten- in erster Linie der Haß auf die Rechte, die Anfang der 90er plötzlich so präsent war wie lange vorher nicht.
So lief eine zeitlang in Alternativeclubs tatsächlich eine heutzutage eigentlich nicht mehr denkbare Mischung aus Independent, Punk, Metal und HipHop, die dann auch Leute formte, die sich in diversen Genres zuhause fühlten, wie den Verfasser dieser Zeilen.
Andere schlossen sich zusammen und gründeten- ein tatsächlich reines End-80er/90er- Phänomen- sogenannte Crossoverbands, in denen zu Bratgitarren zumeist schlecht gerappt wurde, und die außer einigen RATM- Nostalgikern heutzutage niemand- ich wiederhole: NIEMAND- mehr hören will.
Ice-T mochte ich damals sehr, und ich halte "Power" und "O.G. Original Gangster" auch heute noch für gute Alben.
Also
flippte ich nahezu aus, als angekündigt wurde, daß er eine "Hardcoreband" namens Body Count gegründet habe und mit ihr demnächst ein Album veröffentlichen wolle. Ha! Klingen sollte das Ganze wie "NWA mit Gitarren". Ho! Und kurze Zeit darauf erblickte ich eine Werbeanzeige mit dem Cover in feinster Suicidal- Tendencies- Ästhetik. Hui!
Im Kopf überschlagen: Hardcore+ NWA+ publik gewordene Freundschaften zu Henry Rollins und Jello Biafra... da konnte nur eines der größten Alben der Menschheitsgeschichte dabei herauskommen. Mindestens.
Also bestellte ich es sofort im Plattenladen meines Vertrauens... und wurde noch länger auf die Folter gespannt, da es zu Lieferschwierigkeiten kam.
Derweil lief auf "MTV Headbanger's Ball" schonmal der düstere schwarz- weiß- Clip zu "There Goes The Neighborhood".
Mittlerweile gierte ich nach diesem Album, und eine quälend lange Zeit später hielt ich es endlich in den zitternden Händen, legte es zuhause in den CD- Player und fand es scheiße.
Nein, das wäre zu einfach: ich fand es damals bereits nicht gut, wollte es aber gutfinden, aufrecht und verzweifelt. Doch im Lauf der Zeit klappte dies immer weniger.
Dabei hätte ich gewarnt sein sollen. "Body Count", bereits auf "O.G." enthalten, war schon ein reichlich ideenfrei dahinstampfendes Stück Bolzrock mit garstigem Gitarrengegniedel, das wie eine gräßliche 70er- Band auf der Suche nach dem verlorenen Zeitgeist klang, dazu mit ausnehmend blödem Text.
Goddamn what a brotha gotta do
to get a message through
to the red, white and blue?
What I gotta die
before you realize
I was a brotha with open eyes?
The world's insane
while you drink champagne
and I'm livin' in black rain.
You try to ban the A.K.,
I got ten of 'em stashed
with a case of hand grenades.
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Sogar in der an Plattheiten nicht immer armen Punkszene war das bereits ein schauriger Tiefpunkt und vom Anspruch, "Hardcore" zu machen, ellenweit entfernt.
Wie möchte jemand "Hardcore" machen, der zwar brav ein Black- Flag- T- Shirt trägt, aber ansonsten von der Materie nicht die geringste Ahnung zu haben scheint?
Doch das war ja noch nicht alles, es ging noch schlimmer.
War
"Body Count's In The House" damals ein noch durchaus passabler Tanzflächenfüller, bei dem man den Versuch, in einem Quasiinstrumental so oft wie möglich das Wort "Motherfucker" unterzubringen, vor dem Hintergrund, daß dies damals noch furchtbar provokativ war, nachsichtig belächeln kann, so geht einem das Lächeln beim ranzigen Herrenhumor von "KKK Bitch" und spätestens beim geradezu gruslig schlechten "Evil Dick" samt Fickimitation und gnadenlos dilettantischem Bolzteil endgültig verlustig.
Daß Männer Lieder über ihre Schwänze schreiben, mag ja beim NWA- Vergleich noch angehen. Aber die waren wenigstens noch lustig. Hier regiert höchstens die Fremdscham.
Der gnadenlos dilettantische Bolzteil darf auch das eh schon reichlich mäßige "Voodoo" und die tranige NY- Hardcore- Imitation "Body Count Anthem" kaputthauen, während "The Winner Loses" eine Ballade um einen drogensüchtigen Freund ist.
Eine Ballade. Wir wiederholen andächtig: eine Ballade.
"Singen kann ich eigentlich nicht, meine Stimme ist total flach", meinte Ice- T später dazu dann im SPEX- Interview.
Warum zur Hölle tut er es dann? Warum muß das auf Platte gepreßt werden?
Und warum tut eigentlich niemand etwas gegen Ernie C's schauriges Gitarrengewichse?
Stattdessen stellt man ihm mit "C Note" fast zwei Minuten zur Verfügung, in welchen er in bester Eunuchenmetalsolomanier sein Können zeigen kann. Das will man wirklich nicht wissen.
Und so reiht sich denn ein immer neuer Tiefpunkt an den nächsten, ein Konglomerat an Stumpfheit, blödem Gebolze, Gitarrengegniedel, doofen Texten und unwitzigen Witzen
Body Count. Unverdrossen machen sie immer noch weiter, in einem ungehörten Niemandsland, in dem auch Ice- T mit seinen letzten HipHop- Alben mittlerweile gelandet ist, und zwar ebenfalls zurecht.
Obwohl ein Teil der ursprünglichen Besetzung mittlerweile tot ist (der ermordete spätere [auf "Beat 'Em Up"] Iggy- Pop- Basser Mooseman und der Schlagzeuger Beatmaster V, der meines Wissens an Leukämie starb) wollen sie einfach kein Einsehen haben.
Dabei ist bereits "Cop Killer" ein Album für die Tonne, das bei mir keinerlei Nostalgie hervorruft und mir beim Wiederhören zwecks des Abfassens dieser Rezension körperliche und seelische Qualen bereitet hat.
Warum dieses Stück Müll dann immer noch ewig bei mir herumstand?
Die Story um den später entfernten Titeltrack dürfte bekannt sein, die Hoffnung auf damit verbundene Wertsteigerung des Originals auch. Erstaunlicherweise hat sich da in den letzten Jahren kaum was getan.
So schenkte ich es einem guten Freund von mir, der damit anscheinend richtig glücklich ist.
Zu irgendwas muß es ja gut sein.
Genug der Lobhudeleien.
Es wird Zeit, den Spieß einmal herumzudrehen.
Ich habe bewiesen, daß ich meine Begeisterung mitteilen kann. Aber was ist mit der dunklen Seite der Macht?
Ist es möglich, genauso fundierte Verrisse zu schreiben (ob es irgendwann 15 werden, sei mal dahingestellt), zur Erbauung der Leserschaft, die ja- mir eingeschlossen- eigentlich viel lieber liest, wie auf etwas nach Herzenslust eingedroschen wird?
Die auch gerne darüber diskutiert, wenn es ein Album erwischt, das ihr am Herzen liegen mag, anstatt- wie bei den "15 Platten"- wohlwollend zu nicken, auch im Falle nicht nachvollziehbarer Lobpreisung?
Nun also Verrisse.
Um das Ganze nicht völlig beliebig zu gestalten, gibt es eine Bedingung:
Es sollte ein Album sein, das man zumindest einmal komplett gehört hat. Und da man es eigentlich kaum 15 Drecksplatten gibt, die man bis zum Ende durchsteht, werde ich die lose hier einstellen, je nachdem, was ich gerade wieder am Stück ertragen mußte.
Also fangen wir an, zuerst mal mit einem einfachen und dankbaren Opfer.
Erschienen: 1992
Erworben: 1992 in der Musicbox, Landau/Pfalz
Trackliste:
1. Smoked Pork
2. Body Count's In The House
3. Now Sports
4. Body Count
5. A Statistic
6. Bowels Of The Devil
7. The Real Problem
8. KKK Bitch
9. C Note
10. Voodoo
11. The Winner Loses
12. There Goes The Neighborhood
13. Oprah
14. Evil Dick
15. Body Count Anthem
16. Momma's Gotta Die Tonight
17. Out In The Parking Lot
18. Cop Killer
1992
war ein Jahr, in dem noch vieles anders war. Man selbst war gerade 19 geworden, ernährte sich vorwiegend von Brettmusik oder HipHop, hielt sich für linksautonom und diskutierte mit Viertel- bis Halbbildung engagiert über Politik, mit Argumenten, die heute eher peinlich berührtes Schweigen hervorrufen würden
Was die Musik anging, war es in der Szene, in der ich mich damals bewegte, nicht unbedingt üblich, HipHop zu hören.
Dennoch gab es eine kurze Zeit, in der es sowas wie einen Schulterschluß gab, bevor sich die Szenen komplett auseinanderdividierten, denn anfangs einte die Punk-/Alternative- und die gerade entstehende deutsche HipHop- Szene, -in der erstmals deutschsprachiger Rap im großen Stil produziert wurde, während sich frühere Crews hauptsächlich auf Breakdance und Graffiti spezialisiert hatten- in erster Linie der Haß auf die Rechte, die Anfang der 90er plötzlich so präsent war wie lange vorher nicht.
So lief eine zeitlang in Alternativeclubs tatsächlich eine heutzutage eigentlich nicht mehr denkbare Mischung aus Independent, Punk, Metal und HipHop, die dann auch Leute formte, die sich in diversen Genres zuhause fühlten, wie den Verfasser dieser Zeilen.
Andere schlossen sich zusammen und gründeten- ein tatsächlich reines End-80er/90er- Phänomen- sogenannte Crossoverbands, in denen zu Bratgitarren zumeist schlecht gerappt wurde, und die außer einigen RATM- Nostalgikern heutzutage niemand- ich wiederhole: NIEMAND- mehr hören will.
Ice-T mochte ich damals sehr, und ich halte "Power" und "O.G. Original Gangster" auch heute noch für gute Alben.
Also
flippte ich nahezu aus, als angekündigt wurde, daß er eine "Hardcoreband" namens Body Count gegründet habe und mit ihr demnächst ein Album veröffentlichen wolle. Ha! Klingen sollte das Ganze wie "NWA mit Gitarren". Ho! Und kurze Zeit darauf erblickte ich eine Werbeanzeige mit dem Cover in feinster Suicidal- Tendencies- Ästhetik. Hui!
Im Kopf überschlagen: Hardcore+ NWA+ publik gewordene Freundschaften zu Henry Rollins und Jello Biafra... da konnte nur eines der größten Alben der Menschheitsgeschichte dabei herauskommen. Mindestens.
Also bestellte ich es sofort im Plattenladen meines Vertrauens... und wurde noch länger auf die Folter gespannt, da es zu Lieferschwierigkeiten kam.
Derweil lief auf "MTV Headbanger's Ball" schonmal der düstere schwarz- weiß- Clip zu "There Goes The Neighborhood".
Mittlerweile gierte ich nach diesem Album, und eine quälend lange Zeit später hielt ich es endlich in den zitternden Händen, legte es zuhause in den CD- Player und fand es scheiße.
Nein, das wäre zu einfach: ich fand es damals bereits nicht gut, wollte es aber gutfinden, aufrecht und verzweifelt. Doch im Lauf der Zeit klappte dies immer weniger.
Dabei hätte ich gewarnt sein sollen. "Body Count", bereits auf "O.G." enthalten, war schon ein reichlich ideenfrei dahinstampfendes Stück Bolzrock mit garstigem Gitarrengegniedel, das wie eine gräßliche 70er- Band auf der Suche nach dem verlorenen Zeitgeist klang, dazu mit ausnehmend blödem Text.
Goddamn what a brotha gotta do
to get a message through
to the red, white and blue?
What I gotta die
before you realize
I was a brotha with open eyes?
The world's insane
while you drink champagne
and I'm livin' in black rain.
You try to ban the A.K.,
I got ten of 'em stashed
with a case of hand grenades.
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Tell us what to do... Fuck you!
Sogar in der an Plattheiten nicht immer armen Punkszene war das bereits ein schauriger Tiefpunkt und vom Anspruch, "Hardcore" zu machen, ellenweit entfernt.
Wie möchte jemand "Hardcore" machen, der zwar brav ein Black- Flag- T- Shirt trägt, aber ansonsten von der Materie nicht die geringste Ahnung zu haben scheint?
Doch das war ja noch nicht alles, es ging noch schlimmer.
War
"Body Count's In The House" damals ein noch durchaus passabler Tanzflächenfüller, bei dem man den Versuch, in einem Quasiinstrumental so oft wie möglich das Wort "Motherfucker" unterzubringen, vor dem Hintergrund, daß dies damals noch furchtbar provokativ war, nachsichtig belächeln kann, so geht einem das Lächeln beim ranzigen Herrenhumor von "KKK Bitch" und spätestens beim geradezu gruslig schlechten "Evil Dick" samt Fickimitation und gnadenlos dilettantischem Bolzteil endgültig verlustig.
Daß Männer Lieder über ihre Schwänze schreiben, mag ja beim NWA- Vergleich noch angehen. Aber die waren wenigstens noch lustig. Hier regiert höchstens die Fremdscham.
Der gnadenlos dilettantische Bolzteil darf auch das eh schon reichlich mäßige "Voodoo" und die tranige NY- Hardcore- Imitation "Body Count Anthem" kaputthauen, während "The Winner Loses" eine Ballade um einen drogensüchtigen Freund ist.
Eine Ballade. Wir wiederholen andächtig: eine Ballade.
"Singen kann ich eigentlich nicht, meine Stimme ist total flach", meinte Ice- T später dazu dann im SPEX- Interview.
Warum zur Hölle tut er es dann? Warum muß das auf Platte gepreßt werden?
Und warum tut eigentlich niemand etwas gegen Ernie C's schauriges Gitarrengewichse?
Stattdessen stellt man ihm mit "C Note" fast zwei Minuten zur Verfügung, in welchen er in bester Eunuchenmetalsolomanier sein Können zeigen kann. Das will man wirklich nicht wissen.
Und so reiht sich denn ein immer neuer Tiefpunkt an den nächsten, ein Konglomerat an Stumpfheit, blödem Gebolze, Gitarrengegniedel, doofen Texten und unwitzigen Witzen
Body Count. Unverdrossen machen sie immer noch weiter, in einem ungehörten Niemandsland, in dem auch Ice- T mit seinen letzten HipHop- Alben mittlerweile gelandet ist, und zwar ebenfalls zurecht.
Obwohl ein Teil der ursprünglichen Besetzung mittlerweile tot ist (der ermordete spätere [auf "Beat 'Em Up"] Iggy- Pop- Basser Mooseman und der Schlagzeuger Beatmaster V, der meines Wissens an Leukämie starb) wollen sie einfach kein Einsehen haben.
Dabei ist bereits "Cop Killer" ein Album für die Tonne, das bei mir keinerlei Nostalgie hervorruft und mir beim Wiederhören zwecks des Abfassens dieser Rezension körperliche und seelische Qualen bereitet hat.
Warum dieses Stück Müll dann immer noch ewig bei mir herumstand?
Die Story um den später entfernten Titeltrack dürfte bekannt sein, die Hoffnung auf damit verbundene Wertsteigerung des Originals auch. Erstaunlicherweise hat sich da in den letzten Jahren kaum was getan.
So schenkte ich es einem guten Freund von mir, der damit anscheinend richtig glücklich ist.
Zu irgendwas muß es ja gut sein.
Montag, 31. Oktober 2011
Bohemian Rhapsody
Ich verbringe die Tage immer noch bei meinen Eltern.
Der Krankenschein ist eingereicht, die Begleiterscheinungen der Operation lassen allmählich nach (mittlerweile kann ich wieder ohne Hilfe Treppen steigen und mich alleine anziehen, beides Tätigkeiten, die vor gut einer Woche nur mit Schmerzen verbunden waren) und mache ansonsten ... nichts.
Schlafen, fernsehen, mich bekochen lassen.
Mancher würde das toll finden; mir kommt es eher befremdlich vor. Vor allem, wenn ich mir das Leben betrachte, das ich bis zu meinem Krankenhausaufenthalt geführt habe; das ist knapp über drei Wochen her, aber durch die Ereignisse in den letzten Tagen dermaßen in die Ferne gerückt, daß Erinnerungen daran wirken wie ein Gruß aus längst vergessenen Zeiten.
Momentan kann ich mir nicht einmal vorstellen, in die Bar Milano zu gehen, ein großes Pils zu ordern und nach der Bundesligakonferenz im Fernsehen direkt in die Stadt weiterzuziehen.
Das soll kein Indiz dafür sein, daß ich nun, da ich schon mit anderthalb Beinen im Grab stand, mein Leben überdenke und zum Ergebnis komme, es künftig anders führen zu wollen.
Mich an einfachen Dingen erfreuen, Demut zeigen (auch dem Schöpfer gegenüber, der mich bestimmt verschont hat, um mir eine Lektion beizubringen), täglich joggen, kein Alkohol und Nikotin mehr, gesunde Ernährung, bewußter... Leben.
Fuck it.
Stattdessen sitze ich mit meinem Vater am Küchentisch, wir erzählen uns gegenseitig schlechte Witze, rauchen Zigaretten, als würden sie morgen verboten, trinken literweise Kaffee und ich hoffe dabei, möglichst schnell soweit fit zu werden,daß ich mich ohne Gefahr für Leib und Leben einmal wieder hemmungslos besaufen und dabei zu lauter Musik Sackgitarre spielen kann.
Solange beschränkt sich mein Dasein auf eine Abfolge von Déjà- Vues.
In der vorigen Woche verbrachte ich nämlich in Ermangelung anderer Freizeitangebote einen Großteil des Tages vor dem Radio, um mir die alle paar Jahre wiederkehrenden Top 1000 Hörercharts auf SWR1 Rheinland- Pfalz anzuhören. Und das rund um die Uhr.
Seltsamer Zufall, gerade jetzt Texte gepostet zu haben, in denen eben jene Hörercharts eine essentielle Rolle spielen.
Auf jeden Fall war es zumindest leidlich spannend, viel mehr konnte ich nun wirklich nicht erwarten, auch wenn die ungesunde Häufung von Peter Maffay, ABBA und AC/DC bei mir fast schon zu schweren, postoperativen Nachblutungen geführt hätte.
Die Top 30 versammelten natürlich von "Smoke On The Water" über "Lady In Black", "Hotel California", "Music" und "Stairway To Heaven" die für alle Ewigkeiten in Grütze geronnenen Abgezahntesten der Abgezahnten, bei denen man sich ernsthaft fragt, wie die ein Mensch über 30 auch nur noch sekundenlang erträgt, ohne einen Narkolepsieanfall zu bekommen. In meinem Alter dürfte man nämlich jeden der genannten Titel schon 447mal im Leben gehört haben, egal, ob man das gerade wollte oder nicht.
Erster wurde am Ende "Bohemian Rhapsody" von Queen. Nicht minder totgenudelt wie die bereits aufgeführten, aber deutlich noch als das Erträglichste davon wahrgenommen.
Da war ich offensichtlich bereits völlig apathisch.
Der Krankenschein ist eingereicht, die Begleiterscheinungen der Operation lassen allmählich nach (mittlerweile kann ich wieder ohne Hilfe Treppen steigen und mich alleine anziehen, beides Tätigkeiten, die vor gut einer Woche nur mit Schmerzen verbunden waren) und mache ansonsten ... nichts.
Schlafen, fernsehen, mich bekochen lassen.
Mancher würde das toll finden; mir kommt es eher befremdlich vor. Vor allem, wenn ich mir das Leben betrachte, das ich bis zu meinem Krankenhausaufenthalt geführt habe; das ist knapp über drei Wochen her, aber durch die Ereignisse in den letzten Tagen dermaßen in die Ferne gerückt, daß Erinnerungen daran wirken wie ein Gruß aus längst vergessenen Zeiten.
Momentan kann ich mir nicht einmal vorstellen, in die Bar Milano zu gehen, ein großes Pils zu ordern und nach der Bundesligakonferenz im Fernsehen direkt in die Stadt weiterzuziehen.
Das soll kein Indiz dafür sein, daß ich nun, da ich schon mit anderthalb Beinen im Grab stand, mein Leben überdenke und zum Ergebnis komme, es künftig anders führen zu wollen.
Mich an einfachen Dingen erfreuen, Demut zeigen (auch dem Schöpfer gegenüber, der mich bestimmt verschont hat, um mir eine Lektion beizubringen), täglich joggen, kein Alkohol und Nikotin mehr, gesunde Ernährung, bewußter... Leben.
Fuck it.
Stattdessen sitze ich mit meinem Vater am Küchentisch, wir erzählen uns gegenseitig schlechte Witze, rauchen Zigaretten, als würden sie morgen verboten, trinken literweise Kaffee und ich hoffe dabei, möglichst schnell soweit fit zu werden,daß ich mich ohne Gefahr für Leib und Leben einmal wieder hemmungslos besaufen und dabei zu lauter Musik Sackgitarre spielen kann.
Solange beschränkt sich mein Dasein auf eine Abfolge von Déjà- Vues.
In der vorigen Woche verbrachte ich nämlich in Ermangelung anderer Freizeitangebote einen Großteil des Tages vor dem Radio, um mir die alle paar Jahre wiederkehrenden Top 1000 Hörercharts auf SWR1 Rheinland- Pfalz anzuhören. Und das rund um die Uhr.
Seltsamer Zufall, gerade jetzt Texte gepostet zu haben, in denen eben jene Hörercharts eine essentielle Rolle spielen.
Auf jeden Fall war es zumindest leidlich spannend, viel mehr konnte ich nun wirklich nicht erwarten, auch wenn die ungesunde Häufung von Peter Maffay, ABBA und AC/DC bei mir fast schon zu schweren, postoperativen Nachblutungen geführt hätte.
Die Top 30 versammelten natürlich von "Smoke On The Water" über "Lady In Black", "Hotel California", "Music" und "Stairway To Heaven" die für alle Ewigkeiten in Grütze geronnenen Abgezahntesten der Abgezahnten, bei denen man sich ernsthaft fragt, wie die ein Mensch über 30 auch nur noch sekundenlang erträgt, ohne einen Narkolepsieanfall zu bekommen. In meinem Alter dürfte man nämlich jeden der genannten Titel schon 447mal im Leben gehört haben, egal, ob man das gerade wollte oder nicht.
Erster wurde am Ende "Bohemian Rhapsody" von Queen. Nicht minder totgenudelt wie die bereits aufgeführten, aber deutlich noch als das Erträglichste davon wahrgenommen.
Da war ich offensichtlich bereits völlig apathisch.
Freitag, 28. Oktober 2011
Nachklapp
Das waren nun also meine "15 Platten", von denen einige bereits gesetzt waren und es klar war, daß ich darüber schreiben würde, andere Texte entstanden spontan aus einer Laune heraus.
Will heißen: ein Teil der Liste hätte auch ganz anders aussehen können.
Die aufgeführten Alben sind für mich essentiell; ich würde auf keines davon verzichten wollen. Aber es gibt Alben, die stehen bei mir im selben Rang, nur daß sie das Pech hatten, daß ich nicht wußte, was ich dazu schreiben soll... bzw. wurden sie in etlichen Musikmagazinen dermaßen kanonisiert, daß mich die Aufgabe, Geschriebenes wiederzukäuen, einfach nicht reizte.
Mein absolutes Lieblingsalbum aller Zeiten- und da mag noch kommen, was will- ist "Fun House" von den Stooges.
Ein weiterer Kandidat, der es nicht in die Liste schaffte, ist "Relationship Of Command" von At The Drive-In... ganz zu schweigen von den Melvins, NoMeansNo, Girls Against Boys, Killing Joke... und weiteren Lieblingsbands von mir.
Was ich sagen möchte: diese Liste hat bei weitem nicht den Ruch der Unfehlbarkeit, der einem wohl bei diesem Thema automatisch entgegenschlägt. Es war eine Herausforderung, die sehr viel Zeit und Geduld erfordert hat, auch eine Art Antwort an mich selbst, ob ich in der Lage bin, dermaßen ausgiebig über Musik zu schreiben, ohne Menschen zu Tode zu langweilen.
Ob das hier in diesem Rahmen funktioniert hat, weiß ich nicht; dort, wo die Texte ursprünglich veröffentlicht waren, hat es das. Es gab auch triftige Gründe dafür, sie nun in einer derartigen Hauruckaktion in meinen Blog zu hieven und noch einmal mit Schmirgelpapier darüberzugehen.
Es war ein Haufen Arbeit... zwar keine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Meisterleistung, aber immerhin soviel, daß man seine Rechte an den Texten nicht unbedingt an jemanden herschenken möchte, mit dem man zerstritten ist. Das soll und wird diesen Textberg halbwegs plausibel erklären, hoffe ich doch.
Ich hoffe, auch für mäßig Interessierte sind ein paar lesenswerte Passagen dabei. Unterbrochen von meinem zwischenzeitlichen Beinaheableben hat mich meine momentane Rekonvaleszenzphase, verbunden mit viel zuviel Zeit dazu gebracht, das hier endlich zu beenden (auch, um mal wieder "normal" bloggen zu können, ohne den Gesamtzusammenhang komplett zu zerstückeln)... wobei mir auch der Umstand entgegenkam, daß bei den neueren Texten aufgrund gesteigerten Erzähl- und Leseflusses kaum noch Überarbeitungen notwendig waren.
Vieles in der Liste ist zwar nicht dazu angetan, den Geschmack eines breiteren Publikums zu treffen... aber wenn es manchem einleuchtende Gründe dafür geliefert hat, was ich an Musik finde, mit der er rein gar nichts anfangen kann, hat sich die stundenlange Arbeit für mich gelohnt.
Und somit möchte ich hiermit auch offiziell schließen... in der Hoffnung, vielleicht auch hier etwas mehr Kritiken und Meinungen zu erhalten als eine einzige (danke, Thomas).
Will heißen: ein Teil der Liste hätte auch ganz anders aussehen können.
Die aufgeführten Alben sind für mich essentiell; ich würde auf keines davon verzichten wollen. Aber es gibt Alben, die stehen bei mir im selben Rang, nur daß sie das Pech hatten, daß ich nicht wußte, was ich dazu schreiben soll... bzw. wurden sie in etlichen Musikmagazinen dermaßen kanonisiert, daß mich die Aufgabe, Geschriebenes wiederzukäuen, einfach nicht reizte.
Mein absolutes Lieblingsalbum aller Zeiten- und da mag noch kommen, was will- ist "Fun House" von den Stooges.
Ein weiterer Kandidat, der es nicht in die Liste schaffte, ist "Relationship Of Command" von At The Drive-In... ganz zu schweigen von den Melvins, NoMeansNo, Girls Against Boys, Killing Joke... und weiteren Lieblingsbands von mir.
Was ich sagen möchte: diese Liste hat bei weitem nicht den Ruch der Unfehlbarkeit, der einem wohl bei diesem Thema automatisch entgegenschlägt. Es war eine Herausforderung, die sehr viel Zeit und Geduld erfordert hat, auch eine Art Antwort an mich selbst, ob ich in der Lage bin, dermaßen ausgiebig über Musik zu schreiben, ohne Menschen zu Tode zu langweilen.
Ob das hier in diesem Rahmen funktioniert hat, weiß ich nicht; dort, wo die Texte ursprünglich veröffentlicht waren, hat es das. Es gab auch triftige Gründe dafür, sie nun in einer derartigen Hauruckaktion in meinen Blog zu hieven und noch einmal mit Schmirgelpapier darüberzugehen.
Es war ein Haufen Arbeit... zwar keine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Meisterleistung, aber immerhin soviel, daß man seine Rechte an den Texten nicht unbedingt an jemanden herschenken möchte, mit dem man zerstritten ist. Das soll und wird diesen Textberg halbwegs plausibel erklären, hoffe ich doch.
Ich hoffe, auch für mäßig Interessierte sind ein paar lesenswerte Passagen dabei. Unterbrochen von meinem zwischenzeitlichen Beinaheableben hat mich meine momentane Rekonvaleszenzphase, verbunden mit viel zuviel Zeit dazu gebracht, das hier endlich zu beenden (auch, um mal wieder "normal" bloggen zu können, ohne den Gesamtzusammenhang komplett zu zerstückeln)... wobei mir auch der Umstand entgegenkam, daß bei den neueren Texten aufgrund gesteigerten Erzähl- und Leseflusses kaum noch Überarbeitungen notwendig waren.
Vieles in der Liste ist zwar nicht dazu angetan, den Geschmack eines breiteren Publikums zu treffen... aber wenn es manchem einleuchtende Gründe dafür geliefert hat, was ich an Musik finde, mit der er rein gar nichts anfangen kann, hat sich die stundenlange Arbeit für mich gelohnt.
Und somit möchte ich hiermit auch offiziell schließen... in der Hoffnung, vielleicht auch hier etwas mehr Kritiken und Meinungen zu erhalten als eine einzige (danke, Thomas).
15. Sixteen Horsepower: Olden
(erstmals veröffentlicht am 11.07.2010, überarbeitet am 28.10.2011)

Kommen wir zum Abschluß unserer kleinen Reihe. Ich wollte natürlich noch ein Album haben, das wiederum komplett aus dem Rahmen fällt, auch wenn ich dazu nicht übermäßig viel schreiben, sondern nur meine völlige Ergebenheit kundtun kann... insofern ist die Wahl natürlich folgerichtig.
Veröffentlicht: 18.08. 2003
Erstanden: ca. 2004
im: Studio Eins, Karlsruhe
Besetzung:
David Eugene Edwards (voc/gt)
Pascal Humbert (?)
Jean- Yves Tola (dr)
Trackliste:
Night Owl Session
1. American Wheeze
2. Coal Black Horses
3. Scrawled In Sap
4. Prison Shoe Romp
5. I Seen What I Saw
6. Neck On The New Blade
7. Interview
Kerr Macy Session
8. South Pennsylvania Waltz
9. My Narrow Mind
10. American Wheeze
11. Shametown
12. Train Serenade
13. Strong Man
14. Interview
Live 1994
15. Slow Guilt Trot
16. Low Estate
17. Pure Clob Road
18. Heel On The Shovel
19. Sac Of Religion
20. Dead Run
Es steht geschrieben:
Und der HErr sprach:
"Ungläubiger, der du wandelst auf Erden, höre: verdammt sollst du sein zu kaufen dieses Tonträgererzeugnis, welches hier in meinem Namen zur Erde gesandt ward."
Und der Ungläubige wandte sein Antlitz ab und fürchtete sich sehr;
dennoch betrat er das Haus der Händler, denen er vertraute, zu erblicken das Erzeugnis aufgereiht in einem Regal.
Und darauf ward geschrieben neun Silberlinge;
als der Blutzoll ward entrichtet, ging er zur Hütte, in der er hauste, zu lauschen den unvertrauten Klängen.
Es stand in alten Büchern, daß unfertige Versionen enthalten seien;
doch es erschütterte den Ungläubigen nicht.
Denn auch die vollendeten Versionen hatte er nie gehört;
so daß der Eröffnungsreigen, der da benannt war mit "American Wheeze" sein Ohr umschmeichelte und seine Taubheit bezwang.
Eine Maultrommel erklang, ein pulsend Akkordeon rückte dräuend vorwärts; betäubend klang das Schlagwerk
und die Worte des heiligen Mannes, die da verbreitet wurden, waren voll der Tiefe.
Er sprach in fremden Zungen; verkündete in "Coal Black Horses" die Wiederkehr des Messias, dessen Herrlichkeit strahlen würde in alle Ewigkeit;
und alles war wunderbar, und die Seele der Musik ward eins mit dem Geist des Ketzers.
Zwiespältig war die Lust an dem Getön; seufzen mußte er ab und an und den Verstand entweichen lassen;
zu kraftvoll waren die heiligen Worte, und die Art des Vortrags rührte ihn sehr.
Welch Erhabenheit fand sich in jenen Sätzen, welch Größe und Kunst:
[...]
Yeah you may be the one come on son
Bring your blade and your gun
And if i die by your hand
I've gotta home in glory land
(American Wheeze)
Und wenn der Dichter sich dem Weibe widmete, ergriff es den Ketzer nur um so mehr:
[...]
to the moan in your voice
not a charm do you lack
your skin to touch as a black ravens back
but i cannot go far with these words as they rhyme
as to tell, of the pleasure, your hand in mine
and i pray as i say this song in this way
that your eyes they would close an your head begin to sway
and you'll feel how he heals with his blood on our skin
i am yours lady scrawled an thin[...]
(Scrawled In Sap)
Und es war jenes, was alles unterschied von den üblichen heiligen Gesängen;
der unterschwellige Wahnsinn, der lauerte, die Selbstkasteiung und der Rufer in der Wüste.
Holzhütten zerfielen in der Weite des Landes; große Windräder aus Holz sangen ihr Klagelied, angetrieben durch den Hauch von der Einsamkeit, geführt durch nichts als die Hand Gottes in dunkelster Stunde.
Mitten im Laufe des Tonträgers vernimmt man eine Stimme, die in da spricht:
"There's an intensity, whether you like it or not."
Selten ward die Wahrheit weiser ausgesprochen.
*Buch zuklapp*
Wenn es eine Platte schafft, mich zum Fan einer Band aus wahnsinnigen Wanderpredigern zu machen, die es sogar in Gegenwart recht unwilliger Ohrenzeugen ("Stell bitte diese Christenscheiße ab, oder ich steig aus") schafft, mich dermaßen gefangen zu nehmen, daß ich mich beinahe von der Platte verschluckt fühle;
wenn es sich bei ihr dabei noch dazu eigentlich um Resteverwertung handelt... Demoversionen, die in weniger abgespeckter Form auf den regulären Alben existieren, Radiosessions und Liveaufnahmen;
wenn sie mich noch dazu beim ersten Antesten dermaßen in ihren Bann gezogen hat, daß ich sie nach ca. 30 Sekunden des Openers sofort gekauft habe, um sie immer und immer und immer wieder zu hören, dann muß sie etwas ganz Großes und Bedeutsames sein, oder die Band, die sie veröffentlicht hat, eine der besten Gruppen aller Zeiten.
Oder beides.
"American Wheeze"
in der Version des Openers (neben den zwei Versionen hier findet sich das Original auf dem Debüt "Sackcloth'n Ashes") ist bis heute eines meiner absoluten Lieblingslieder.
Ich mußte mich zuerst einmal an die "regulären" Versionen gewöhnen, als ich die Vorgängeralben endlich einmal hatte; in dem Fall (und im Falle vom erstaunlich flotten "My Narrow Mind" [welches mich musikalisch setsamerweise an "Ice Cream For Crow" von Captain Beefheart erinnert]und dem "Prison Shoe Romp") kann ich das bis heute nicht. Vor allem letzterer ist durch seine punktgenaue Gitarre, mit der er einsetzt und bei welcher trotz aller surrealen Atmosphäre kein Ton zufällig entstanden wirkt, für mich einer der absoluten Höhepunkte der Platte... und wenn dann das Schlagzeug einsetzt, könnte ich, ja, ausflippen. Ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein.
Und die Texte sind dermaßen faszinierend, weil sie in ihrer tiefempfundenen Religiösität auch immer Abgründiges offenbaren.
Das mag nicht meine Welt sein; als große Kunst kann ich das trotzdem würdigen.
Auch wenn mich Absätze wie folgender schon manchmal fragen lassen, was ich mir da eigentlich antue:
[...]
Just as sure as by evil you are torn
The sky will open up an an angel blow his horn
an down come Jesus lookin' so fine
Just as sure as that girl she is mine....
[...]
(Coal Black Horses)
Nun denn. Aber ich habe eine Vorliebe für eine gewisse alttestamentarische Sprache, die noch dazu mit großen Bildern und Symbolen arbeitet... und was Sixteen Horsepower von anderen Quatschbands unterscheidet, ist das erstaunlich seltene Abgleiten ihres Pathos in Hohlheiten.
Große Kunst ist es auch,
eine größtenteils akustische Platte aufzunehmen, die trotzdem stellenweise derartige Zugkraft und Energie entwickelt, daß es einen mitreißt; Liebeslieder zu schreiben, die zum Teil derart pathetisch und prätentiös sind, daß es einen ekeln müßte, aber man stattdessen schwelgt und sich danach fragt, warum; ein Instrument wie das Akkordeon zu spielen, dessen Existenz (samt jener der Leute, die es sich umhängen) im Leben außerhalb dieser Platte zu 90% die pure Folter bedeutet, ohne daß es nervt, im Gegenteil.
Der Gesang mag Geschmackssache sein... daß es David Eugene Edwards häufig schafft, seine Stimme in ein Jodeln überkippen zu lassen, das vor allem in den ruhigen Stücken nur haarscharf an der Schmerzgrenze vorbeischrammt, steht außer Frage.
Genauso steht es aber auch außer Frage, daß die schnelleren Stücke mit ihrer (als Beispiel: "Heel On The Shovel" und gleich danach "Sac Of Religion") vertrackten Rhythmik einen nicht nur staunen lassen, sondern auch einen unglaublichen Bewegungsdrang freisetzen.
Und das bei staubiger Americana, die größtenteils von der Folklore der Appalachen (wer jemals eine Fernsehdokumentation über diese Gegend der USA samt der einheimischen Hinterwäldler gesehen hat, wird umgehend das Wort "Ziegenficker" in seinen Sprachschatz aufnehmen) beeinflußt ist.
Daß sich unter diesen Umständen in ihrem Gesamtwerk auch eine Coverversion von Joy Division findet, verwundert einen da letztendlich doch ("Day Of The Lords" auf "Hoarse"... nun, vielleicht ist es mit diesem Titel doch nicht sooo erstaunlich).
Ich frage mich noch heute, wieso es diese Band geschafft hat, daß ich ihr Oeuvre (abgesehen vom verschnarchten "Folklore"- Album) nicht nur gut, sondern großartig finde, und ihr zu Füßen liege wie kaum einer anderen Gruppe.
Erfreulich, daß es mir nicht als einzigem so geht.
Ein Freund von mir ist im Relapse- Board, also das Label, das der Welt nicht nur die ersten beiden Mastodon- Alben beschert hat, sondern auch- tatsächlich- "In The Eyes Of God" von Today Is The Day.
Eines Tages echauffierte sich ein User wohl über eine Platte mit den Worten "Wenn ihr so eine Scheiße veröffentlicht, könnt ihr auch gleich David Eugene Edwards signen."
Worauf sich der Chef von Relapse höchstselbst zu Wort meldete, und zwar mit nur einem Satz:
"Käme David Eugene Edwards zu mir ins Büro, würde ich ihm ohne Zögern einen unterschriftsreifen Vertrag hinlegen."
Kommen wir zum Abschluß unserer kleinen Reihe. Ich wollte natürlich noch ein Album haben, das wiederum komplett aus dem Rahmen fällt, auch wenn ich dazu nicht übermäßig viel schreiben, sondern nur meine völlige Ergebenheit kundtun kann... insofern ist die Wahl natürlich folgerichtig.
Veröffentlicht: 18.08. 2003
Erstanden: ca. 2004
im: Studio Eins, Karlsruhe
Besetzung:
David Eugene Edwards (voc/gt)
Pascal Humbert (?)
Jean- Yves Tola (dr)
Trackliste:
Night Owl Session
1. American Wheeze
2. Coal Black Horses
3. Scrawled In Sap
4. Prison Shoe Romp
5. I Seen What I Saw
6. Neck On The New Blade
7. Interview
Kerr Macy Session
8. South Pennsylvania Waltz
9. My Narrow Mind
10. American Wheeze
11. Shametown
12. Train Serenade
13. Strong Man
14. Interview
Live 1994
15. Slow Guilt Trot
16. Low Estate
17. Pure Clob Road
18. Heel On The Shovel
19. Sac Of Religion
20. Dead Run
Es steht geschrieben:
Und der HErr sprach:
"Ungläubiger, der du wandelst auf Erden, höre: verdammt sollst du sein zu kaufen dieses Tonträgererzeugnis, welches hier in meinem Namen zur Erde gesandt ward."
Und der Ungläubige wandte sein Antlitz ab und fürchtete sich sehr;
dennoch betrat er das Haus der Händler, denen er vertraute, zu erblicken das Erzeugnis aufgereiht in einem Regal.
Und darauf ward geschrieben neun Silberlinge;
als der Blutzoll ward entrichtet, ging er zur Hütte, in der er hauste, zu lauschen den unvertrauten Klängen.
Es stand in alten Büchern, daß unfertige Versionen enthalten seien;
doch es erschütterte den Ungläubigen nicht.
Denn auch die vollendeten Versionen hatte er nie gehört;
so daß der Eröffnungsreigen, der da benannt war mit "American Wheeze" sein Ohr umschmeichelte und seine Taubheit bezwang.
Eine Maultrommel erklang, ein pulsend Akkordeon rückte dräuend vorwärts; betäubend klang das Schlagwerk
und die Worte des heiligen Mannes, die da verbreitet wurden, waren voll der Tiefe.
Er sprach in fremden Zungen; verkündete in "Coal Black Horses" die Wiederkehr des Messias, dessen Herrlichkeit strahlen würde in alle Ewigkeit;
und alles war wunderbar, und die Seele der Musik ward eins mit dem Geist des Ketzers.
Zwiespältig war die Lust an dem Getön; seufzen mußte er ab und an und den Verstand entweichen lassen;
zu kraftvoll waren die heiligen Worte, und die Art des Vortrags rührte ihn sehr.
Welch Erhabenheit fand sich in jenen Sätzen, welch Größe und Kunst:
[...]
Yeah you may be the one come on son
Bring your blade and your gun
And if i die by your hand
I've gotta home in glory land
(American Wheeze)
Und wenn der Dichter sich dem Weibe widmete, ergriff es den Ketzer nur um so mehr:
[...]
to the moan in your voice
not a charm do you lack
your skin to touch as a black ravens back
but i cannot go far with these words as they rhyme
as to tell, of the pleasure, your hand in mine
and i pray as i say this song in this way
that your eyes they would close an your head begin to sway
and you'll feel how he heals with his blood on our skin
i am yours lady scrawled an thin[...]
(Scrawled In Sap)
Und es war jenes, was alles unterschied von den üblichen heiligen Gesängen;
der unterschwellige Wahnsinn, der lauerte, die Selbstkasteiung und der Rufer in der Wüste.
Holzhütten zerfielen in der Weite des Landes; große Windräder aus Holz sangen ihr Klagelied, angetrieben durch den Hauch von der Einsamkeit, geführt durch nichts als die Hand Gottes in dunkelster Stunde.
Mitten im Laufe des Tonträgers vernimmt man eine Stimme, die in da spricht:
"There's an intensity, whether you like it or not."
Selten ward die Wahrheit weiser ausgesprochen.
*Buch zuklapp*
Wenn es eine Platte schafft, mich zum Fan einer Band aus wahnsinnigen Wanderpredigern zu machen, die es sogar in Gegenwart recht unwilliger Ohrenzeugen ("Stell bitte diese Christenscheiße ab, oder ich steig aus") schafft, mich dermaßen gefangen zu nehmen, daß ich mich beinahe von der Platte verschluckt fühle;
wenn es sich bei ihr dabei noch dazu eigentlich um Resteverwertung handelt... Demoversionen, die in weniger abgespeckter Form auf den regulären Alben existieren, Radiosessions und Liveaufnahmen;
wenn sie mich noch dazu beim ersten Antesten dermaßen in ihren Bann gezogen hat, daß ich sie nach ca. 30 Sekunden des Openers sofort gekauft habe, um sie immer und immer und immer wieder zu hören, dann muß sie etwas ganz Großes und Bedeutsames sein, oder die Band, die sie veröffentlicht hat, eine der besten Gruppen aller Zeiten.
Oder beides.
"American Wheeze"
in der Version des Openers (neben den zwei Versionen hier findet sich das Original auf dem Debüt "Sackcloth'n Ashes") ist bis heute eines meiner absoluten Lieblingslieder.
Ich mußte mich zuerst einmal an die "regulären" Versionen gewöhnen, als ich die Vorgängeralben endlich einmal hatte; in dem Fall (und im Falle vom erstaunlich flotten "My Narrow Mind" [welches mich musikalisch setsamerweise an "Ice Cream For Crow" von Captain Beefheart erinnert]und dem "Prison Shoe Romp") kann ich das bis heute nicht. Vor allem letzterer ist durch seine punktgenaue Gitarre, mit der er einsetzt und bei welcher trotz aller surrealen Atmosphäre kein Ton zufällig entstanden wirkt, für mich einer der absoluten Höhepunkte der Platte... und wenn dann das Schlagzeug einsetzt, könnte ich, ja, ausflippen. Ein anderes Wort fällt mir gerade nicht ein.
Und die Texte sind dermaßen faszinierend, weil sie in ihrer tiefempfundenen Religiösität auch immer Abgründiges offenbaren.
Das mag nicht meine Welt sein; als große Kunst kann ich das trotzdem würdigen.
Auch wenn mich Absätze wie folgender schon manchmal fragen lassen, was ich mir da eigentlich antue:
[...]
Just as sure as by evil you are torn
The sky will open up an an angel blow his horn
an down come Jesus lookin' so fine
Just as sure as that girl she is mine....
[...]
(Coal Black Horses)
Nun denn. Aber ich habe eine Vorliebe für eine gewisse alttestamentarische Sprache, die noch dazu mit großen Bildern und Symbolen arbeitet... und was Sixteen Horsepower von anderen Quatschbands unterscheidet, ist das erstaunlich seltene Abgleiten ihres Pathos in Hohlheiten.
Große Kunst ist es auch,
eine größtenteils akustische Platte aufzunehmen, die trotzdem stellenweise derartige Zugkraft und Energie entwickelt, daß es einen mitreißt; Liebeslieder zu schreiben, die zum Teil derart pathetisch und prätentiös sind, daß es einen ekeln müßte, aber man stattdessen schwelgt und sich danach fragt, warum; ein Instrument wie das Akkordeon zu spielen, dessen Existenz (samt jener der Leute, die es sich umhängen) im Leben außerhalb dieser Platte zu 90% die pure Folter bedeutet, ohne daß es nervt, im Gegenteil.
Der Gesang mag Geschmackssache sein... daß es David Eugene Edwards häufig schafft, seine Stimme in ein Jodeln überkippen zu lassen, das vor allem in den ruhigen Stücken nur haarscharf an der Schmerzgrenze vorbeischrammt, steht außer Frage.
Genauso steht es aber auch außer Frage, daß die schnelleren Stücke mit ihrer (als Beispiel: "Heel On The Shovel" und gleich danach "Sac Of Religion") vertrackten Rhythmik einen nicht nur staunen lassen, sondern auch einen unglaublichen Bewegungsdrang freisetzen.
Und das bei staubiger Americana, die größtenteils von der Folklore der Appalachen (wer jemals eine Fernsehdokumentation über diese Gegend der USA samt der einheimischen Hinterwäldler gesehen hat, wird umgehend das Wort "Ziegenficker" in seinen Sprachschatz aufnehmen) beeinflußt ist.
Daß sich unter diesen Umständen in ihrem Gesamtwerk auch eine Coverversion von Joy Division findet, verwundert einen da letztendlich doch ("Day Of The Lords" auf "Hoarse"... nun, vielleicht ist es mit diesem Titel doch nicht sooo erstaunlich).
Ich frage mich noch heute, wieso es diese Band geschafft hat, daß ich ihr Oeuvre (abgesehen vom verschnarchten "Folklore"- Album) nicht nur gut, sondern großartig finde, und ihr zu Füßen liege wie kaum einer anderen Gruppe.
Erfreulich, daß es mir nicht als einzigem so geht.
Ein Freund von mir ist im Relapse- Board, also das Label, das der Welt nicht nur die ersten beiden Mastodon- Alben beschert hat, sondern auch- tatsächlich- "In The Eyes Of God" von Today Is The Day.
Eines Tages echauffierte sich ein User wohl über eine Platte mit den Worten "Wenn ihr so eine Scheiße veröffentlicht, könnt ihr auch gleich David Eugene Edwards signen."
Worauf sich der Chef von Relapse höchstselbst zu Wort meldete, und zwar mit nur einem Satz:
"Käme David Eugene Edwards zu mir ins Büro, würde ich ihm ohne Zögern einen unterschriftsreifen Vertrag hinlegen."
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